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Rosenmontagszug in Düsseldorf
Kamelle, Campino und der kurbelnde Kanzlerkandidat

Rosenmontag in Düsseldorf 2018: Das sagen die Narren zu den Mottowagen
Bei strahlendem Sonnenschein feierten Hunderttausende Jecken in Düsseldorf den Rosenmontag. Für ein besonderes Highlight sorgten die Toten Hosen: Campino und seine Band rockten auf einem eigenen Wagen und schmetterten altbekannte Hits. Von Sabine Kricke, Düsseldorf

"Ist der das wirklich?", fragten sich einige Verkleidete am Straßenrand der Königsallee, als der Wagen mit Deutschlands erfolgreichster Rockband die Nobelmeile passierte. Mit Absperrband vor der jecken Meute geschützt, spielten die Toten Hosen alte und neue Hits für die Düsseldorfer Jecken. Pünktlich, als die Punkrocker das Rathaus erreichten, dröhnte aus den Boxen der Song "Wünsch dir was". Sänger Campino schmetterte den Text aus tiefster Seele, das Rathaus bebte.

Tolle Kostüme am Rosenmontagszug 2018 in Düsseldorf FOTO: Bretz, Andreas

Die Aktion war zuvor geheim gehalten worden. Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die Punkrocker beim Rosenmontagszug mit einem eigenen Wagen am Start sind. Zum ersten Mal waren sie 1996 mit einem Wagen dabei. Die Fotos von den Toten Hosen beim Zug sehen Sie hier.

Jüdische Gemeinde mit koscherer Kamelle

Eine Premiere gab es beim Rosenmontagszug 2018 jedoch auch: Zum ersten Mal in der Geschichte Düsseldorfs war die jüdische Gemeinde mit einem eigenen Wagen dabei. "Wir feiern den größten jüdischen Sohn unserer Stadt", stand auf dem Wagen. Abgebildet hatte Wagenbauer Jacques Tilly den Dichter Heinrich Heine. Vom Wagen aus tönte es laut "Schalom" – natürlich wurde koschere Kamelle dabei geworfen.

So schön war der Rosenmontagszug 2018 in Düsseldorf FOTO: ap, FO

Bei strahlendem Sonnenschein zog der Rosenmontagszug mit rund 8500 Teilnehmern durch die Düsseldorfer Innenstadt. Nach dem Motto "Jeck erst Recht" waren die 126 Wagen bunt geschmückt. Auf der über fünf Kilometer langen Zugstrecke verteilten die Karnevalisten rund 120 Tonnen Süßigkeiten. Ob auf Balkonen, am Wegesrand oder vom Fenster aus: Die Stimmung war ausgelassen und bis zum nachmittag friedlich. "Wir hatten keine größeren Einsätze", sagte ein Sprecher der Polizei unserer Redaktion. Wenn der Rosenmontagszug die Stadt passiert hat, ist die jecke Feierei aber noch nicht vorbei. Dann ziehen die meisten Verkleideten in die Kneipen der Altstadt oder feiern weiter auf der Straße. 

Angela Merkel als "schwarze Witwe"

Neben den vielen bunt verkleideten Jecken sorgten auch die Mottowagen von Düsseldorfs Wagenbauer Jacques Tilly für Aufsehen. Kanzlerin Angela Merkel wurde von Tilly als "schwarze Witwe" dargestellt. Unter ihr fanden sich ihre "Opfer" wieder: Neben Peer Steinbrück und Philipp Rösler waren auch Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier dabei. Auch Martin Schulz fand dank Tilly seinen Platz im Rosenmontagszug: Mit hochrotem Kopf kurbelt er sich selbst durch den Fleischwolf. "Selber Schulz", findet der Wagenbauer. Auch Andrea Nahles blieb nicht verschont: Auf ihrer Brust prangte der Schriftzug: "Genossen, das Ende ist NAHles!". 

Eine kleine Spitze lieferten die Karnevalisten von den "Närrischen Schmetterlingen". Auf deren Karnevalswagen prangte am Rosenmontag eine Pappfigur, die Präsident Kurt Fenn zeigte. Aus seinem Zylinder tanzte eine Stripperin mit nackten Brüsten. Die Närrischen Schmetterlinge hatten bei ihrer Herrensitzung am Sonntag vor einer Woche einen Striptease ins Programm aufgenommen. Darauf hatte es eine Diskussion gegeben, ob so etwas in den Karneval gehört.

Die Polizei zog am Abend eine erste positive Bilanz zum Rosenmontagszug. Insgesamt sei es ruhig geblieben, allerdings seien einige Randalierer in Gewahrsam genommen und einige Platzverweise erteilt worden.

Rosenmontag in Düsseldorf: Das sind die Mottowagen 2018
 
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