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Interview nach CC-Streit in Düsseldorf
Karneval braucht mehr Frauen

Interview nach CC-Streit in Düsseldorf: Karneval braucht mehr Frauen
Astrid Brauckhoff, Pepe Therkatz, Silvia Pappa und Britta Damm (v.l.) analysieren den aktuellen Streit im CC. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Astrid Brauckhoff (Amazonen), Pepe Therkatz (Originale), Britta Damm (Schützenchefin) und die Unternehmerin Silvia Pappa diskutieren vor dem Hintergrund des Streits in der Führungsspitze des Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) über Machtgerangel und Kommunikation von Frauen und Männern.

Es sind die Männer im CC, die sich gerade so massiv streiten, dass die Fronten verhärtet sind - wird es Zeit für eine Frau an der Spitze des Carnevals-Comitees?
Pepe Therkatz Es wird auf jeden Fall Zeit für eine professionelle, hauptamtliche Führung im CC. Jemand, der sozial-neutral ist und der Geld für seine Arbeit bekommt und das nicht nur als Ehrenamt macht.
Astrid Brauckhoff Das sehe ich genauso. Denn es sind echt Fulltime-Jobs, die Josef Hinkel und Christoph Joußen da in der Session geleistet haben. Das CC ist ein mittelständisches Unternehmen, das auch so geführt werden sollte.

Muss das dann wieder ein Mann machen?
Therkatz Auf keinen Fall. Das kann auch eine Frau sein. Sie sollte vielleicht Ende 50/Anfang 60 sein, nicht mehr im Berufsleben stehen, und sie muss auch nicht in einer Karnevalsgesellschaft Mitglied sein. Sie sollte einen wirtschaftlichen Hintergrund und Berufspraxis haben.

Würde sich mit einer Frau automatisch dann die Kommunikation ändern?
Siliva Pappa Als selbstständige Innenarchitektin habe ich es fast ausschließlich mit Männern zu tun, die einen sind Handwerker, die anderen Bauherren. Ich stelle immer wieder fest, dass es eine unterschiedliche Kommunikation zwischen Männern und Frauen gibt. Ich will aber nicht so reden wie ein Mann, gehe meinen eigenen Weg. Ich habe mir angewöhnt, Probleme direkt anzusprechen. Meistens handelt es sich bei einem Streit um Missverständnisse oder Missinterpretationen, die sich leicht lösen lassen.
Britta Damm So halte ich es auch, wenn bei uns im Schützenverein Probleme auftauchen. Dann spreche ich das sofort an, und wir versuchen den Streit zu lösen, bevor etwas nach außen dringt und der ganze Verein in einem schlechten Licht erscheint. In einem Fall hat jemand bei uns nach einem solchen Gespräch seinen Vorstandsposten aufgegeben.

Übersicht: Karnevalisten suchen neuen CC-Präsidenten FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Lösen Männer die Konflikte anders? Mit mehr Lautstärke und der Faust auf dem Tisch? Sind sie konfliktfreudiger?
Therkatz Für eine rüde Tonart braucht man auf jeden Fall Nerven. Manchmal müssen aber auch Entscheidungen getroffen werden. Und manchmal müssen dann eben Köpfe rollen.
Damm Ja, aber wenn die Vorstandsspitze solche Entscheidungen trifft, sollte sie auch die kommunikative Gabe haben, die anderen im Verein mitzunehmen, damit alle hinter dieser einen Entscheidung stehen und sich keine Lager bilden. Ich empfinde Männer eher als konfliktärmer, dass sie Streit oft nicht austragen.
Brauckhoff Frauen sind generell nicht so rüde wie Männer. Aber ganz egal, ob Männer oder Frauen: Es sollten immer alle an einen Tisch und eine Lösung suchen. Die findet sich oft ganz leicht. Meistens sagen dann alle hinterher "Warum haben wir nicht vorher mal geredet?"

