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So wohnt Düsseldorf
Jung hilft Alt - und umgekehrt

So wohnt Düsseldorf: Jung hilft Alt - und umgekehrt
Student Sascha lebt bei Edith Buchwald, arbeitet im Garten, hält die Böden im Haus sauber und kümmert sich um die Katze. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Im Projekt "Wohnen für Hilfe" entstehen ungewöhnliche Partnerschaften: Ältere lassen Junge mietfrei bei sich wohnen - und die helfen in Haushalt und Garten. Von Ute Rasch

Drei Jahre wohnten sie unter einem Dach, obwohl sie gegensätzlicher kaum sein könnten: Irmgard Bormann, eine Lady mit Haus am Waldrand, ist 91 Jahre alt. Ihr Mitbewohner Matthias hatte ein abgebrochenes Studium hinter sich und war Auszubildender bei Mercedes, 25 Jahre jung. Zwei grundverschiedene Lebensperspektiven trafen da aufeinander. "Aber es hat wunderbar geklappt mit uns", sagt sie über ihre Wohngemeinschaft. So gut, dass sie sich nach seinem Auszug nun noch einmal an dem Projekt des Wohnungsamtes "Wohnen für Hilfe" beteiligen will. Das funktioniert nach dem Prinzip: Alt hilft Jung - und umgekehrt.

Sie hatte in der Zeitung von der Idee gelesen: Ältere Menschen, oft mit viel zu großen Wohnungen oder Häusern, nehmen einen jungen Menschen bei sich auf. Die Gegenleistung: Statt Miete zu zahlen, bietet der Gast Hilfe im Haushalt oder Garten und erledigt Einkäufe. Je nachdem, worauf sich die Partner einigen. "Wer als junger Mensch nur an preiswerten Wohnraum denkt, für den ist das Projekt nicht geeignet", sagt Lidia Wilhelm von der Servicestelle Neue Wohnformen bei der Stadt. "Es geht auch um Gemeinschaft."

Sie trifft eine Vorauswahl der künftigen Partner, "ich überlege genau, wer zueinander passen könnte". Von Irmgard Bormann wusste sie, dass es für sie eine Beruhigung wäre, nicht mehr allein im Haus zu leben. Als Lidia Wilhelm zum ersten Mal mit Matthias kam, "war da gleich Sympathie". Und Vertrauen. "Ich hab mich auf meine Menschenkenntnis verlassen." Also zog der junge Mann ins Souterrain mit eigenem Bad und einem Gartenteil.

Verabredet wurde, dass er 40 Euro für Nebenkosten zahlte und ansonsten regelmäßig den Hauseingang fegte und Moos von den Steinen entfernte. Außerdem fuhr Matthias sie zum Flughafen, wenn sie verreiste, und kümmerte sich um die Blumen. Und gelegentlich traf sie ihren Mitbewohner auf einen Kaffee - "und dann haben wir geredet". Das hätte für beide noch eine Weile so weiter gehen können, aber dann fand Matthias nach seiner Ausbildung eine eigene Wohnung. Ihr Fazit: "Wir hatten einfach Glück miteinander."

Kein Einzelfall: "Probleme sind in diesen Wohngemeinschaften eher selten", berichtet Projektleiterin Lidia Wilhelm. Denn zwischen gemeinsamer Küche und Bad bewährt sich meist das Duo Offenheit und Toleranz. Und wenn es doch mal Ärger gibt, versucht die Frau vom Amt zu vermitteln, "aber immer nach dem Prinzip: so wenig Einmischung wie möglich". Sie würde gern noch mehr Tandems bilden, aber bisher haben sich bei ihr weit mehr Junge als Ältere gemeldet, "die scheuen doch oft davor zurück, einen Fremden bei sich aufzunehmen".

Diese Bedenken hatte Edith Buchwald, Ende 50, nicht. Sie wohnt in einem Reihenhaus in Vennhausen und hat gerade ihren Spezialkräutertee gekocht, als Sascha gähnend in die Küche kommt. Ihr 29-jähriger Mitbewohner stammt aus der Ukraine, studiert an der Uni und hat in der vergangenen Nacht als Portier in einem Hotel gearbeitet. Seit vier Jahren teilen sie sich das Haus, auch das Bad. Kein Konfliktstoff? "Na, manchmal sag ich ihm schon, dass er ordentlicher sein soll." Ansonsten sind die zwei ziemlich zufrieden in ihrer Gemeinschaft. "Das ist mein Zuhause", sagt er. "Ich bin froh, dass der Sascha da ist", sagt sie. Und ist zu Kompromissen bereit. So hat sie ihm eine zweite Küche im Keller eingerichtet, damit er seine Eintöpfe mit Fleisch zubereiten kann, von deren Düften sie als Vegetarierin die Nase voll hat.

Beide halten sich an ihre Arrangements: Er zahlt 35 Euro für Nebenkosten, arbeitet im Garten, hält im Haus die Böden sauber, kümmert sich um die Katze und erledigt Besorgungen - exakt 15 Stunden im Monat. Manchmal hilft er ihr am Computer, und sie verbessert seine Deutschkenntnisse. Und toleriert, dass seine Freundin auch mal über Nacht bleibt. Ihr Fazit: "Ich könnte mir vorstellen, dass der Sascha auch nach seinem Uni-Abschluss hier wohnen bleibt." Und er nickt.

Quelle: RP
 
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