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Kolumne Mein Düsseldorf
Kann sein, dass es uns zu gut geht

Düsseldorf. Beschwerden wegen angeblicher zu heller Schilder und Störung von Insekten lassen einen Schluss zu: Die Stadt hat vor allem Luxusprobleme. Von Hans Onkelbach

So ein Wohlstand wie der in unserer Stadt, ist angenehm. Jedenfalls für den, der ihn hat - was, wie wir Düsseldorfer wissen, beileibe nicht für alle hier zutrifft.

Ist man aber erst einmal in eine bestimmte Klasse des regelmäßigen Einkommens aufgestiegen, bedeutet das jedoch längst nicht, von allen Widrigkeiten des Lebens verschont zu bleiben. Nein - die Anfeindungen von außen verändern sich nur. Man könnte auch sagen: Düsseldorf gönnt sich - typisch? - ein paar Luxusprobleme.

Beispiele? Bitte sehr!

Häufiger schon hatten wir Beschwerden gegen nächtliches Beisammensein, weil sich Vögel, Insekten, Fledermäuse oder was auch immer gestört fühlen könnten. Einer ging mal gegen ein Feuerwerk vor, da in unmittelbarer Umgebung just zu dieser Zeit ein bestimmtes Insekt in seiner Fortpflanzungsphase sein würde. Da aber Sex unter Sechsbeinern bei großem Krach offenbar nicht klappt, befürchtete der Tierfreund, es könne zu Störung der Familienplanung kommen und wollte das Spektakel verbieten lassen. Das wurde verworfen. Uns ist nicht bekannt, ob es bei besagter Spezies daraufhin zu Unterbrechungstraumata aufgrund des Coitus interruptus gekommen ist.

Typisch auch die Beschwerde einer Bewohnerin aus dem Linksrheinischen. Sie hoffte auf Hilfe, weil das Emblem des der Firma Vodafone am neuen Hochhaus am Heerdter Dreieck sie störte. Wieso? Sie fand es so penetrant, wenn es nachts blutrot am Himmel leuchtete und fühlte ihre Lebensqualität eingeschränkt.

Ähnlich war es mit einer hörbar feinen Dame, deren Näschen sich von natürlichen Düften in Niederkassel, das ihr ansonsten lieb und vor allem teuer sein dürfte, fies touchiert fühlte. Ein dort immer noch aktiver Landwirt (vulgo: Bauer - aber in Niederkassel heißen die längst nicht mehr so!) hatte Gülle auf seine Felder gekippt. So viel authentische Idylle war ihr denn doch zuviel. Zu helfen war ihr nicht.

Dass die Problematik aktueller ist denn je, erlebt gerade Oscar Bruch, Eigner des prächtigen Riesenrads am Burgplatz. Es soll nun zum Corneliusplatz umziehen, aber das passt auch nicht jedem. Als Schausteller hat Bruch schon so manches erlebt. Einst beschwerte sich ein Bewohner des Kaiser-Wilhelm-Rings in Oberkassel, das Licht des Rades störe ihn in seiner Wohnung - zwei Kilometer Luftlinie entfernt. Damit erntete er eine Menge Kopfschütteln und Schadenfreude: Geht's noch? Abgelehnt, diese unterbelichtete Beschwerde.

Nun jedoch kamen die Tierschützer. Das ist eine Partei im Stadtrat, die vor kurzer Zeit noch anders hieß, aber die armen Vierbeiner als Vehikel für das entdeckt hat, was sie für Politik hält. Also lamentiert sie: Vögel, Insekten, Fledermäuse könnten dort am Kö-Bogen durch die Lampen des Rades irritiert und gar in Lebensgefahr sein. Auch Zugvögel seien gefährdet. Vor allem Letzteres zeugt von bizarrer Kenntnis deutscher Fauna: Ein Zugvogel, den es in die Altstadt verschlagen hat, ist auf zwei Beinen unterwegs und sicher nicht auf der Flucht vor dem Winter.

Für die anderen Bewohner der Parks fand Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher (die Rheinbahn sponsert den Umzug des Rades wegen der baldigen Eröffnung der Wehrhahn-Linie) eine kluge Bezeichnung: "Das sind Großstadtprofis, die kommen mit Licht und Geräuschen gut klar!" Recht hat der Mann.

Überhaupt nicht entspannt reagierten dagegen Anwohner eines Schützenheimes in einem Düsseldorfer Stadtteil, in dem seit Jahren regelmäßig an einem Sonntagmittag gefeiert wurde. Zugegeben - es war lauter als sonst. Aber an einem Sonntag wäre das ja wohl mal akzeptabel - aber nicht für die Nachbarn. Sie alarmierten das städtische Ordnungsamt, das auch brav einschritt.

Fazit: Nix mit jönne könne.

Quelle: RP
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