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Düsseldorf
Als 1990 der Zoch nicht kam

2015: Jecken jubeln den Rosenmontagswagen zu
2015: Jecken jubeln den Rosenmontagswagen zu FOTO: dpa, rwe kno
Düsseldorf. Eine Absage des Zochs wäre nicht neu: Bereits 1990 musste der Umzug kurz vor dem Start beendet werden. Er wurde im Mai nachgeholt. 1991 fiel er wegen des Golfkriegs aus - ersatzlos. Ein Augenzeugenbericht. Von Hans Onkelbach

Der 26. Februar des Jahres 1990 ist ein Tag, dessen Wetter der Rheinländer als uselig bezeichnet. Starker Wind, ab und zu Regen, eher nasskalt - normalerweise geht da nur der raus, der unbedingt muss. Aber dieser 26. Februar ist der Rosenmontag, und da wollen Tausende von Jecken und einige hunderttausend Zuschauer unbedingt raus und den Zoch sehen. Der startet in jenen Jahren an der Fischerstraße. In einer der alten Messehallen, die dort noch stehen (das heutige Gelände der Ergo-Versicherung), haben die Narren ihre Wagen gebaut.

Dieses Mal hatten sie dafür sehr viel Zeit: Die Session (Motto: "Von nix kütt nix") ist lang gewesen, der Aschermittwoch ist der 28. Februar. In der Halle ist die Stimmung noch ausgelassen - die Jecken freuen sich, schließlich steht der Höhepunkt der Session bevor, auf den Straßen sind bereits Zigtausende unterwegs und wollen das Spektakel aus nächster Nähe sehen. Aber daraus wird nichts, jedenfalls nicht an diesem Tag.

Rosenmontagszug in Düsseldorf abgesagt FOTO: dpa, kno

Denn inzwischen gibt es die ersten Warnungen der Meteorologen. Sturmtief Vivian hat sich seit dem 25. Februar bis nach Deutschland vorgearbeitet. Ab dem 1. März wird die Sturmfront, die Richtung Osten zieht, unter dem Namen Wiebke Dutzende Menschen das Leben kosten und gewaltige Schäden anrichten.

In Düsseldorf berät man hektisch in der Halle: Absagen oder losziehen? Wir ziehen, beschließt man schließlich. Getreu dem Motto des Rheinländers: Et hätt noch immer jot jejange. An dem Tag funktioniert das nicht. Als sich das Tor zur Fischerstraße öffnet und die Traktoren die ersten drei Wagen des Zugs hinausziehen, dauert es nur Minuten, bis sie zerlegt werden. Die fragile Konstruktion aus Draht, Holzlatten, Papier und Leim hat dem gewaltigen Druck außer einer riesigen Fläche nichts entgegenzusetzen - zahlreiche Trümmer fliegen durch die Luft, wie durch ein Wunder wird niemand verletzt.

Düsseldorfer Prominente feiern 2015 Rosenmontag FOTO: Ruhnau

Das Tor zur Messehalle wird danach wieder geschlossen, und nach erneuter Beratung verkündet der damalige Düsseldorfer Oberbürgermeister Klaus Bungert: "Wir sagen den Zug ab, zu gefährlich!" Danach herrscht Fassungslosigkeit bei den Jecken, einige brechen sogar in Tränen aus, immerhin ist der Zug der Höhepunkt der Session. Aber dann kommt der Knaller. Bungert: "Wir haben beschlossen, ihn im Mai nachzuholen. Das kriegen wir hin!" Jubel brandet auf. Schnell klärt sich, dass die Halle zumindest zeitweise weiter genutzt werden kann.

Tatsächlich wird der Zoch dann im Mai, mit 82 Tagen Verspätung, nachgeholt - dann allerdings an einem Samstag. Der 19. Mai ist ein sonniger, milder Frühsommertag, Hunderttausende sind gekommen, um die Einmaligkeit eines Karnevalszuges in dieser Jahreszeit zu erleben. Schnell kommt sogar die Diskussion auf, den Zoch wegen des besseren Wetters immer im Frühsommer starten zu lassen. Aber das setzt sich dann doch nicht durch.

So vielfältig feiern die Düsseldorfer FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Zumal die Jecken bald noch ganz andere Sorgen haben: Bereits im folgenden Jahr fällt der Rosenmontagszug noch ein weiteres Mal aus, dieses Mal wegen des Krieges am Golf. Nachgeholt wird er in jenem Jahr nicht.

Quelle: RP
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