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"Welcome Dinner" in Düsseldorf
Kaffeekränzchen mit Flüchtlingen

"Welcome Dinner" in Düsseldorf: Kaffeekränzchen mit Flüchtlingen
Kaffeeklatsch am Nachmittag in der Kaffeerösterei Schvarz: Dalia Allhaj (Mitte), rechts daneben Initiatorin Sonja Scheiper und Sandra Köhler, eine der Gastgeberinnen. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Beim "Welcome Dinner" laden Gastgeber Flüchtlinge oder Zugewanderte als Gäste zu sich nach Hause zum Abendessen ein. Diese ursprünglich in Stockholm entstandene Initiative gibt es bereits seit geraumer Zeit in verschiedenen Städten und seit September vergangenen Jahres auch in Düsseldorf. Von Beate Werthschulte

"Gemeinsames Essen verbindet und ist auch dann möglich, wenn man noch nicht die gleiche Sprache spricht", sagt Gründungsmitglied Sonja Scheiper. Insgesamt haben in Düsseldorf bereits rund 160 "Welcome Dinner" stattgefunden, die Mehrheit der Gastgeber bleibt mit den Flüchtlingen auch anschließend in Kontakt. Sehr oft, so Scheiper, entstünden Freundschaften, die Gastgeber würden ihren Gästen beispielsweise bei der Wohnungs- oder Jobsuche helfen. Und Flüchtlinge oder Zugewanderte, die schon eine eigene Wohnung haben, werden schnell selbst zu Gastgebern und laden zum "Retourdinner" ein.

Da nicht jeder Düsseldorfer die Möglichkeit hat, Gäste zu Hause zu empfangen, entstand die Idee, eine neutrale Plattform zu schaffen, damit Düsseldorfer und Flüchtlinge einander ganz unkompliziert kennenlernen können. So trafen sich am Sonntagnachmittag in der Kaffeerösterei Schvarz in der Ronsdorfer Straße 15 Gastgeber und ebenso viele Flüchtlinge zu einem in Deutschland ganz typischen Kaffeeklatsch.

Die Berufsschullehrerin Sandra Köhler ist als Gastgeberin dabei, hat keinerlei Berührungsängste und kann sich gut vorstellen, demnächst gemeinsam mit ihren Nachbarn bei sich zu Hause ein "Welcome Dinner" zu veranstalten. Ihr Gast ist Dalia Alhaj, die gemeinsam mit ihrem Mann Mahmoud aus Syrien nach Deutschland geflohen ist. Die beiden hatten Glück, denn sie bewohnen bereits seit einigen Monaten eine eigene kleine Wohnung im Stadtteil Flingern und haben zudem beide bei einer großen Unternehmensberatung Praktikumsplätze bekommen, sie im Personalwesen, ihr Mann in der IT-Abteilung. Nun wünschen sie sich Kontakte zu Düsseldorfern, vor allem, um die deutsche Sprache besser zu lernen.

Auch Mosaab Sweda aus Syrien und Seid Shneibi Zade aus dem Irak hoffen, in Düsseldorf bald Freunde zu finden. Die jungen Männer sind die Gäste von Christina Schröders und ihrer Kollegin Conny Dresen, sie kommen schnell mit den beiden Frauen ins Gespräch. "Wir arbeiten beide ehrenamtlich bei ,Hispi', einer Initiative, die Deutschkurse für Flüchtlinge anbietet. Deshalb hat uns die Idee, Flüchtlinge zu Kaffee und Kuchen einzuladen, sofort gut gefallen", sagt Schröders.

"Kaffee wird überall auf der Welt getrunken und bringt die Menschen zusammen", erklärt Arthur Fuchs, Inhaber der Kaffeerösterei. Die Gastgeber tragen die Kosten für den Nachmittag, jeder hat 18 Euro, also neun Euro pro Person bezahlt, bekommt für sich und seinen Gast zwei Kaffeegetränke und zwei Stück Kuchen von Marie Labude, die unter dem Namen "The Baker's Wife" ausgefallenes Gebäck herstellt. Sie ist gebürtige Australierin und weiß, "wie schwer es ist, die deutsche Sprache zu lernen und hier Kontakte zu knüpfen."

Eva Beck und ihr Mann Christian haben vor einiger Zeit bereits Gäste zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen und sich auch sofort als Gastgeber angemeldet, als sie von dem geplanten Kaffeeklatsch erfuhren. Nun freuen sie sich, ihren Gast Amir Aloush aus Syrien kennenzulernen. Amir ist seit sieben Monaten in Deutschland, seit zwei Monaten lebt er in Düsseldorf. Der Schmuckdesigner geht jeden Tag zum Deutschkurs, um die Sprache so schnell wie möglich zu lernen, denn er möchte den Beruf wechseln und Bäcker werden. "Ich würde gern erst ein Praktikum machen und später eine Ausbildung."

Auch Mohammad Tanbakji, ebenfalls aus Syrien, wünscht sich Freundschaften zu Düsseldorfern. Er lebt seit sechs Monaten in der Stadt, in einer Wohngemeinschaft mit zwei anderen syrischen Flüchtlingen. "Wir sprechen in der WG Arabisch miteinander", sagt er. Deshalb sei es ihm so wichtig, Düsseldorfer kennenzulernen, mit denen er Deutsch sprechen könne.

Wer Gastgeber werden möchte, registriert sich auf der Internetseite der Initiative. Dort wird abgefragt, wie viele Personen man einladen möchte oder welcher Termin passt. Flüchtlinge, die gern als Gast zu einem "Welcome Dinner" gehen möchten, füllen ebenfalls einen Fragebogen aus. Die Organisatoren suchen anhand dessen gut passende Gastgeber und Gäste aus.

Quelle: RP
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