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Kolumne Auf Ein Wort
Katerstimmung nach Weihnachten

Düsseldorf. Jetzt ist sie endgültig um - die Weihnachtszeit. Die Schule hat angefangen. Die Awista holt die Weihnachtsbäume ab. Am Dreikönigstag und heute feiern noch viele orthodoxe Christen ihr Weihnachten. Aber bald laufen auch die Heiligen drei Könige nicht mehr durch die Straßen, die Sternsingeraktion ist bald beendet. Das Jahr geht wieder in die Vollen.

"Die Weisen sind gegangen. Der Schall verklang, der Schein verging, der Alltag hat in jedem Ding nun wieder angefangen, nun wieder angefangen." So heißt es in einem Lied im evangelischen Gesangbuch, in den 1970er Jahren in Düsseldorf geschrieben und von dem hier lebenden Komponisten Oskar Gottlieb Blarr vertont. Es fängt wie kein anderes genau diesen Zeitpunkt ein: Die Katerstimmung nach den Festtagen, auch in unserer Stadt.

Ach doch, eine Sache findet noch statt: Der Weihnachtsgeschenkeverkauf für einen guten Zweck in der Johanneskirche am Samstag. Wenn das dann auch noch um ist, alle Geschenke umgetauscht und an den Mann oder die Frau gebracht sind und hoffentlich jeder etwas bekommen hat, was er gebrauchen kann, bleibt dann sonst noch etwas übrig vom Fest? Kann man vom Durchatmen zwischen den Jahren, an Weihnachten etwas Hinüberretten in dieses Jahr? Hier in Düsseldorf, mit den Herausforderungen, die sich auch im neuen Jahr weiterhin stellen? Genügend Wohnungen für Einheimische und neu Dazukommende? Ausreichend Kita-, Schul- und Ausbildungsplätze? Die neue U-Bahn in Betrieb zu nehmen und die Straßen so umzugestalten, dass der Verkehr fließt und die Menschen in der Stadt gut leben können? Und mit all dem, was Menschen persönlich auf dem Herzen haben und was auf ihnen lastet?

"Was soll ich weiter fragen, ich habe manches mitgemacht - wem trau ich mehr, der einen Nacht oder den vielen Tagen, oder den vielen Tagen?" Mit diesen Versen endet das Lied. Tja, wem ist mehr zu trauen? Den alltäglichen ambivalenten Erfahrungen, die jeder macht, oder dem "Fürchtet euch nicht" der Weihnachtsbotschaft in der Heiligen Nacht, in der Gott gezeigt hat, dass sein Platz tröstend und helfend und schützend bei allen Menschen ist?

Die Frage stellt sich immer wieder, wenn eine neue beunruhigende Herausforderung auf einen zukommt oder sich alles auf einmal zu verändern scheint. In meinem Bücherregal steht es in leuchtenden Neonlettern auf dunkelblauem Grund: "Fürchtet euch nicht". Ob das durchträgt? Ich weiß, viele probieren es aus, auch hier in Düsseldorf, auch dieses Jahr wieder.

PFARRERIN BARBARA SCHWAHN LEITET DIE ABTEILUNG SEELSORGE DES EVANGELISCHEN KIRCHENKREISES

Quelle: RP
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