Plädieren Sie also generell für Vorstände, die aus Männern und Frauen bestehen?
Pappa Auf jeden Fall. Dabei wäre es außerdem wichtig, dass es nicht immer die Frauen sind, die nur den Job der Schriftführerin machen, sondern auch mal weiter oben angesiedelt sind.
Damm Gemischte Vorstände sind besser, weil sich dann die Kommunikation verändert. Mit Frauen an einem Tisch wird oft der Dampf rausgenommen.

Und der Ton ändert sich?
Therkatz Sicher, es gibt ja auch verbale Grenzen, die unter Männern oft verletzt werden. Oder sogar Gewalt-androhungen...
Brauckhoff Bei Männern ist ja doch oft vieles ein Machtgerangel. Das kenne ich zum Beispiel aus unserem Amazonen-Korps gar nicht. Wenn im Vorstand die Stimmung gut ist, überträgt sich das auch auf den Verein.

Wenn Sie jetzt vorschlagen, dass ganz generell mehr Frauen in den CC-Vorstand gewählt werden sollen, die auch etwas zu sagen haben - wer kann das denn sein?
Therkatz Das ist eines der ganz großen Probleme in Düsseldorf. Es gibt ja immer noch Karnevalsvereine, die gar keine Frauen aufnehmen, die ausschließlich "Herrengesellschaften" sind. Wo sollen denn da die Frauen herkommen? Im Karneval gibt es nicht wirklich eine Frauen-Vielfalt.
Pappa In dem Fall ist das ganz klar: Frauen werden oft gar nicht ernst genommen.

Die besten Bilder aus dem Prinzenkanal 2014/5 FOTO: Dobrick, Jan

Frau Damm, Sie sind Schützenchefin in Niederkassel und führen den Stadtverband der Schützen. Ist Ihnen schon mal jemand negativ begegnet, "nur" weil sie eine Frau sind?
Damm In den ganzen Jahren nicht einmal. Am Anfang haben zwar - vor allem ältere Mitglieder - skeptisch auf meine Wahl zur Schützenchefin reagiert, das hat sich dann aber alles gelegt, als sie gesehen haben, dass ich mich voll einsetze. Ich meine: Man kann sich in der Sache streiten, aber nicht über das Mann-Frau-Thema.

Glauben Sie, dass der Streit innerhalb des CC zu lösen ist?
Pappa Wenn sich alle offen und ehrlich zusammensetzen, ja. Man muss klären, was schiefgelaufen ist und wie in Zukunft solche Auseinandersetzungen zu verhindern sind. Manchmal braucht das sogar eine externe Kommunikation.
Brauckhoff Wichtig wäre es auf jeden Fall. Denn durch diesen aktuellen Streit hat nicht nur der Karneval Schaden genommen, sondern die ganze Stadt.

Wer von Ihnen wäre denn bereit, selbst im CC-Vorstand aktiv zu werden?
Brauckhoff Ich habe natürlich genug zu tun: Ich habe Familie, mit meinem Mann einen Betrieb, habe Ehrenämter. Aber ich helfe natürlich gerne oder betreue mal ein Projekt.
Therkatz So sehe ich das auch. Ich werde jetzt 70 Jahre alt, gebe ja auch bald den Vorsitz der Originale in jüngere Hände. Ich will kein weiblicher Engelbert Oxenfort sein. Aber für ein Projekt, vielleicht in der Nachwuchsarbeit, stehe ich gerne zur Verfügung.

Was muss sich denn jetzt ändern im "neuen CC"?
Therkatz Es darf nicht um Eitelkeiten, sondern muss um Kompetenzen gehen. Brauckhoff Und immer noch um den Spaß an der Sache. Damm Und es müssten vielleicht mal Kommunikations-Regeln aufgestellt werden, wie man miteinander umgehen will.
Pappa Egal, wer demnächst an der Spitze steht: Es sollten sich immer alle darüber Gedanken machen, wie sie Streit vermeiden können. Wenn es dann aber wirklich ein Problem gibt, muss man darüber reden. Und dann kann es sein, dass einer der Verlierer ist. Das habe ich auch schon mal zwischen Handwerkern und Bauherrn erlebt und musste mich von einer Firma trennen. Das passiert aber extrem selten.

Marc Ingel und Anke Kronemeyer führten das Interview.

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