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Düsseldorf
Jugendamt sucht dringend Sozialarbeiter

Missbrauchsfall im Kinderhilfezentrum
Düsseldorf. Der Missbrauchsfall im Kinderhilfezentrum offenbart den Notstand in städtischen Betreuungseinrichtungen. Von Stefani Geilhausen

Es sei, sagt ein Kenner des Kinderhilfezentrums, "ein Wunder, dass so etwas nicht schon früher vorgekommen ist". Die Erstunterbringung gerade angekommener jugendlicher Flüchtlinge in der Turnhalle und einem umfunktionierten Besprechungsraum des Kinderhilfezentrums sowie im Kinderspielhaus an der Dorotheenstraße sei sehr problematisch.

"Kinder, die aus gewalttätigen Elternhäusern herausgeholt worden sind, haben Angst, wenn sie auf dem Hof ausgelassenen Halbwüchsigen begegnen. Das ist, selbst wenn es dafür keinen Grund gibt, kein Gefühl, das sie in einer Schutzeinrichtung haben sollten."

Im Kinderhilfezentrum in Pempelfort sind minderjährige alleinreisende Flüchtlinge und in Obhut genommene Kinder untergebracht. FOTO: Anne Orthen

Das ist auch dem Jugendamt bewusst. Für die jungen Flüchtlinge ist deshalb ein Wohnheim in Vorbereitung, das im ehemaligen DRK-Altenheim an der Ludwig-Beck-Straße 70 Plätze bieten soll. Mit der für nächsten Monat geplanten Eröffnung wäre die Lage im Kinderhilfezentrum entzerrt. Allerdings nur räumlich. "Wir suchen händeringend qualifizierte Sozialarbeiter", sagt Amtsleiter Johannes Horn. Von zehn bewilligten Stellen allein für die Fallbetreuung der unbegleiteten Flüchtlinge seien fünf nicht besetzt, und auch in den Betreuungseinrichtungen sei der Personalschlüssel "unserem Qualitätsanspruch nicht mehr angemessen".

Horn setzt deshalb nach wie vor auch auf die Kampagne, mit der die Stadt versucht, die jungen Flüchtlinge in Familien zu integrieren. "Wir versuchen weiter, Menschen für eine Vormundschaft zu begeistern", sagt Horn, und hofft, dass das Interesse nicht durch den Vorfall im Kinderhilfezentrum beeinträchtigt wird. Gerade die Integration der minderjährigen Flüchtlinge habe bislang eine positive Entwicklung genommen.

Die Heimaufsicht beim Landesjugendamt war am Mittwoch darüber informiert worden, dass am Wochenende zuvor eine in Obhut genommene Zwölfjährige von zwei Flüchtlingen missbraucht worden war. Die mutmaßlichen Täter, ein 15-Jähriger und ein offenbar mit falschen Altersangaben in die Einrichtung gelangter 22-Jähriger, sind in Untersuchungshaft.

Einen "Hilferuf" aus dem Kinderhilfezentrum, in dem derzeit 130 Mitarbeiter für 50 Kinder und Jugendliche zuständig ist, habe es beim Landesjugendamt nicht gegeben. "Die Überbelegung ist uns natürlich bekannt", sagte dessen Sprecher Till Döring, das Landesjugendamt habe diese genehmigt. "Es ist ja nur eine Überbrückungssituation, die jungen Flüchtlinge bleiben dort nicht lange." Allerdings werde bei solchen kurzfristigen Genehmigungen der Personalschlüssel nicht angepasst. Es müsse lediglich "irgendeine" Form von Betreuung gewährleistet sein,

Den Missbrauchsfall wird die Heimaufsicht nun untersuchen, hat bereits Berichte angefordert - auch darüber, warum sie erst am Mittwoch informiert wurde. "Das Wichtigste ist aber", so Döring, "dass eine Wiederholung ausgeschlossen ist."

Quelle: RP
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