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Werbewert in Millionenhöhe
Karneval macht Düsseldorf weltbekannt

Düsseldorf: So sehen die Motto-Wagen an Rosenmontag aus
Düsseldorf: So sehen die Motto-Wagen an Rosenmontag aus FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Die politischen Wagen des Düsseldorfer Rosenmontagszugs waren in den vergangenen beiden Jahren in mehreren Hundert internationalen Medien zu sehen. Das entspricht einem Werbewert von 37 Millionen Euro. Von Christian Herrendorf

Washington, Tokio und Athen - das sind drei von mehreren Hundert Orten, an denen im vergangenen Jahr Bilder aus dem Rosenmontagszug der Landeshauptstadt zu sehen waren, immer schön versehen mit dem Hinweis "Carnival in Duesseldorf". Dass andere deutsche oder europäische Karnevalshochburgen kaum bis gar nicht auftauchen, hat einen einfachen Grund: Das Interesse der internationalen Medien gilt den politischen Mottowagen von Jacques Tilly. Sie sind Botschafter auf mindestens drei Kontinenten.

Laut einer Erhebung von "Düsseldorf Marketing & Tourismus" (DMT) gab es in den zurückliegenden zwölf Monaten 950 Online-Artikel zum Düsseldorfer Karneval. Sie haben einen Werbeäquivalenzwert von 37 Millionen Euro. Hinzu kommen nationale Erwähnungen im Wert von 45 Millionen Euro plus Zeitungen und Fernsehen. So "kommt ein Werbewert zusammen, der wohl deutlich jenseits der 100-Millionen-Euro-Grenze liegen dürfte", sagt der neue DMT-Chef Frank Schrader.

Zahlen und Fakten im Düsseldorfer Karneval

Schuld an dieser Entwicklung ist Wladimir Putin. 2014 war er auf einem Mottowagen mit gewaltigem Bizeps zu sehen, der aus einer Bombe mit der Aufschrift "Krim" bestand. Der Wagen besaß das perfekte Timing und wurde von den USA bis Asien zigfach veröffentlicht. "Früher war es für uns ein großer Erfolg, wenn ein Wagen zehn- oder vielleicht zwanzigmal auf internationalen Medienseiten auftauchte. Plötzlich waren es mehr als 50 Erwähnungen", berichtet Tilly.

Danach wussten die Nachrichtenagenturen offensichtlich, worauf im deutschen Karneval zu achten war, und die anderen Medien, wo sie bissige Kommentare zur Weltlage finden. 2015 waren die Rekorde des Vorjahrs schon Standard. Gleich vier Wagen wurden mehr als 50-mal gezeigt: Angela Merkel als Zyklop, die beiden Skelette mit der Aufschrift IS und Al-Qaida beim Armdrücken, ein neuer Muskel-Putin (auf dem mächtigen Arm stand Militär, auf dem schmächtigen Wirtschaft) und der Wagen zum Charlie-Hebdo-Attentat ("Satire kann man nicht töten").

So feiern die Düsseldorfer Rosenmontag 2015 FOTO: dpa, kno

Die internationalen Medien beschränkten sich nun auch nicht mehr auf das Abdrucken der Bilder. Die BBC hat im vergangenen Jahr ein Team geschickt, um einen Bericht über Tilly und sein Team zu drehen. Für dieses Jahr hat sich ein Korrespondent der New York Post angekündigt, nicht die Times, aber auch eine der zehn größten Zeitungen der USA.

Dass der Karneval Düsseldorf weltbekannt macht, spielt auch eine Rolle in der aktuellen Diskussion um die Marke der Stadt. DMT-Chef Schrader nennt die Wagen "echte Werbeträger" für Düsseldorf. "Vor allem, weil sie seit Jahren kontinuierlich für Denkanstöße und Schmunzler sorgen, kann man durchaus von einem nachhaltigen Imagetransfer sprechen." Die Bilder transportierten Lebensfreude, Kreativität und Humor, die als typische Eigenschaften mit der Landeshauptstadt verbunden würden. Im Düsseldorfer Karneval betreibe man eben keine Selbstzensur und dieses Selbstbewusstsein werde bundesweit und im Ausland anerkannt. "Der Karneval gehört eindeutig zur DNA Düsseldorfs", sagt Schrader. Folglich sei es wichtig, ihn in der Diskussion um die neue Marke zu berücksichtigen. Es gehe nicht darum, Düsseldorf einseitig als Karnevalsstadt zu profilieren, sondern darum Menschen emotional zu erreichen. Dabei "kann es durchaus eine Option sein, den Karneval als kulturelles und identitätsstiftendes Phänomen auch außerhalb der Session zum Thema zu machen."

Horst Harguth, Direktor der Düsseldorfer Akademie für Marketing-Kommunikation, geht noch einen Schritt weiter: "Das ist die bestmögliche Form der Werbung: Sie ist kostenlos, hat keine kommerzielle Absicht und funktioniert über Bilder." Deshalb plädiert er dafür, diese Vorteile noch stärker als bisher strategisch anzugehen. Die Verantwortlichen der Stadt sollten jetzt für die Jahre 2017, 2018 und 2019 ein Konzept entwickeln, um dieses Alleinstellungsmerkmal positiv zu befördern. "Man kann auf den politischen Karneval stolz sein und sollte das auch sagen, zum Beispiel internationalen Pressevertretern oder den Adressaten von Werbekampagnen." Daraus ergebe sich dann auch eine Chance für die Marke Düsseldorf. Die Stadt könnte zeigen, dass sie sich selbst nicht so ernst nimmt und weltoffen ist, bunt, frech, kreativ. "Die rheinische Leichtigkeit ist es, die Düsseldorf ausmacht - und der Karneval ist ein guter Teil davon."

Fotos: Fortuna enthüllt ihren Karnevalswagen FOTO: Falk Janning

Um die beschriebene Aufmerksamkeit für Düsseldorf nutzen zu können, hat Wagenbauer Tilly drei jecke Figuren geschaffen: den Bergischen Löwen, den Hoppeditz und die Venetia. Dieses Dreigestirn könnte in der Vermarktung von Stadt und Karneval die Rolle spielen, wie es ein Harlekin namens Burlamacco im toskanischen Via-reggio macht oder die Figur Waggi in Basel.

Beide Städte besitzen den bekanntesten Karneval ihrer jeweiligen Länder, in beiden Städten sind die Figuren überall zu sehen: auf T-Shirts, Postern, Fahnen und als Plüschtiere. Und so könnten auch der Löwe, der Hoppeditz und die Venetia schon am Hauptbahnhof oder im Flughafen-Terminal die Düsseldorf-Besucher begrüßen und bei ihnen einen schönen Gedanken auslösen: "Ach ja, ich bin in der Stadt mit dem weltbekannten Karneval."

Quelle: RP
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