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Rosenmontag in Düsseldorf
Erste Rate für abgesagten Zug ist gezahlt

Zugabsage: Düsseldorfer Promis feiern am Rathaus
Zugabsage: Düsseldorfer Promis feiern am Rathaus FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Die Versicherungsmakler für den Rosenmontagszug, Jürgen und Jens Fassbender, im Gespräch mit unserer Redaktion über Ausfallrisiken wie Terror oder Sturm und die Vertragsabwicklung.

Sie sitzen mit Ihrer Firma in Korschenbroich, da gibt es auch Karnevalsumzüge. Sind diese denn gezogen?

Jürgen Faßbender Der größte Zug findet bei uns sonntags statt - und er ist zum Glück ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen.

Jens (l.) und Jürgen Faßbender vom Versicherungsmakler Veritas beim Interview im Medienhaus Düsseldorf. FOTO: Andreas Bretz

Das kann man vom Düsseldorfer Rosenmontagszug leider nicht behaupten. Haben Sie schon mal einen solchen Zug oder Ähnliches versichert?

Jürgen Faßbender Zunächst muss ich erklären, dass wir ja nicht selbst der Risikoträger sind. Als Versicherungsmakler erstellen wir gemeinsam mit dem Kunden ein Risikoprofil und vermitteln ihm dann das bestmögliche Angebot für seinen speziellen Bedarf. Wir sind das Bindeglied zwischen beiden Seiten, auch während der Laufzeit des Vertrages. Wenn die Vertragspartner am Ende zufrieden sind, haben wir unsere Arbeit richtig gemacht. Und was Ihre Frage angeht: Wir haben in der Vergangenheit zwei Handball-Bundesligisten beraten, und da waren, um nur ein Beispiel zu nennen, bei einem Umzug in eine größere Halle kniffelige Haftungsfragen zu beurteilen. Das Versicherungskonzept war nicht einfach zu erstellen und die benötigte Versicherungsbestätigung konnte erst zehn Minuten vor Öffnung der Halle zugefaxt werden. Ohne diese hätte es keine Veranstaltung gegeben.

Fotos: Mottowagen ziehen vor Düsseldorfer Rathaus FOTO: dpa

Sie haben dafür gesorgt, dass die GmbH des Carnevals Comitees gegen entgangene Einnahmen und Schäden, die durch eine Absage des Rosenmontagszugs entstehen, bei der Ergo versichert sind. Wie sind Sie zu diesem Auftrag gekommen?

Jürgen Faßbender Wir sind empfohlen worden.

Haben Sie sich erschreckt, als der Zug tatsächlich nicht ziehen konnte?

Jens Faßbender Das nicht, wir hatten uns schon seit dem Freitag darauf eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt verdichteten sich die Sturmwarnungen und wir haben unser Schadenmanagement aktiviert. Wir haben ab diesem Moment den Kontakt zum Carnevals Comitee und der Ergo-Versicherung intensiviert. So wussten beide Seiten, was zu welcher Zeit zu tun ist. Das CC hat sich, das hat die Ergo schon am Tag nach Rosenmontag signalisiert, richtig verhalten und kann damit rechnen, dass entgangene Einnahmen und Kosten, die durch die Absage entstanden sind, ersetzt beziehungsweise beglichen werden. Die Ergo hat die erste Akontozahlung an das CC bereits vorgenommen.

Das heißt, Sie haben, nachdem sich das Sturmereigneis abzeichnete, im Vorfeld bereits die Weichen für eine mögliche Regulierung gestellt?

Jens Faßbender So ist es. Es war beispielsweise wichtig, dass die Karnevalisten bis zum letzten Moment die Möglichkeit in Betracht gezogen haben, dass der Zug vielleicht doch ziehen könnte.

Wurde deswegen die Pressekonferenz zur möglichen Zugabsage am Sonntag abgesagt?

Jürgen Faßbender Die entscheidende letzte Prognose des Deutschen Wetterdienstes stammte von 6.55 Uhr vom Montagmorgen. Sie diente als Grundlage für die Absage, die angekündigte Windstärken Neun bis Zehn wurden vom Sicherheitskonzept für einen sicheren Umzug ausgeschlossen. Die letztliche Entscheidung des CC, die Pressekonferenz erst am Montagmorgen um 8 Uhr abzuhalten, war absolut angemessen. Wir sind übrigens froh, dass wir die Ergo als Versicherer für die Karnevalisten haben gewinnen können, denn sie gehört zu den wenigen professionellen Entertainment-Versicherern in Deutschland, versichert etwa auch Fußball-Großereignisse. Es geht zudem ja nicht nur um den Vertrag selbst, sondern auch um die Professionalität bei der Schadenregulierung.

Wieviele Versicherer können so etwas denn?

Jürgen Faßbender Das ist gerade ein Handvoll - und ihre Arbeit wird immer wichtiger.

Warum?

Jens Faßbender Die Veranstalter von Großereignissen arbeiten heute in einem schwierigen Umfeld. Auch das CC weiß um die Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover oder die Schließung des Hauptbahnhofs in München. Niemand will Trittbrettfahrer anlocken, gleichzeitig muss man die Risiken ernstnehmen. Der erste Ansatzpunkt des CC war es denn auch, die Absage des Zuges wegen Terrorgefahr zu versichern. Wir haben das Themenfeld dann erweitert.

In welche Richtung?

Jürgen Faßbender Wir haben einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt und die Karnevalisten im Vorfeld gefragt, ob sie nicht auch das Wetterrisiko miteinbeziehen wollen. Das wurde bejaht. Wir haben dann das Risikoprofil definiert und im Markt Angebote eingeholt.

Gab es große Unterschiede?

Jürgen Faßbender Bei den Versicherern gibt es unterschiedliche Ansätze. Das ist kein Geschäft von der Stange oder wo man einen Vertrag mit der App bestellen kann. Wir sprechen in diesem Zusammenhang gerne von einer Manufaktur. Die verschiedenen Angebote unterschieden sich im Bereich der Terror-Deckung teilweise recht deutlich.

Die Versicherungssumme von 500.000 Euro für den Rosenmontagszug erscheint gering.

Jens Faßbender Bitte haben Sie Verständnis, dass wir an dieser Stelle keine Vertragsdetails besprechen können. Nur soviel: Es ging um entgangene Einnahmen und Kosten. Was anderes ist es, wenn bei Großveranstaltungen auch Personen- und Sachschäden zu versichern sind. Da geht es schnell um zehn Millionen Euro oder mehr. Denken Sie nur an die Möglichkeit, dass ein Mensch querschnittsgelähmt zurückbleibt. In einem solchen Fall wird in Deutschland mit bis zu drei Millionen Euro kalkuliert. Bei großen Gefährdungspotenzialen sitzen deswegen die Rückversicherer mit am Tisch, bei denen sich wiederum die Versicherer absichern.

Am 13. März wird der Rosenmontagszug nachgeholt. Will die Ergo das Risiko noch einmal auf sich nehmen?

Jürgen Faßbender Ja, das wird sie tun. So ist es uns signalisiert worden.

Und Sie? Wagen Sie sich von Korschenbroich nach Düsseldorf und schauen sich den Zug an?

Beide Das haben wir vor.

UWE-JENS RUHNAU FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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