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Analyse
Kampf um den Rheinbahn-Betriebsrat

Düsseldorf. Die Rheinbahn-Beschäftigten wählen heute und morgen einen Betriebsrat. Früher eine klare Sache für Verdi – wegen des hohen Arbeitsanteils hatte die Gewerkschaft viel Rückhalt im Unternehmen. Von Jörn Tüffers

Das ist seit vier Jahren anders. Da wurde Michael Pink, der keiner Gewerkschaft angehört, mit Unterstützung anderer Listen zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt, Vorgänger Anton Platen ging leer aus. Verdi kündigte damals an, das Scheitern "schonungslos zu analysieren".

Dennoch erlitten Platen und sein früherer Vize Hans Opdelocht auch im folgenden Jahr bei der Wahl zum Aufsichtsrat eine empfindliche Schlappe – wieder triumphierte Pink. Verdi ist seither nur noch mit einem Sitz im Kontrollgremium vertreten. Den hat Uwe David inne, der vor Jahren noch für die christliche Gewerkschaft Komba aktiv war.

David gilt pikanterweise bei den Wahlen am Montag als Pinks aussichtsreichster Gegenkandidat. Doch auch Heiko Göbel, ebenfalls Verdi-Mitglied, rechnet sich Chancen aus. Er kandidiert mit einer eigenen Liste. Was zunächst danach aussieht, als ob sich die Gewerkschaft intern Konkurrenz macht, könnte Taktik sein, um möglichst viele Verdi-Leute in den Betriebsrat zu bringen und über Listen-Verbindungen die Mehrheit zu stellen.

Vor diesem Hintergrund hatten Beobachter eine Schlammschlacht im Wahlkampf erwartet, doch die blieb aus. Verdi präsentierte seine Kandidaten zwar kampfeslustig in aufwändigen Video-Spots, aber die Machart der Filmchen sorgte eher für Erheiterung. Dass ein früher dem rechtsextremen Spektrum zugerechneter Bewerber darunter ist, trug der Gewerkschaft außerdem den Vorwurf ein, im rechten Lager nach Stimmen zu fischen.

Pink hielt sich aus solchen Diskussionen raus, ist allerdings selbst nicht mehr unumstritten. Manche werfen ihm vor, er vertrete die Interessen seiner Kollegen nicht immer mit genügend Nachdruck, suche zu sehr die Nähe zu Vorstandschef Dirk Biesenbach.

Pink darf auf den Bonus, den er als unverbrauchtes Gesicht vor vier Jahren noch hatte, nicht mehr setzen. Er hat sich angreifbar gemacht. Seine Parteinahme bei der Wahl der politischen Vertreter im Aufsichtsrat für den CDU-Mann Andreas Hartnigk wurde ihm als gravierender Fehler ausgelegt. Getreu dem Motto: Ein Arbeitnehmervertreter muss für den SPD-Kandidaten stimmen. Dass Pink und Hartnigk vorige Woche eine Tour durch die Rheinbahn-Betriebsstätten machten, wurde als freundliche Wahlhilfe des CDU-Politikers gewertet.

Wenn Pink wiedergewählt werden will, muss er darauf vertrauen, dass das Verdi-ferne Lager (es gibt zehn Listen) für ihn votiert. Und er selbst muss mit seiner Liste mindestens ein vergleichbares Ergebnis einfahren wie vor vier Jahren. Damals holte er sechs von 21 Sitzen. Doch Verdi zeigt sich selbstbewusst: "Es muss Ziel der größten Gewerkschaft sein, die Mehrheit zu holen und den Vorsitzenden zu stellen", sagt Gewerkschaftssekretär Dirk Beyer.

Quelle: RP
 
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