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Düsseldorf
Kostüme Marke Eigenbau

Düsseldorf: Kostüme Marke Eigenbau
Ellena Borho schneidert Kostüme selbst und investiert mehrere hundert Euro. In diesem Jahr geht sie als Einhorn. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Ellena Borho, Birgit Pink und Wally Theißen haben eines gemeinsam: Sie lieben es, sich Kostüme auszudenken und sie dann selbst zu schneidern, zu basteln und detailreich zu dekorieren. Von Verena Patel

Auf dem Rot von Wally Theißens selbstgenähter Narrenkappe formen Strasssteine die Aufschrift FSK. Nein, Freiwillige Selbstkontrolle heißt das nicht, auch wenn das im Karneval mancherorten angebracht wäre. Ganz anders: Freundeskreis stressfreier Karneval. Theißen (70) ist eine der "Stressfreien". Dabei hat sie in der Session viel zu tun. Theißen erfüllt Wünsche. Wie den ihrer Enkelin Laura (3). Wie viele Mädchen wollte sie gern ein Pferd haben. Denn verkleidet als kleine Hexe Bibi brauchte sie auch eine Stute "Sabrina".

Also nähte Theißen ein Stoffpferd mit einem großen Loch im Rumpf. Dort hinein passt Laura. Mit zwei Hosenträgern kann sie das Pferd tragen. "Die Kinder haben manchmal verrückte Ideen. Vor zwei Jahren wollte mein Großneffe "schicker Pirat" werden." Theißen zieht ein braunes Jackett mit goldenen Tressen aus dem Schrank. Der "gemeine Pirat" trägt bei ihr eine wadenlange rote Hose mit aufgenähten Flicken.

Oh, Tannenbaum! Zu Karneval darf man die Feste feiern, wie sie auch mal nicht fallen. Hier die Gruppe um Birgit Pink (2.v.lr.). FOTO: Hans-Jürgen Bauer

"Am Wichtigsten ist es mir, dass ich mich in meinen Kostümen wohlfühle", sagt Theißen, "da darf nichts kneifen". Einer ihrer Lieblinge ist der Froschkönig. Den nähte sie zur Session 2011 zum damaligen Motto der Prinzengarde, "Märchen". Ein Jahr später war "Dschungel" das Thema und Theißen kaufte viele Bananen aus Plastik. Bei den Bananenblättern streikte irgendwann die Nähmaschine. "Ich habe alle Konturen der Blätter mit feinem Zickzack umsäumt", sagt sie. Als sie ihre Maschine zur Reinigung gab, sah sie erst, was die dabei alles "gefressen" hatte.

Detailverliebt ist ein abgenutzter Ausdruck. Doch auf Ellena Borho trifft er wirklich zu. Auf ein feines Netz hat sie fingernagelgroße Strasssteine in Regenbogenfarben aufgeklebt. Alles in Reih und Glied, keiner sitzt schief. An den Enden befestigt ist ein Satinband, mit dem sie das Collier um den Hals bindet. Aus vielen, vielen Einzelteilen hat Borho ihr Einhorn-Kostüm zusammengenäht, geklebt, und geknotet. Eine glitzernde Korsage und ein kurzes Tüllröckchen bilden die Basis. Regenbogenfarben trägt sie von Kopf bis Fuß: Selbst auf die Schuhe hat sie bunte Steine geklebt. Die 24-jährige Immobilienmaklerin entwirft seit fünf Jahren ihre eigenen Karnevalskostüme. Alles begann mit einem silberfarbenen Paillettentop. Das verarbeitete sie zu einem Eisprinzessinnen-Outfit. Seitdem steht ihr Stil: Korsage plus Tutu. "Ich hab gerne alles passend", sagt sie und die vielen Schachteln, in denen der Inhalt farblich sortiert ist, beweisen es. Für ein Showgirl-Kostüm hat sie 2500 Strasssteine aufgeklebt. Jeden einzeln. Danach taten ihr die Augen weh. Doch eigentlich bedeutet Kostüme machen für sie Entspannung. "Ich verschwinde dann regelmäßig für Stunden und vergesse die Zeit", sagt sie. Das Nähen hat ihr Mutter Susanne Borho beigebracht. "Darüber bin ich sehr froh. Viele meiner Freundinnen können noch nicht mal einen Knopf annähen."

Regina Zschornack, Wally Theißen und ihre Schwester Uschi (v.l.) sitzen gerne zusammen und besprechen Schnittmuster. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Schwammschlauch - das ist ein Begriff, bei dem man eher an Bauarbeiten denkt, als an Kostüme. Und tatsächlich ist das graue Material eigentlich nichts zum Anziehen. Es sei denn, man wird Tannenbaum und will, dass die "Äste" nach unten abstehen. Genauso wollte es Birgit Pink. Da ihr Mann Gregor Fliesenlegermeister ist, und Schwammschlauch in dem Bereich nichts Unbekanntes, kam Pink auf die Idee, es in den Saum ihres Kostüms einzuarbeiten. Dort wirkt es ähnlich wie Kragenstärke. Genaugenommen tragen Pink und ihre Freunde aber nicht Tanne, sondern Rasen, wie sie erklärt. "Das grüne Material heißt im Handel Gras", sagt die 53-Jährige. Viele Accessoires gab's bereits in der Adventszeit: Baumkugeln und -spitzen aus Plastik oder Lichterketten. Um die Bedienung der Lämpchen griffbereit zu haben, hat Pink kleine Innentaschen in die Kostüme genäht. Auf den Kopf kommt noch ein grüner Spitzhut mit Stern oder eine mit "Gras" bespannte Baseballkappe mit Weihnachtsbaumspitze - fertig ist der festliche Baum. "Jetzt müssen wir doch mal singen", sagt Gregor Pink und fängt mit seiner Frau und den Freunden an: "Ja, sind wir im Wald hier". Allerdings.

Quelle: RP
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