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Rosenmontag in Düsseldorf
Und der Zoch kütt doch

Fotos: Mottowagen ziehen vor Düsseldorfer Rathaus
Fotos: Mottowagen ziehen vor Düsseldorfer Rathaus FOTO: dpa
Düsseldorf. Doch, es gab ihn, den Zug. Er fiel nur etwas kleiner aus und war eine eher gemütliche Veranstaltung. Man saß gesittet an Tischen und es wurde auch nicht mit Essen geworfen, sondern man nahm es sich mit der Gabel auf den Teller. Die Rheinbahn hatte ihren "Proviant-Zug" in einen Karnevalszug umgewandelt. Von Verena Patel und Anne Orthen (Fotos)

Jecke machten mit der historischen Straßenbahn eine Stadtrundfahrt, die es so wohl an keinem gewöhnlichen Rosenmontag gegeben hätte. Ursprünglich hatte die Bahn der Fußgruppe zum Aufwärmen dienen sollen. Leonie Göstling und ihre Freunde fanden die Variante im Warmen auch ganz schön.

Auch bei den Wagenbauern ging es etwas gedämpfter zu, obwohl sie es sich nicht direkt anmerken ließen. Kunstvoll als Affe kostümiert schwang sich Anika Gerlach auf einem Trapez kopfüber in der Halle hin und her. Sinnbildlich für den Rosenmontag war das schon. Svenja Heweling hatte sich aus dem Stimmungstief vom Morgen wieder herauskatapultiert. "Wir waren so gut wie noch nie", schwärmte sie. Kollege David Salomo konnte seine Kunst dennoch zeigen. Er hatte ihr eine Schlangenverkleidung aufgemalt. Jacques Tilly: "Der Spruch ,Hinterher ist man immer schlauer' ist noch nie so wahr gewesen wie heute."

Die Reiterinnen des Amazonenkorps feiern traditionell in Ratingen-Lintorf, denn eine Amazone versorgt erst das Pferd und dann sich selbst. Da der Hof von Amazone Heike Schnitzer elf Pferde stellt und dort in der Nähe ist, feiern die Frauen im "Meck", dessen Wirtin "Mücke" a.k.a Nicola Harte außerdem eine gute Freundin ist.

Einfach ausrasten. Das war alles, was die "namenlosen Rentner" der Truppe "Halbangst" von ihrem Publikum erwarteten. Das war bei ihrem Spontan-Auftritt im "Pauls" in Oberkassel drin. Dort wurde die Idee zu den Liedern geboren, erzählte ein Mitglied der Gruppe, das sich als H. Albangst vorstellte. Mit Kommentaren durchs Megafon sorgten sie für viel Spaß: "Niemand hatte die Absicht, einen Rosenmontagszug ausfallen zu lassen."

Rentner mit Namen zeigten sich derweil auf der Ratinger Straße sehr beweglich. Die Schwestern Karo und Anne Peter tanzten eine Mischung vieler Tänze vor dem "Stone". Mit einer Gruppe von Freunden hatten sie sich als Rentner verkleidet: Krückstöcke, graue Perücken, Klamotten von Oma. Sie tanzten so hübsch improvisiert, dass es fast schon einstudiert wirkte. Aber gekonnt. Ein bisschen Westside Story eben, mit Originalbesetzung. Auch bei der Prinzengarde Blau-Weiss ging es vor allem ums Tanzen. Eine neunköpfige Gruppe von den Seychellen war eingeladen.

"Der Horst hat Geburtstag und die Gabi auch." Rufe, Klatschen. Seit 25 Jahren laden Otti Dopheide und ihr Lebensgefährte Willi Schiever Freunde zur Party in ihre Wohnung in der Carlstadt ein. Jeder kennt jeden und alle sind Altstädter, wie Willi Schiever erklärt. "Wir sprechen Platt." Für alle verständlich sprach Kinder-Venetia Jolina, als sie im Hirschchen, wo die Prinzengarde Rot-Weiss feierte, ihren Zeigefinger und die Augenbrauen hob: "Positiv denken! So bin ich länger Venetia."

Quelle: RP
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