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Düsseldorf
Jeck erst recht!

Hoppeditz erwacht in Düsseldorf am 11.11. 2017
Hoppeditz erwacht in Düsseldorf am 11.11. 2017 FOTO: Jana Bauch
Düsseldorf. Düsseldorf hat am Samstag einen tollen Auftakt in die Karnevalssession erlebt, es gab jedoch Widrigkeiten zu bewältigen. Die Top-Fakten: Von Uwe-Jens Ruhnau

Überraschungen Tom Bauer war zum elften Mal der Hoppeditz des Düsseldorfer Karnevals. Jürgen Hilger-Höltgen, der die Figur ebenfalls närrische elf Mal verkörpert hat, hatte ihm "die beste Rede der letzten 20 Jahre" (O-Ton Bauer) geschrieben. Bissig, lustig, deftig, selbstironisch. Der Schelm kletterte erst um 11.12 Uhr aus dem Senffass, weil er mit dem Fahrrad "als letzter Teilnehmer der Tour de France" durch ein Spalier auf den Platz mehr torkelte als fuhr. Später streifte er sich das Fortuna-Sessionstrikot über (die Profis laufen mit dem Sondertrikot wirklich auf) und verkleidete sich noch als Diktator Kim Jong Un - Perücke und aufgepolsterte Wangen inklusive.

Inhalt Der Hoppeditz nahm sich gleich den monatelangen Streit um die Tour vor, sprach doppeldeutig von einem Lenker ohne Stil (siehe Zitatleiste rechts), meinte dann aber: "Ihr Stadträte solltet euch dafür echt was schämen. Die Tour, sie war top, nicht zu zahlen ist schlecht./ Kriegt den Arsch hoch, ihr Ratsherren und das... Jeck erst recht!" Letzterer Satz ist das Motto der neuen Session.

Ob hohe Mieten oder Kita-Versorgung: Die Stadtpolitik und der vielfache Zoff mit Oberbürgermeistermeister Thomas Geisel wurde ebenso spitz aufgegriffen wie Armin Laschets Siegeszug im Land. Hoppeditz kennzeichnete sich als Herrscher von Nordkorea so: "Bin dick und feist mit Mondgesicht/ der immer seinen Willen kricht/ denn was ich sage wird gemacht/ wer's nicht tut, der wird umgebracht."

Und weil mit Steinen werfen soll, wer im Glashaus sitzt, bekamen auch die Narren selbst ihr Fett weg: "Ganz Düsseldorf schreit laut Hurra/ Der "Stuten-Jupp" ist wieder da", damit war Bäcker Josef Hinkel gemeint, der jetzt PR-wirksam den Förderverein des Karnevals leitet. Die geplante Werbekarawane wurde als Vorzug verulkt, aber auch Hoppeditz zog sich durch den Kakao und reagierte auf einen Bericht im "Düsseldorf Express": "Was man konnt lesen über mich/ dass vom Alt ich Dünnschiss krich".

Regen und Tonausfall Dieser 11.11. hätte Sonnenschein verdient gehabt. Nicht nur wegen eines Hoppeditz in Hochform, sondern auch wegen der Narren selbst. Die ließen sich von Regen und Kälte den Spaß an der Freud nicht verderben, sondern feierten auch nach dem offiziellen Teil vor der Rathausbühne weiter, zeitweise drehten ellenlange Polonäsen ihre Runden.

Ärgerlich war jedoch der Tonausfall vor allem im hinteren Teil des Marktplatzes. Wer zwischen Jan-Wellem-Standbild und alter Kämmerei stand, konnte zwar die Anmerkungen von OB Geisel gut verstehen, hörte aber vom Hoppeditz selber nichts. "Das ist wirklich unglaublich", zürnte CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann gestern. Das gleiche Problem habe man schon im vorigen Jahr gehabt. "Wir werden die Panne in der Manöverkritik besprechen. Tüllmann fordert für das nächste Jahr einen Soundcheck, bei dem alle Mikrophone gleichzeitig getestet werden und auf dem ganzen Platz kontrolliert wird, ob etwas zu hören ist.

Das ist auch deswegen wichtig, weil im hinteren Teil des Marktplatzes das "normale" närrische Volk stand, für das der Tag vor allem gedacht ist. Zwischen Jan Wellem und altem Rathaus war großräumig für Garden und Vereine abgesperrt, die mit ihren Uniformen für ein prächtiges farbenfrohes Bild sorgten.

Reaktion Oberbürgermeister Thomas Geisel sah die Kritik am nach wie vor zu teuren Wohnen in der Landeshauptstadt "als Ansporn, noch mehr für preiswerten Wohnraum zu kämpfen", fand aber, dass er ansonsten gut weggekommen sei. Der Hoppeditz habe das politische Klima im Rathaus aufgegriffen, das ja nicht immer gut sei. "Der Hauptverursacher dafür bin aber, wenn man dem Hoppeditz glauben darf, wohl nicht ich."

Partys In der Altstadt wurde in Brauhäusern und Kneipen bis in den Abend weitergefeiert. Der Hoppeditz-Ball des Carnevals Comitees war ausverkauft, rund 1200 Tickets hatten Abnehmer gefunden. Die Stimmung war gut, allerdings war der Henkel-Saal sehr voll. Einige Besucher störten sich daran, dass sie nahezu keine Chance hatten, zur Bühne vorzudringen. Die Tische davor waren verkauft worden, die meisten hatten sich die Karnevalsvereine gesichert.

Der Hoppeditz 2017 war aus polizeilicher Sicht ein friedliches Ereignis. Es sei weniger los gewesen als an normalen Wochenenden, hieß es gestern aus dem Polizeipräsidium am Jürgensplatz.

Quelle: RP
 
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