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Düsseldorf
Jüdische Gemeinde kritisiert Rock-Konzert

Kritik an "The Wall Live Show" von  Roger Waters
Kritik an "The Wall Live Show" von Roger Waters FOTO: ap, Balazs Mohai
Düsseldorf. Eklat eine Woche vor dem Gastspiel von "The Wall" in der Düsseldorfer Arena: Das Bühnenbild der Show erinnert an Nazi-Reichsparteitage. Außerdem schießt Musiker Roger Waters auf ein Plastikschwein mit Davidstern. Von Anke Kronemeyer

Nächsten Freitag steht Roger Waters, Ex-Bassist von "Pink Floyd", als Solo-Künstler auf der Bühne. Der Titel seiner Show ist "The Wall". Es ist zwar die gleiche, mit der er im vergangenen Jahr auch auf Tournee war, aber jetzt hagelt es Proteste. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf ruft heute zum Boykott dieses Konzerts auf.

Den Grund erklärt deren Geschäftsführer Michael Szentei-Heise: "Roger Waters bläst in der Show ein Schwein auf, das den Davidstern trägt, anschließend nimmt er eine Maschinenpistole und erschießt das Schwein." Unabhängig davon, dass das Schwein für Anhänger des jüdischen Glaubens das Symbol der Unreinheit ist, fühlt sich Szentei-Heise durch diese ganze Szene tief getroffen. Außerdem sei das Bühnenbild der Show "The Wall" einem NSDAP-Reichsparteitag nachgebildet, Waters steht im schwarzen Outfit mit roter Armbinde auf der Bühne und erinnert damit an Nazi-Symbole.

Schon nach den bisherigen Auftritten des Künstlers in Wien oder Brüssel hagelte es Kritik vor allem von jüdischen Gemeindevertretern in Europa. Beispiel Belgien: Dort war Waters im Juli aufgetreten, in einem Artikel der jüdischen Zeitung "The Algemeiner" schrieb daraufhin Rabbi Abraham Cooper, der stellvertretende Leiter des dortigen Simon-Wiesenthal-Center, dass Waters auf diese Weise öffentlich seinen Judenhass zur Schau gestellt habe.

Darauf reagierte der Künstler und bezeichnete die Vorwürfe des Geistlichen als "vorhersehbar" und "fanatisch". Seine Bühnenshows, so zählte er auf, benutzten neben dem Davidstern auch Symbole wie das Kruzifix, Hammer und Sichel, Logos von Firmen wie Shell oder McDonald?s sowie Dollarzeichen oder Mercedes-Sterne. Auch habe er enge Freunde und eine Schwiegertochter, die jüdischen Glaubens seien, ergänzte Waters. Außerdem wies er darauf hin, dass er das Plastikschwein bereits auf fast 200 Konzerten seit 2010 eingesetzt hatte.

Roger Waters hat seine Show sicher nicht ohne Hintergedanken choreographiert: Er bekennt sich schon lange offen gegen Israel, steht auf Seiten der Palästinenser und sagt immer wieder seine Meinung zu den politischen Auseinandersetzungen. Mit der Folge, dass zum Beispiel das israelische Top-Model Bar Refaeli in hebräischer Sprache twittert, dass sie nichts mehr mit dem Rocker Roger Waters zu tun haben will, nachdem der in einem früheren offenen Brief zu einem Künstler-Boykott gegen Israel aufgerufen hatte.

Das Konzert ist nach Aussage des Arena-Managements noch nicht ausverkauft.

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