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Jecke Tage in Düsseldorf
Ein Karnevalsblog auch für Karnevalshasser

Karnevalsblog live aus Düsseldorf auch für Karnevalshasser
Was hat der bloß mit diesem Karneval? Sebastian Dalkowski hat für die Begeisterung des Kollegen Jan Dobrick nur Stirnrunzeln übrig. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die einen lieben die jecke Zeit, die anderen hassen sie. Auch unsere Reporter Sebastian Dalkowski und Jan Dobrick sind da unterschiedlicher Meinung - und klären in den kommenden Tagen in unserem Liveblog ein für alle Mal, ob Karneval eigentlich lustig ist. 

Eigentlich verstehen sich die beiden ziemlich gut, doch in einem Punkt werden sie sich nicht einig: Für Jan Dobrick ist Karneval Quality Time. Sebastian Dalkowski hingegen würde sich in den nächsten Tagen am liebsten zu Hause einschließen. Für unseren Liveblog schicken wir beide Reporter von heute bis Aschermittwoch ins Epizentrum des Düsseldorfer Wahnsinns. Vorab sind sie schon mal aufeinander getroffen.

So schön war der Rosenmontagszug 2014 in Düsseldorf FOTO: dpa, jps tmk

Jan Dobrick Man darf den Düsseldorfer Karneval nicht hassen. Zumindest nicht ohne schlechtes Gewissen. Jede Ecke der Stadt ist ein Gemälde karnevalistischer Ekstase. Nur nicht die, in der Sebastian Dalkowski steht, der Grinch des Karnevals.

Sebastian Dalkowski Entschuldige bitte, dass ich dort, wo du ein Gemälde karnevalistischer Ekstase siehst - geht's auch eine Nummer kleiner? - bloß einen Haufen von Menschen sehe, die sich verkleiden und Mut antrinken müssen, um aus der Rolle zu fallen. Was genau begeistert dich jetzt noch mal daran?

Jan Nur weil man den Gin des Lebens genießt, fällt man doch nicht aus der Rolle, man lebt sie, das ist großartig. Als Indianer, als Batman, als Rotkäppchen. Du hörst dich an, als würdest du zu Hause den Fernseher anschreien, wenn Karneval übertragen wird. Verkleidet als einsamer Kämpfer gegen den Spaß: grauer Pullover, blaue Jeans. Auch als graue Maus kann man in einer bunten Welt Spaß haben, Sebastian, keine Angst.

Sebastian Wer an Karneval grau trägt, ist der wahre Farbtupfer. Seitdem du Mitglied in der Prinzengarde der Stadt Düsseldorf bist, hast du jegliche journalistische Objektivität beiseite gelegt. Wie heißt noch mal der Düsseldorfer Prinz in diesem Jahr? Prinz Heiko? Ich hatte noch keine Lust äh Zeit, das zu recherchieren.

Jan Ganz Düsseldorf ist von den Karnevalisten besetzt. Nur du, ein kleines, unbeugsames Männchen, leistest noch Widerstand. Doch der ist swaglos. Hanno heißt der Prinz. Hanno! Kannst du dir den Namen merken, Ekel Alfred?

Sebastian Wow, eine Asterix-Anspielung. Gehen dir schon die Ideen aus, mich zu beleidigen? Eventuell kann ich mir merken, dass der Name des Prinzen mit H beginnt. Prinz Helmut, richtig?

Jan Wir beide ziehen los, um über die Stimmung aus den Sälen zu berichten. Ich muss wissen, ob ich mit dir rechnen kann. Nicht, dass du schon vom Zusehen Hirnsausen bekommst. Wie sagt Fußball-Trainer Thorsten Legat so schön: "Die Einstellung ist immer Fakt!"

Sebastian Wer hat noch mal gesagt "Man muss dahin gehen, wo es weh tut"? Jedenfalls halte ich mich daran. Ich tippe ja eher darauf, dass du an Altweiber schon um 11.12 Uhr in den Seilen hängst, weil du keinen Schnaps abgelehnt hast.

Jan Natürlich lehne ich keinen Schnaps ab, wenn ich mit dir unterwegs bin, dem Karnevalsgoofy der Nation. Du schenkst dem Karneval ein, die Jecken schenken mir ein.

Sebastian Hey, das war ja beinahe witzig. Wo genau müssen wir denn eigentlich so hin, my Personal Karneval Assistant?

Jan Altweiber feiern wir auf der Straße, Rosenmontag bin ich natürlich auf dem Wagen. Du stehst am Straßenrand und darfst zusehen, wie ich Kamelle in deine Richtung schmeiße. Extra neben den Leinenbeutel, du sollst ja für den Süßkram arbeiten.

Sebastian Das wäre natürlich schade, wenn die Kaubonbons aus dem vergangenen Jahr einfach so auf der Straße liegenbleiben. Und dann lässt da auch noch ein Pferd sein Geschäft drauf fallen. Ein herrliches Bild. Aber glaub nicht, dass ich dich spätabends nach Hause fahre, weil du nicht mehr laufen kannst.

Jan Mach dir um mich keine Sorgen, Meckeropa, ich bin ein Tausendsassa. Aber klar, Karneval feiern ist schon etwas wilder als das, was du abends sonst so machst: vor "Inspector Barnaby" auf dem Sofa einschlafen.

Sebastian Ich muss dich enttäuschen, ich schlafe mit einer Jazzplatte ein. Ich freue mich ja schon, wenn wir eine Karnevalssitzung besuchen und du diese, ich sag mal Gags rechtfertigen muss. Bin gespannt, wie du dich da winden wirst. Ungefähr so wie der Chef der Deutschen Bank, wenn er mal wieder die neuen Quartalszahlen schönreden muss.

Jan Bemühe dich ruhig weiter, aber es wird dir nicht gelingen, die Glückseligkeit aus der Stadt zu mobben. Versprich mir eines, wenn wir unterwegs sind: Du hockst nicht schüchtern zwischen den Jecken, als wärst du im Sexualkunde-Unterricht. Genieße die Quality Time.

Sebastian Wenn ich Quality Time will, fahre ich mit der U79 in den Norden. Hauptsache weg, weit weg. Worauf ich mich freue, ist Aschermittwoch. Was wird das ein Fest!

Jan Jetzt fährst du die schweren Geschütze auf. Mich vor Altweiber an Aschermittwoch zu erinnern, ist eine Frechheit. Der Karneval hat ein Monster erschaffen. Schäme dich! Du verstehst einfach die Kunst nicht, fahr doch gleich nach Köln.

Sebastian Ich hatte mich schon gefragt, wann der Köln-Seitenhieb kommt. Diese künstlich aufrecht erhaltene Feindschaft soll doch nur davon ablenken, dass der Karneval in beiden Städten nur eine Zusammenrottung von bunt bemalten Teilzeit-Wagemutigen ist. Ich bleibe in Düsseldorf, aber nur, weil mein Heimweg dann kürzer ist.

Jan Jetzt nimm mal die Plattennadel von dem aggressiven Hitmix. Ich bin mir sicher, die Jecken werden Überzeugungsarbeit leisten. Und plötzlich liebst du das bunte Treiben, trittst in die Garde ein und übernimmst 2017 meinen Part in dem Dialog. Top, die Wette gilt!

Alles zum Karneval in Düsseldorf gibt es auf unserem Special. 

Quelle: RP
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