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Düsseldorf
Ein Rosenmontag ohne Zoch

Fotos: Mottowagen ziehen vor Düsseldorfer Rathaus
Fotos: Mottowagen ziehen vor Düsseldorfer Rathaus FOTO: dpa
Düsseldorf. Wegen einer Sturmwarnung ist der Rosenmontagszug kurzfristig abgesagt worden. Gefeiert haben die Jecken dennoch ein bisschen vor dem Düsseldorfer Rathaus und in der Altstadt. Doch viele Karnevalsfreunde blieben vermutlich daheim.  Von I. Räpple, I. Schwerdtfeger und S. Kricke

Eigentlich fühlt es sich gar nicht an wie ein richtiger Rosenmontag. Als die ersten Mottowagen am Düsseldorfer Rathaus eintreffen, sind nur einige hunderte Karnevalisten da. Die meisten Jecken haben noch bis zum Ende gebangt und gehofft, dass der Rosenmontagszug starten kann. Doch am Montagmorgen um 8.30 Uhr gibt Sicherheitschef Sven Gerling vom Düsseldorfer Carnevals Comitee bekannt. "Der Rosenmontagszug muss abgesagt werden", heißt es auf der Pressekonferenz am Morgen.

Zugabsage: Düsseldorfer Promis feiern am Rathaus FOTO: Bretz, Andreas

"Wagen haben kein Verfallsdatum"

Allerdings werden die Mottowagen von Wagenbauer Jacques Tilly am Vormittag vor dem Rathaus präsentiert, sie sollen der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden. "Meine Wagen haben ein Verfallsdatum", erklärt Tilly. Traurig sei er nicht. Der Wagenbauer hatte mit dieser Entscheidung bereits gerechnet. "Ich habe mir in den letzten 30 Jahren die Weisheit erarbeitet, dass ich Dinge, die man nicht ändern kann, mit gelassen nimmt." 

Rosenmontag: Wagenbauer Jacques Tilly zur Zugabsage

Gelassen nimmt das Prinzenpaar die Absage des Rosenmontagzugs. Von der Ehrentribüne vor dem Rathaus verfolgen Prinz Hanno I. und Venetia Sara die Mottowagen. "Wir stehen absolut hinter der Entscheidung des CC. Die Sicherheit aller Karnevalisten und Zuschauer hat höchste Priorität", erklärt das Prinzenpaar.

Der Hoppeditz will nicht in die Kiste

Für Hoppeditz Tom Bauer steht fest: "Ohne Zug geh ich auch nicht in die Kiste". Seine Beerdigung am Aschermittwoch fällt also, wie der Rosenmontagszug, ins Wasser. Auch Oberbürgermeister Thomas Geisel bleibt nicht viel übrig, als die Absage mit Humor zu nehmen. "Die Lage ist zwar hoffnungslos, aber nicht ernst", sagt Geisel. Zwar falle der Umzug aus, Rosenmontag deswegen aber noch lange nicht. 

Fotos: Abgesagter Rosenmontagszug: Die Mottowagen FOTO: Ines Räpple

Vom Kopf weiß eine Gruppe von jecken  "Füchsinnen" auch, dass die Entscheidung vernünftig ist, das Herz blutet ihnen trotzdem. Die Freundinnen wollten als Fußgruppe mitgehen und sind natürlich enttäuscht, dass die Vorbereitungen umsonst waren. "Wir packen jetzt die Kamelle ein und lagern sie bis zum Frühjahr. Unsere Laune lassen wir uns aber nicht vermiesen", sagt Silke. Zusammen mit Lieblingsköbes Hermann traf man sich erstmal zum Frühstück. Auch andere Jecke packen am Morgen vor der Wagenbauhalle säckeweise Kamelle in ihre Autos um.

"Da steckt man nicht drin"

Zwar ist die Stimmung am Rathaus nicht ganz so ausgelassen wie sonst, viele Fußgruppen insbesondere Musikkorps ziehen aber am Rathaus vorbei und fordern die Jecken immer wieder zum Schunkeln aus. Die Jecken Nina und Ela sind extra aus Hagen und Dortmund angereist. Besonders ärgern Nina die zeitweise blauen Flecken am Himmel. "Aber da steckt man nicht drin. Nachher kommt der Sturm doch noch und da sollte man kein Risiko eingehen", sagt Nina.

Auch Ines Osterkamp und Anke Sudbrock aus Düsseldorf haben Verständnis für die Entscheidung, dass der Zug abgesagt wurde. "Auch wenn es doch sehr traurig ist. Meine Tochter wäre eigentlich mitgegangen und wir haben uns extra Karten für die Tribüne besorgt, um sie live ziehen zu sehen", sagt Osterkamp. "Da steckt man aber nicht drin. Auch wenn schon einige Tränchen deswegen geflossen sind."

Nach etwa zwei Stunden ziehen die Mottowagen wieder vom Marktplatz ab und werden zurück in die Wagenbauhalle gebracht. Einige werden laut Tilly bereits morgen abgebaut. "Wir wollen ja beim nächsten Mal nicht mit alten Senf los ziehen", sagt der Wagenbauer. Wann der Rosenmontagszug nachgeholt werden soll, wird am Dienstag beim Zapfenstreich bekanntgegeben. 

Erzbischof schlägt 6. März als Nachholtermin vor. 

Schon kurz nach der Absage kam ein Terminvorschlag für den Nachhol-Zug ins Rathaus: Erzbischof Rainer Maria Woelki ließ über den Stadtdechanten Ulrich Hennes ausrichten, dass er mit einem Rosenmontagszug in der Fastenzeit kein Probleme habe – wenn er denn an einem Sonntag stattfindet. Die Sonntage zählen nämlich nicht zur Fastenzeit, sondern werden von der katholischen Kirche immer wie ein kleines Auferstehungsfest gefeiert.

Für besonders geeignet hält Woelki den 6. März, der im katholischen Kirchenjahr "Laetare", also "Freue dich" heißt. Stadtdechant Hennes, der Wolekis Rat an den Oberbürgermeister weitergab, stellte gleichwohl fest: "Der ideale Zeitpunkt für einen Rosenmontagszug ist die Karnevalszeit." Er fühle sehr mit den Jecken, die so viel Arbeit und Herzblut in die Zoch-Vorbereitung gesteckt hätten.

Ausfallversicherung soll Kosten decken

Das CC hat neben der Zugversicherung auch eine Ausfallversicherung abgeschlossen. "Ob diese ausreicht, kann ich nicht sagen. Dafür müssen wir die Rechnungen zum Beispiel von Sicherheitsfirmen, die wir engagiert haben, abwarten", sagt CC-Pressesprecher Hans-Peter Suchand, der nichts zur Höhe der Versicherungssumme sagen konnte. Die Kosten für die Wagen und Wurfmaterial hätte die Vereine ja gehabt - und das bliebe ja vorhanden. "Nur falls das Verfallsfdatum des Wurfmaterials ablaufen sollte, müsste man da nochmal nachkaufen. Ich sehe keine Kosten, die uns Bauchschmerzen bereiten würden."  

(isf)
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