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Düsseldorf
Jüdisches Leben in Düsseldorf

Düsseldorf: Jüdisches Leben in Düsseldorf
Dieses Foto entstand während einer Thora-Übergabe: Roland Schmeiß hat es 2014 in der Düsseldorfer Synagoge aufgenommen. FOTO: Roland Schmeiß
Düsseldorf. Sechs Fotografen schenken dem Stadtmuseum 42 Aufnahmen. Es soll ein Anstoß zur Erweiterung der Sammlung sein. Von Klas Libuda

Gestern Morgen noch waren sie in den Ausstellungsräumen als "Leihgabe" deklariert, heute gehören sie zum Bestand des Stadtmuseums: 42 Bilder der Fotogruppe Chai, die das gegenwärtige jüdische Leben in Düsseldorf zeigen. Die sechs Fotografen der Gruppe haben ihre Arbeiten dem Museum an der Berger Allee geschenkt. Diese Gabe wollen sie als sachten Anstoß verstanden wissen, die Sammlungsbestände noch zu erweitern.

Denn während ihrer Arbeit an der Ausstellung "Von Augenblick zu Augenblick", die das jüdische Leben in Düsseldorf nach 1945 zeigt, hätten die Fotografen festgestellt, dass es zurzeit noch "ganz wenig Material" zum Leben der Juden in Düsseldorf gebe, sagte Richard Isselhorst, einer der Künstler aus der Gruppe. Zwar widersprach Museumsdirektorin Susanne Anna, die sich über die Schenkung dennoch nicht minder freute, mit dem Verweis auf die Kinderzeichnungen, die der jüdische Maler Julo Levin gesammelt hatte und die seit den 1980ern im Besitz des Museums sind. Isselhorst aber ließ nicht locker. "Es gibt Werke von jüdischen Künstlern, aber noch nichts aus dem heutigen Alltagsleben der Juden in Düsseldorf", erklärte er, "wir wollten helfen, einen Grundstock anzulegen." Darum sei die Schenkung mit der Bitte verbunden, das Thema weiter zu verfolgen.

42 Fotografien werden künftig zu diesem Grundstock gehören, die die sechs Fotografen der Gruppe - Chai ist hebräisch und bedeutet "Leben" - nun dem Museum überlassen hat. Die Fotografen hatten sich im Umfeld der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gefunden. Entstanden sind ihre Fotos im vergangenen Jahr.

Viele der Arbeiten versuchen Brücken zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu schlagen. Anatoly Yakub hat Veteranen der Roten Armee fotografiert, die heute Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf sind. Er zeigt sie im hohen Alter mit den Orden, die sie als Soldaten verliehen bekommen haben. Bilder, die die Männer in jungen Jahren im Krieg zeigen, hat er dazugestellt.

Anselm Faust hat sich mit der Stadtentwicklung vor und nach 1945 beschäftigt. Zu sehen sind aktuelle Düsseldorf-Ansichten, in die er Kauf- und Wohnhäuser montiert hat, die einst Juden gehörten. Vieles sei ihm selbst nicht bewusst gewesen, bis er mit der Recherche begonnen habe, erzählt Faust.

Richard Isselhorst hat jüdische Düsseldorfer um Dinge gebeten, die für die Vergangenheit stehen. Er zeigt die Türsegen oder den Talmud, die jüdische Schriftsammlung, die sie von ihren Eltern und Großeltern geerbt haben. Daneben stellt Isselhorst Porträts der Düsseldorfer und ein weiteres Foto, das ihren Alltag beschreibt: eine Musiklehrerin bei der Chorprobe, eine Online-Händlerin in ihren Lagerräumen. Die Erinnerung wach zu halten, sei wichtig, sagt Isselhorst, "darüber sollten aber nicht die heute lebenden Menschen vergessen werden." So stürzen sich Roland Schmeiß, Eva Lindner und Thomas Rüsenberg voll und ganz aufs Hier und Jetzt. Schmeiß hat die Übergabe einer Thorarolle in der Jüdischen Gemeinde mit der Kamera festgehalten. Rüsenberg hat sich sonntags die Synagoge aufschließen lassen, er zeigt sie menschenleer, mit Blick fürs Interieur.

Und Fotografin Eva Lindner hat Menschen jüdischen Glaubens fotografiert, ohne sie im religiösen Kontext zu zeigen. "Als ich anfing, jüdische Düsseldorfer zu suchen, war ich der Meinung, gar keine zu kennen", erzählt sie. Nachdem sie sich in ihrem Umfeld umgehört und den ein oder anderen neuen Kontakt geknüpft hatte, seien dann gleich 60 Porträts entstanden. 36 hat sie zu einer Collage zusammengestellt.

Quelle: RP
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