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Nach Vorwürfen gegen Kinderhilfezentrum
Jugendamt verspricht mehr Transparenz

Nach Vorwürfen gegen Kinderhilfezentrum: Jugendamt verspricht mehr Transparenz
In einem ehemaligen Kloster befindet sich die alteingesessene Jugendeinrichtung. FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Düsseldorf. Zur Aufklärung der Vorwürfe finden Gespräche im Kinderhilfezentrum statt. Die Überbelegung zeigt, welche Probleme die Stadt mit der Unterbringung von jugendlichen Flüchtlingen hat. Deren Zahl hat sich seit dem Sommer verdoppelt. Von Stefani Geilhausen und Arne Lieb

Die Klärung der Vorwürfe gegen das Kinderhilfezentrum läuft. Das Jugendamt kündigt an, Politik und Öffentlichkeit transparent zu informieren - und die massive Überbelegung schnell zu beenden. Das sind die wichtigsten Entwicklungen:

Aufklärung Ein ungenannter ehemaliger Wachmann hatte in einem Bericht des ZDF eine ganze Reihe von schweren Vorwürfen gegen die Einrichtung erhoben. Es ist noch unklar, welche der Wirklichkeit entsprechen. Jugendamtsleiter Johannes Horn war seit der Presseanfrage am vergangenen Mittwoch mehrfach in der Einrichtung. Er sagt, bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass junge Flüchtlinge von Betreuern geschlagen wurden, wie der Informant behauptet. Mitarbeiter und Jugendliche werden befragt. "Ich möchte das Thema aufklären", sagt Horn. Die Stadt kündigt an, Politik und Medien in einem wöchentlichen "Newsletter" über die Erkenntnisse zu unterrichten. Auch Mitarbeiter des Landesjugendamtes haben sich ein Bild vor Ort verschafft. Durch mehr Reinigungsgänge ist die Verschmutzung der Sanitäranlagen, die der Mann ebenfalls bemängelt hatte, behoben. Andere Vorwürfe, etwa die unangemessene Fixierung einer Jugendlichen, werden weiter untersucht. Drei Mitarbeiter sind freigestellt.

Vorwürfe gegen Kinderhilfezentrum

Vorfälle Als Oberbürgermeister Thomas Geisel an Heiligabend zum inoffiziellen Kurzbesuch mit Süßigkeiten im Gepäck das Kinderheim besuchte, hat er die jungen Bewohner zwar nicht getroffen, aber "es war schon eine angespannte Atmosphäre spürbar", sagt er. Man habe "schon gemerkt, dass es überbelegt ist". Die Stadt habe aber reagiert, betont er, und "Maßnahmen ergriffen, sobald die Kapazitätsgrenze erreicht war." Diverse Vorkommnisse belegen, wie angespannt die Atmosphäre in der Einrichtung ist. Allein in den vergangenen Tagen ist die Polizei mehrfach wegen Gewaltdelikten ausgerückt (siehe Grafik rechts). Zudem gab es im Herbst nach Informationen unserer Redaktion schweren Streit zwischen syrischen und afghanischen Flüchtlingen. Sie wurden in getrennten Einrichtungen untergebracht.

Hintergrund Die Überbelegung des Hilfezentrums zeigt, welche Probleme das Jugendamt mit der Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hat. Deren Zahl ist seit September schlagartig gestiegen. Bis zum Sommer befanden sich rund 200 in der Stadt, inzwischen sind es 449. Der Jugendamtsleiter bestreitet den Vorwurf, die Stadt habe das Kinderhilfezentrum mit der Mehrbelastung alleine gelassen. "Es gab kein Abwarten", sagt Horn. Die Stadt habe mit Hochdruck nach Ausweichquartieren gesucht und mit Hilfe von Wohlfahrtsverbänden mehrere eingerichtet. Auch das Personal sei verstärkt worden. "Wir pumpen rein, was wir reinpumpen können", sagt Horn. Nach dem Missbrauchsfall im Januar hatte sich allerdings angedeutet, dass Personal fehlt. Ein Sprecher des Landesjugendamts, das die Heimaufsicht hat, sprach damals von einer Sondersituation. "Die Standards der Jugendhilfe werden da zurzeit leider ausgeblendet", sagte er unserer Redaktion. Jugendamtsleiter Johannes Horn erklärte seinerzeit, der "Personalschlüssel ist unserem Qualitätsanspruch nicht angemessen." Am 26. Februar soll der Umzug der Flüchtlinge in eine neue Einrichtung beginnen.

Konzept Die Vorwürfe führen auch zu der Frage, ob die gemeinsame Unterbringung des ohnehin schwierigen Klientels des Kinderhilfezentrums und der jungen Flüchtlinge nicht schneller hätte beendet werden müssen. Kenner warnten vor der brisanten Doppelbelegung: Kinder, die aus katastrophalen Familienverhältnissen in Obhut genommen worden waren, hätten fast alle Gewalterfahrungen und wenig Vertrauen. Die Jugendlichen machten diesen Kindern Angst. Zumal die Neuankömmlinge keineswegs tatsächlich alle jugendlich seien. Im Kinderhilfezentrum wird jeder aufgenommen, der angibt, unter 18 und allein unterwegs zu sein. In einem Clearingverfahren sollen Sozialarbeiter auch herausfinden, wie alt sie tatsächlich sind. Das funktioniert nicht immer: Bei dem Missbrauchsfall vom 23. Januar sollen sich ein 15-Jähriger und ein weiterer Flüchtling an einer Zwölfjährigen vergangen haben. Der zweite Täter soll seine Minderjährigkeit vorgetäuscht haben und über 21 Jahre alt sein.

Quelle: RP
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