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Schulen in Düsseldorf
Kampf um Plätze im Offenen Ganztag

Schulen in Düsseldorf: Kampf um Plätze im Offenen Ganztag
(v.l.) Lea (9), Janis (10), Greta (8) haben sich in der OGS der Carl-Sonnenschein-Schule für das Schattentheater mit Cornelia Wendel entschieden. FOTO: RP-Foto A. Orthen
Düsseldorf. Die Stadt baut das Angebot im Offenen Ganztag der Grundschulen (OGS) aus, doch die Nachfrage übersteigt das Angebot. Rund 600 Kinder stehen stadtweit auf einer Warteliste. Von Jörg Janssen

Armin Modi kann es immer noch nicht glauben. "Ich arbeite Vollzeit als Unternehmensberater, meine Frau als Ärztin auf einer Teilzeitstelle und doch hat unser Sohn Sam, der im August in die Hanna-Zürndorfer-Schule kommt, bislang keinen Platz im Offenen Ganztag", sagt der Gerresheimer. Für das Ehepaar ist das ein ernstes Problem. "In der Kita war die Ganztagsbetreuung geklärt, wir haben nicht erwartet, dass Sam als Schüler nur auf eine Warteliste kommt", sagt der Mann, der sich mit seinem Problem bereits an Bezirkspolitiker und an den Oberbürgermeister gewandt hat.

So wie den Modis geht es zahlreichen Eltern in Düsseldorf. Rund 600 Kinder stehen stadtweit auf einer Warteliste. Darunter nicht nur angehende Erstklässler, sondern auch Jungen und Mädchen, die schon länger warten. Allein an der Hanna-Zürndorfer-Schule stehen etwa 20 Kinder auf der Liste. "Wir müssen auswählen und richten uns nach vorher vereinbarten Kriterien", sagt Julius Lenz, der die OGS-Gruppen der evangelischen Grundschule leitet. Auf der Prioritäten-Liste ganz oben stünden Alleinerziehende mit Vollzeitjob, gefolgt von zwei vollberufstätigen Elternteilen. "Wir haben wohl auch deshalb Pech, weil meine Frau im Duisburger Bethesda-Krankenhaus ,nur' eine Dreiviertel-Stelle innehat", sagt Modi. Aber wie soll sie denn ab August ihren Job machen, der bis 15 Uhr geht?", fragt Modi, für den Ausweichangebote wie eine Übermittag-Betreuung bis 13.30 Uhr ohne Mittagessen "keine Alternative" sind.

Stadtweit haben 14.200 der aktuell 20.500 Grundschüler einen Platz im Offenen Ganztag. Im kommenden Schuljahr steigt diese Zahl auf 14.375. "Wir halten damit die Quote von 63 Prozent und das ist angesichts dynamisch steigender Schülerzahlen ein Erfolg", sagt Dagmar Wandt, Leiterin des Schulverwaltungsamtes. Unter den NRW-Großstädten stehe nur Köln mit einer Quote von 75 Prozent besser da als Düsseldorf. "Bei einer wachsenden Stadt wie Düsseldorf reicht es aber nicht, eine Quote zu halten, es muss das politische Ziel sein, sie auszubauen", fordert Modi. Doch allein das Halten der 63-Prozent-Quote und der damit verbundene Ausbau sind teuer. "Ein Prozent mehr OGS-Plätze kosten 280.000 Euro zusätzlich - ohne Investitionskosten", rechnet Wandt vor.

Für die Probleme der Eltern hat Birgit Nösser, Leiterin der Carl-Sonnenschein-Schule in Düsseltal, Verständnis. "Deswegen haben wir ein Gremium gegründet, dass wir augenzwinkernd ,Ethik-Kommission' nennen. Dort entscheiden Schul- und OGS-Leitung, Sozialarbeiter, Fördervereinsvorsitzender und ein Elternvertreter gemeinsam über die Platzvergabe", sagt die Pädagogin. Ihren Bedarf müssen die Eltern fortlaufend belegen. "Einmal OGS, immer OGS, das gilt bei uns nicht. Wir wollen schon wissen, ob jemand in der dritten Klasse immer noch Vollzeit arbeitet", meint Nösser.

Zufrieden macht das diejenigen, die leer ausgehen, nicht. "Auch deshalb, weil die Quote von Stadtbezirk zu Stadtbezirk erheblich schwankt", sagt Modi. Tatsächlich liegt der Anteil der Grundschulkinder mit OGS-Platz im Stadtnorden bei 57 Prozent, in der Stadtmitte dagegen bei 81 Prozent. "In der City ist die Nachfrage deutlicher höher als in Kaiserswerth oder Angermund, das berücksichtigen wir", meint Wandt. Dass - wie von Modi vermutet - besonders viele Kinder aus Gerresheim und Umgebung auf der Warteliste stehen, kann sie nicht bestätigen. "Zum Schuljahresbeginn 2016/17 waren es 46 Kinder. Die Quote liegt dort bei genau 63 Prozent."

Quelle: RP
 
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