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Düsseldorf
Juristisches Tauziehen um Achenbachs letzte Besitztümer

Düsseldorf: Juristisches Tauziehen um Achenbachs letzte Besitztümer
Helge Achenbach beschäftigt die Justiz seit Sommer 2014. FOTO: H.-J. Bauer
Düsseldorf. Urs Breitsprecher hatte es gestern nicht leicht vor der 8. Zivilkammer des Landgerichts. Er vertrat einen Mandanten, dessen Vermögenslage mit "kompliziert" sehr geschönt beschrieben wäre. Und er muss um jede Formulierung ringen, damit dieser Mandant nicht noch einmal auch vors Strafgericht geladen wird. Von Stefani Geilhausen

Der Mandant ist der einst renommierte Kunstberater Helge Achenbach, der derzeit auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs über seine Verurteilung zu sechs Jahren Haft wegen Betruges wartet. Im Laufe der Ermittlungen, die dazu geführt hatten, waren auch Achenbachs frühere Partner aus der Sammlung Rheingold misstrauisch geworden und hatten ihre Kunstgeschäfte mit ihm überprüft. Einer von ihnen, Kunstsammler Bernd Viehof, fordert nun rund 1,1 Millionen Euro zurück. Bei der Vermittlung von 58 Papierarbeiten und sieben Gemälden von Baselitz sowie einer Cragg-Skulptur habe Achenbach zu hohe Kaufpreise genannt und seine Provision entsprechend zu hoch berechnet.

So lief der Fall Helge Achenbach

Das Dilemma des Anwalts ist nun, dass er mit der Anerkennung der derart vorgetragenen Forderung gewissermaßen eine Straftat Achenbachs zum Nachteil Viehofs einräume. Viehof und seine Brüder hatten eine solche Strafanzeige bereits erstellt, die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelte bislang - auch im Hinblick auf das hohe Essener Urteil - nicht gerade mit Hochdruck. Das könnte sich dann ändern müssen.

Bernd Viehof will außerdem Klarheit in Sachen eines Darlehns, das er Achenbach 2013 überwies. Die 1,75 Millionen Euro wird er von dem Untersuchungshäftling, der erstens pleite ist und zudem fürchten muss, dass seine Verurteilung zu 19,6 Millionen Euro Schadenersatz an die Erben seines verstorbenen Kunden Berthold Albrecht rechtskräftig wird, kaum mehr bekommen. Aber Viehof hat drei Oldtimer von Achenbachs als Sicherheit bekommen - was ihm wenig nutzt, weil die auf dem Papier den inzwischen insolventen Firmen Achenbachs gehörten und somit der Insolvenzverwalter Ansprüche darauf erhebt. Auch hier könnten Straftaten im Raum, stehen, wenn Achenbach tatsächlich Autos, die ihm nicht gehörten, dem Geldgeber, ohne dessen Wissen als Pfand für einen Privatkredit gegeben hätte. Seine Anteile an der Sammlung Rheingold, die ebenfalls als Sicherheit dienten, hatten zudem die Albrecht-Erben pfänden lassen, lange bevor Viehof an Achenbach zu zweifeln begann.

Helge Achenbach: Bilder vom Prozessauftakt FOTO: Schaller,Bernd

Mitte September will der Richter eine Entscheidung treffen. Bis dahin wollen die Parteien schriftlich weiter verhandeln. Angesichts der heiklen Gemengelage wird das besonders Achenbachs Anwalt sehr entgegenkommen.

Quelle: RP
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