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Serie Sportliches Düsseldorf
Kampfkunst mit vielen Facetten

Düsseldorf. Wer sich mit Karate beschäftigt, hat nicht nur Fitness im Sinn. Es geht auch um Philosophie, Ehrgeiz und Bescheidenheit. Von Katharina Pavlustyk

Sich auf die Seite fallenlassen, auf der Hüfte herumdrehen, Kick: Rund 40 Kinder und Erwachsene haben bei einem Karate-Lehrgang an ihren Techniken gefeilt. Der ausrichtende Verein "Sakura-Kai" hatte dafür Lászlo Harsányi (53), den Vorsitzenden des ungarischen Verbandes "Goju-Ryu Karate-Do", und Nana Shimzu (34), eine japanische Karate-Meisterin, eingeflogen. Den gesamten Tag über gaben die zwei Tipps zu Stellungen, Falltechniken und Freikampf. Doch vor allem beim traditionellen japanischen Karate zählt nicht so sehr der Wettkampfgedanke. Für Lászlo Harsányi ist die Sportart ein Lebensstil, um gesund zu bleiben. Wettkämpfe seien vor allem für jüngere Karatekas interessant.

Mit dem Alter verschiebe sich die Anschauung, dann seien insbesondere eine gute Fitness und eine gute Körperhaltung relevant. Seit er 19 Jahre alt ist, macht Harsányi Karate und zeigte den Lehrgangsteilnehmern in der Turnhalle der Adolf-Klarenbach-Grundschule in Holthausen neue und wirksame Techniken.

Diese hält auch Kiyoshu Ogawa für wichtig. Er hat als Jugendlicher in Tokio, seiner Heimatstadt, mit Karate angefangen. Heute unterrichtet er diese Kampfkunst in seiner Karateschule in Stadtmitte. Karate sei gut für die Gesundheit und halte jung, sagt Ogawa. Er muss es wissen: Er ist 72. Die Bewegungen seien bei dieser Sportart fließend, gleichmäßig, der Körper werde also nicht einseitig belastet. Die Beweglichkeit ist nur einer von vielen Faktoren, die beim Karate entscheidend sind. Die Kondition, aber auch Disziplin und eine gewisse Ordnung spielen nach Worten von André Allerdisse (45), Inhaber der Sportschule "Kaminari" in Wersten, eine wichtige Rolle. "Es geht um Atemtechnik, Konzentration, Reflexe, Timing", fügt er hinzu. Wer Karate lerne, kehre aber auch in sich.

Denn hinter dieser Sportart steckt eine Philosophie, sie beinhaltet Elemente des Zen-Buddhismus und Taoismus. Um jedoch die geistige Verbindung zu Karate herzustellen, bedarf es laut Peter Meuren (56) vom Karateverein "Wado Ryu" einer intensiven Beschäftigung mit der Kampfkunst. Beharrlichkeit hält Meuren beim Karate wichtiger als Begabung. Dranbleiben ist die Devise, mit genug Ehrgeiz und Durchhaltevermögen kommen auch die Erfolge. Der 56-Jährige macht selbst seit 40 Jahren Karate. Als Jugendlicher habe er seine Fitness und Motorik verbessern, seine Muskulatur aufbauen wollen. Das sei nach ein paar Jahren geglückt. "Man kann beim Karate seine Grenzen kennenlernen und über sie hinausgehen", sagt Meuren.

Außerdem mache diese Kampfkunst achtsam - sich selbst und anderen gegenüber - und erziehe zu Demut, ist Norbert Wüsthoff (60) vom Verein "Inyo-Ryu" mit Dojo in Unterbilk, überzeugt. Es gebe ein hierarchisches System, Karate ist nun mal Meister-zentriert. Es gibt jedoch weitere Regeln. Dazu einige Beispiele: Sei bescheiden und höflich. Nimm Rücksicht auf deine Stärke. Trainiere ehrlich.

Der Ehrgeiz, den nächsthöheren Gürtel oder Dan zu bekommen, ist bei Karatekas ganz unterschiedlich ausgeprägt. Für Norbert Wüsthoff ist ein Gürtel dazu da, um die weiße Karate-Jacke zusammenzuhalten. Im Wettkampf- oder Sportkarate sehe das anders aus. Auch in der Sportschule "Kaminari" steht der Wettkampf nicht im Fokus, doch ein oder zwei Mal im Jahr werden hier Turniere ausgerichtet, dann aber nicht im harten Vollkontakt, sondern laut Inhaber Allerdisse im weicheren Semikontakt.

Es heißt, Karate berühre verschiedene Bereiche des Lebens. Und wer mit Menschen spricht, die sich voller Einsatz und Motivation dieser Kampfkunst widmen, spürt das ganz deutlich. Die einen fühlen sich deutlich gelassener, die anderen merkbar fitter, wiederum andere haben ein besseres Selbstbewusstsein. Eine Sportart - viele Facetten.

Quelle: RP
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