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Düsseldorf
Jugendliche ein Stück des Weges begleiten

Düsseldorf. Seit 20 Jahren arbeitet Cornelia Nell als Sozialpädagogin in der evangelischen Matthäi-Gemeinde. Glaube ist dabei nur ein Thema. Von Henning Rasche

Gitarren hängen an den Wänden, genau wie Plakate mit Hinweisen wie "Spiele und Bücher gegen Pfand ausleihbar". Auf den Sofas sitzen ein paar Mädchen, sie spielen an ihren Handys herum, lachen zwischendurch zusammen auf. Die Jungs toben herum, die Billardkugel fliegt auf der Platte kräftig umher. Und mittendrin ist Cornelia Nell. Gerade hilft sie einer kleinen Gruppe Schülern bei den Hausaufgaben. Aber eigentlich ist sie permanent unterwegs im Pestalozzihaus an der Grafenberger Allee. Dort ist sie seit 20 Jahren als Sozialpädagogin und Erzieherin tätig.

Das Pestalozzihaus der evangelischen Matthäi-Gemeinde hat, wie Cornelia Nell sagt, eine "kleine offene Tür" und eine nachschulische Tagesbetreuung. Das heißt, dass Jugendliche von der fünften bis zur zehnten Klasse nach Schulschluss in das Pestalozzihaus kommen und dort ihre Zeit verbringen. Eine Köchin bereitet jeden Mittag eine frische Mahlzeit zu, pädagogische Fachkräfte wie Cornelia Nell helfen bei Schulaufgaben, bieten Kickerturniere oder Kletterkurse an, machen verschiedenste Spiele und Sport. 80 Plätze hat das Pestalozzihaus für die Nachmittagsbetreuung, nachgefragt werden weitaus mehr.

Cornelia Nell ist 45 Jahre alt und verbringt daher fast die Hälfte ihres Lebens damit, Jugendliche durch die Pubertät in das Leben zu begleiten. "Ich mag diese Arbeit sehr", sagt Nell. Sonst wäre sie wohl auch schon nicht mehr dabei. Am meisten Freude hat sie, wenn sie mit Jugendlichen gemeinsam etwas erreicht. "Das ist ein extrem schwieriges Alter", weiß Nell. "Wenn man sieht, da funktioniert etwas, man kann die Jugendlichen ein Stück des Weges stützen, dann ist das schön", beschreibt sie die Freuden ihres Berufs. "Die Jugendlichen sind, wie sie sind", dem muss sie sich anpassen.

Dass die Trägerschaft des Pestalozzihauses in evangelischer Hand liegt, schlägt sich in der Arbeit im "sozial-diakonischen" Sinne nieder, wie Cornelia Nell findet. Dadurch, dass die Türen auf sind, sie Kindern einen Raum geben, sei das sehr christlich. Die Mitarbeiter im Hause müssen zumindest christlichen Glaubens sein, bevorzugt evangelisch. Bei den Jugendlichen selbst spielt der Glaube keine übergeordnete Rolle, weiß Cornelia Nell. Das Haus ist außerdem multikonfessionell, multikulturell und für alle Glaubensrichtungen geöffnet.

Wie sehr das Vertrauensverhältnis zwischen Pädagogen und Kindern im Pestalozzihaus fortgeschritten ist, zeigt sich an der Einrichtung der sexualpädagogischen Sprechstunde "Dr. Springtime". Einmal in der Woche bietet Martina Hering den etwa zehn- bis 17-jährigen Jugendlichen die Möglichkeit, sich über alle Fragen rund um Sex zu unterhalten. Trotz der Pubertät gehen die Mädchen und Jungen auf dem Weg in das Erwachsenenleben selbst auf die Erzieher zu. Die Bindung auf beiden Seiten ist groß.

Quelle: RP
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