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Düsseldorf
Das Martinshorn gehört zum Sound der Altweiber-Nacht

Düsseldorf: Das Martinshorn gehört zum Sound der Altweiber-Nacht
Wohl dem, der im warmen Tierkostüm sein Nickerchen auf der Straße machte. Für Diebe waren diese Altweiber-Jecken aber leichte Opfer. FOTO: Christoph Reichwein
Düsseldorf. Bedingt durch die starke Polizeipräsenz rund um die Karnevalsfeiern im Stadtgebiet gab es so viele Festnahmen wie noch nie. Von Stefani Geilhausen und Uwe-Jens Ruhnau

Am frühen Freitagmorgen ist das Altstadtpflaster nur noch ein bisschen heiß, aber dafür ziemlich klebrig, von breitgetretenen Brötchen, halb leer gegessenen Pizzakartons, durchweichten Kostümresten. Es ist kurz nach zwei Uhr, und die Altweiber-Party geht dem Ende entgegen.

Seit dem Vormittag dröhnen Schlager durch die Gassen, straßenweise haben sich die Kneiper zumindest auf eine Zentralbeschallung geeinigt, so dass man nicht beim Tanzen auf der Straße versehentlich von "Atemlos" in "Tage wie diese" gerät. Die Jecken, die schon beim Rathaussturm mitgeschunkelt haben, machen sich auf den Heimweg, manche machen auch am Straßenrand ein Nickerchen.

Der Rettungsdienst kümmert sich um einen Betrunkenen, der zuvor in eine Auseinandersetzung mit einer anderen Person verwickelt war. FOTO: Christoph Reichwein (crei)

Normaler Wahnsinn heißt das bei der Polizei, es ist ein bisschen wie nach jeder Partynacht, nur dass diese eben ganz besonders intensiv gewesen ist. Viel ist vorher darüber diskutiert worden, über kostümierte Frauen und Bützchen und aufreizende Kostüme und über Menschen, die das falsch verstehen könnten. Das waren im vorigen Jahr sechs von Altweiber bis Veilchendienstag. Aber dazwischen lag Silvester mit bisher nie dagewesenen sexuellen Übergriffen auf Frauen.

Nicht zuletzt deshalb ist die Polizei so stark besetzt wie selten, und weil eben so viele Beamte da sind, wird auch viel entdeckt. Und es wird nicht lange diskutiert. 172 Platzverweise haben die Polizisten in der Nacht erteilt, 51 Menschen in Gewahrsam genommen. Einige von denen bringt der OSD zur Wache, auch die städtischen Ordnungskräfte sind entschlossen, keine Regelverstöße durchgehen zu lassen.

Altweiber 2016 in Düsseldorf - Möhnen stürmen Rathaus FOTO: Bretz, Andreas

Ungewöhnlich schnellen und sicheren Schrittes eilen außer den Beamten und den Ordnungsleuten nur noch wenige Menschen durch die Altstadt. Nicht alle führen Gutes im Schilde. Einige etwa gehen gezielt zur Freitreppe, wo am späten Nachmittag noch mehr oder minder Volltrunkene dicht an dicht gesessen und geschunkelt haben. Leichte Opfer für geübte Taschendiebe. Doch die kleinen Gruppen kommen unverrichteter Dinge zurück. Nachdem die Polizei ihren Lichtmast mit kilowattstarken Strahlern neben der Treppe aufgebaut hat, ist die wie leer gefegt. Die Diebe finden anderswo Gelegenheiten: 20 Diebstähle werden in der Nacht angezeigt, zweimal waren die Täter dabei so rabiat, dass von Raub die Rede ist. Auf der Bolkerstraße muss die Polizei zwischendurch schnell ein Großaufgebot in Stellung bringen: Da wollten um die 20 Rocker ihre Stärke zeigen, was dank der starken Polizeikräfte fast unbemerkt blieb.

Im Frauen-Security-Point bleibt es dagegen ruhig. Nicht ein Opfer braucht den Rat der Expertinnen, die sich eigens dafür im Jonges-Haus eingerichtet haben. Das heißt nicht, dass es keine Taten gab. Zwölf Sexualdelikte sind der Polizei gemeldet worden, davon sechs derbe verbale Anzüglichkeiten. Aber es gab auch eindeutige Handgreiflichkeiten. Die Polizei hat neun Täter ermittelt, einer soll ein Asylbewerber sein, den anderen sind die Karnevalsbräuche hierzulande aber sicher schon länger bekannt.

"Düsseldorfer Weiter" seit 1978 beim Rathaussturm dabei FOTO: irz

Um die Frauen zu beschützen, hatte sich schon vor geraumer Zeit eine selbst ernannte Bürgerwehr gegründet, die seither in der Altstadt patrouilliert. In der Altweibernacht sind die Männer mit zwei Hunden unterwegs, einige tragen das Wort "Security" auf der Jacke. Die Polizei kann nichts dagegen tun. Aber sie sieht es nicht gern. "Das vermittelt den trügerischen Eindruck, dass diese Leute irgendeine Befugnis hätten." Und die haben sie nicht. Zur trügerischen Sicherheit tragen auch viele Feuerwehr-, SEK- und Swat-Kostüme bei, von deren Trägern mit ihren glasigen Augen keine Hilfe zu erwarten ist. Immerhin, lobt die Polizei: "Die meisten dieser kostümierten Spezialeinheiten haben auf ihre Plastikwaffen verzichtet. Darum hatten wir gebeten. Das hat uns gefreut."

Quelle: RP
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