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Düsseldorf
Jung, cool und spielt gern mit Bauklötzen

Düsseldorf: Jung, cool und spielt gern mit Bauklötzen
Nico (6), Noah (4) und Alex (3, v.l.) finden Erzieher Steven Hortenbach ziemlich "cool". Gestern bauten sie mit ihm ein Haus für Dinosaurier. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Steven Hortenbach gehört zu den jüngsten männlichen Erziehern der Stadt. Sein Arbeitsplatz ist die Kita am Cloppenburger Weg. Von Jörg Janssen

Nico schaut den jungen Mann, der ihm gegenüber im Schneidersitz auf dem Boden sitzt, an. "Steven, ich hab' das Museum verschönert", sagt er. In das Haus, das der Sechsjährige und drei weitere Jungs gerade aus bunten Bauklötzen errichtet haben, sollen Dinosaurier einziehen. Davon gibt es reichlich im Werk-Atelier der Kita am Cloppenburger Weg in Unterrath. Dinos sind beliebt, fast so beliebt wie Steven.

"Er trägt gerne Käppi, und seit er hier ist, behalten viele Kinder auch drinnen ihr Käppi auf dem Kopf", sagt Anna Kowollik (30) über ihren Kollegen. 28 Jahre alt ist Hortenbach, wirkt aber jünger. Er liebt Tanz und Theater, belegt im Tanzhaus NRW regelmäßig Hip-Hop-Kurse. Fertigkeiten, die er im Berufsalltag gut gebrauchen kann. "Wenn ich im Turn- und Musikraum tanze, verlieren die Jungs schnell ihre meist vorhandene Zurückhaltung." Er baue den Jungen in diesem Moment eine Brücke, eben weil er ein Mann sei.

Als solcher gehört Hortenbach zu einer Minderheit. 968 Erzieher und Erzieherinnen arbeiten in den gut 100 Kitas der Stadt. 45 davon sind Männer, keine fünf Prozent. Kita-Leiterin Heidi Wirtz (51) findet das schade. "Für Kinder ist es wichtig, weibliche und männliche Bezugspersonen zu haben." Zwar steige der Anteil, "aber wir würden uns noch mehr männliche Bewerber wünschen", meint auch Monika Fecke-Wallin, Fachbereichsleiterin beim Jugendamt. Ein Grund, warum sich Männer immer noch zurückhielten, sei der Verdienst. "Wir sehen, dass auch die ausgebildeten Erzieher lieber in den Heimbereich gehen, weil sie dort durch Schicht- und Wochenenddienste mehr verdienen." Dahinter stehe - ungeachtet sich wandelnder Familienbilder - die Erwartung, dass der Mann im Zweifel die Familie mit seinem Einkommen über Wasser halten muss.

Steven Hortenbach sieht das entspannt. Auch er möchte mal Vater werden ("nicht jetzt, aber der Wunsch ist da"). Sein Einkommen findet er "in Ordnung", außerdem sei die Stadt dank zuverlässiger Tarifverträge, besonderer Altersvorsorge und Aufstiegsmöglichkeiten ein guter Arbeitgeber. 22 Jahre war er, als er seine Ausbildung zum Erzieher begann. Nach dem Abi an der Gesamtschule wusste er erst einmal nicht so genau, was er machen sollte. "Auf keinen Fall einen Büro-Job, das wusste ich seit meinem Schülerpraktikum in einer Krankenkasse", sagt er. Sein Vater arbeitet bei Mercedes Benz in der Produktion. "Nichts für mich, ich habe viele Talente, aber ganz sicher kein handwerkliches." Gereizt hätte ihn das Theater. Als Regie-Assistent jobbte er beim Jungen Schauspielhaus. Aber die Branche sei nun wirklich unberechenbar. Statt dessen besann sich Hortenbach auf das, was er seine "soziale Ader" nennt. Nach dem Zivildienst in einem Ratinger Montessori-Kindergarten begleitete er fast zwei Jahre lang einen Jungen mit Down-Syndrom als Integrationshelfer in den Unterricht. "Ich dachte, das könnte schwierig werden, war es dann aber nicht. Ich konnte jeden Tag helfen, dass er sich weiterentwickelt." Dann nahm er sich ein Herz und bewarb sich beim St. Ursula-Berufskolleg für die Erzieher-Ausbildung.

Dumme Sprüche, warum er als Mann Kleinkindern beim Auftürmen von Bauklötzen helfen will, hat er nicht zu hören bekommen. "Aber schon die Frage, ob man denn in dem Job genug Geld verdient." Und was macht er, wenn seine Schützlinge mal so richtig nerven? "Tun die nicht", sagt er. Kreativität und Spontanität faszinierten ihn. "Die Kinder gehen mit einer Offenheit auf das Leben zu, die uns Erwachsenen irgendwann abhanden kommt."

Nico, der im August eingeschult wird, wird seinen Erzieher jedenfalls vermissen. "Ein bisschen traurig" sei er dann - "wegen dem Steven und wegen den anderen."

Quelle: RP
 
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