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Rosenmontag in Düsseldorf
Polizei schickte 900 Polizisten wieder nach Hause

Polizei schickt Rosenmontag 900 Beamte nach Hause
900 Beamte wurden nach Absage des Rosenmontagszuges wieder nach Hause geschickt. FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Kurz nach zehn Uhr morgens war Feierabend für die Polizeihundertschaft aus Sachsen. Die nach einem Großeinsatz am Sonnabend in Dresden am Sonntag zur Unterstützung der Düsseldorfer angereiste Bereitschaftspolizei trat unverrichteter Dinge den Heimweg an. Von Stefanie Geilhausen

Auch die Azubis, die Kommissar-Anwärter, die in Uniform am Zugweg Präsenz zeigen und für Ordnung sorgen sollten, hatten überraschend frei – kurz nach der Absage wurden sie mangels Einsatzgrund entlassen.

1400 Beamte hatte die Polizei in Anbetracht der angespannten Sicherheitslage für den Rosenmontagseinsatz eingeplant, Unterstützung unter anderem aus Sachsen und Bayern bekommen. Am frühen Nachmitttag rollten auch deren Mannschaftswagen über die A3 in Richtung Süden. Übrig blieb am Ende immer noch deutlich mehr Polizei als an ganz normalen Montagen.

Fotos: Abgesagter Rosenmontagszug: Die Mottowagen FOTO: Ines Räpple

500 Beamte wie an Altweiber

Mit rund 500 Beamten sei man genauso gut aufgestellt, wie schon an Altweiber, hieß es aus dem Präsidium. Und einen Großteil des zuvor kalkulierten Mehrbedarfs habe der Verkehrsdienst für die Straßensperrungen ausgemacht – die waren überflüssig, nachdem die Mottowagen aus Bilk sicher zum Marktplatz geleitet worden waren. Außer auf der Kö, wo bereits am Morgen die Gastrostände und Absperrgitter abgebaut wurden, waren weitere Sperrungen schließlich überflüssig. 

Rosenmontag: Wagenbauer Jacques Tilly zur Zugabsage

Wer bei der Rheinbahn durch den Ausfall des Zuges nichts zu tun hatte, durfte dagegen nicht nach Hause. "Dass wir so viele Service-Posten eingeplant hatten, kommt uns jetzt zu Gute – die meisten sind nämlich auch Fahrer", sagte Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. Da habe man schnell umdisponieren können, etliche Kollegen in den Fahrdienst geholt. Die Bahnen fuhren aber dennoch nicht, wie an einem normalen Werktag, sondern nach dem Samstagsfahrplan bei gleichzeitiger Vermeidung der Altstadt.

"Wir gehen davon aus, dass auch ohne Zug in der Altstadt Karneval gefeiert wird, richten unseren Fahrplan ein wie am Altweiberdonnerstag." Bahnen und Busse, die sonst über die Heinrich-Heine- oder die Königsallee fahren, werden entsprechend umgeleitet.

Fotos: Das sagen die Jecken zum abgesagten Zoch FOTO: Sabine Kricke

Rheinbahn von Sperrungen betroffen

Das wird so nicht wieder geschehen, sagte Schumacher. Zumindest nicht im Karneval. Denn wenn die Wehrhahn-Linie eröffnet ist, fällt die Altstadt-Straßenbahn ohnehin weg. Aber auch wenn das U-Bahn-Netz naturgemäß nicht von oberirdischen Sperrungen und Großveranstaltungen betroffen ist, gab's gestern doch eine Änderung: Auf den Video-Screens an den U-Bahnsteigen hatten einfühlsame Rheinbahner den seit Altweiber programmierten Spruch "D'r Zoch kütt" wieder durch ein sachliches "Die U-Bahn fährt ein" ersetzt.

Auf der riesigen Anzeigetafel im Hauptbahnhof verkündete die Deutsche Bahn gestern bloß einen einzigen Zugausfall – den des Rosenmontagszuges. Auch die Durchsagen "schlechtes Wetter ... Zug ... leider ausfallen" sorgten nicht gerade für große Aufregung, vielen Bahnkunden werden sie wohl gar nicht aufgefallen sein. Aber offensichtlich hatte sich die Absage der Düsseldorfer Karnevalisten ohnehin längst herumgesprochen: Der Hauptbahnhof präsentierte sich Montagmorgen eher trist: Keine Kostüme, keine Gesänge, keine farbenfrohe Menschenmenge, die von den Bahnsteigen zum Ausgang drängte.

Keine Probleme mit frustrierten Zoch-Fans

Wie die Polizei mitteilte, blieben von den 208 vorgesehenen Rettungshelfern, Rettungssanitäter, Rettungsassistenten, Notärzten und Führungskräften zur Koordination, letztlich 45 im Dienst.

Der Sanitäts- und Rettungsdienst hatte bis um 16 Uhr mit 162 Einsätzen im gesamten Stadtgebiet gut zu tun – die Einsatzzahlen sind vergleichbar mit dem Vorjahr. Bis um 16.30 Uhr gab es elf Hilfeleistungen in der Unfallhilfsstelle. Für elf Jecken aus der Altstadt endete der Rosenmontag mit einem Transport ins Krankenhaus. An Glasscherben verletzte sich bis gegen 17 Uhr keiner der Narren.

Bloß die Handvoll Menschen ohne Karnevalsinteressen, die jedes Jahr am Rosenmontag zwischen all diesen Jecken unsichtbar werden. Und auf jeden von ihnen kamen gefühlt zwei Bundespolizisten und drei Mitarbeiter des Bahnsicherheitsdiensts. Die waren ebenfalls auf jecken Andrang eingestellt gewesen und mit der Hundertschaft der Bereitschaftspolizei im und um den Bahnhof präsent. Zu Schwierigkeiten mit frustrierten Zoch-Fans kam es – zumindest am Vormittag – nicht.

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