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Düsseldorf
Kaum noch Kultur für den Norden

Düsseldorf: Kaum noch Kultur für den Norden
Alles muss raus: Im Café Startklar kann man noch bis Ende Juni das Inventar günstig erwerben. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Regelmäßig gab es im Café Startklar in Lohausen Veranstaltungen. Das Haus war sehr beliebt bei Künstlern. Ende Juni wird der Betrieb jedoch eingestellt, dann klafft kulturell in den nördlichen Stadtteilen eine große Lücke. Von Julia Brabeck

Seit über zehn Jahren betreiben Marie Heckhoff und Beate Vielhaus das Café Startklar an der Niederrheinstraße 182. "Wir sind stolz, dass wir das solange geschafft haben, denn in der Zeit haben wir viele andere Unternehmen kommen und gehen sehen. Jetzt ist aber leider auch bei uns Schluss", sagt Heckhoff. Der Grund ist, dass die beiden Gastronominnen das Rentenalter erreicht haben, Beate Vielhaus in den Ruhestand gehen will. "Ich hätte zwar gerne noch weitergemacht, aber alleine ist das nicht machbar", sagt Heckhoff.

Denn der Arbeitsaufwand ist groß, um das Einfamilienhaus aus den 1950er Jahren nicht nur als Café, sondern auch noch als Kulturstätte zu betreiben. Der Kuchen wird ausschließlich von den beiden Frauen selbst gebacken, die Räume eigenhändig geputzt, der Garten gepflegt, die Einkäufe erledigt und zudem für ein umfangreiches Kulturprogramm gesorgt. Geboten werden Lesungen, Musik, Kleinkunst und Ausstellungen. Dabei hat sich das Café Startklar über die Jahre einen so guten Ruf erworben, dass die Betreiberinnen schon lange nicht mehr selber auf die Suche nach Künstlern gehen müssen. Aus ganz Deutschland bewerben sich die Künstler, so dass das Haus immer ein Jahr im voraus ausgebucht war.

"Der Bedarf nach einer Präsentationsmöglichkeit ist riesig und wir hatten auch viele Wiederholungstäter zu Gast. Ich hätte deshalb zumindest den Kulturbetrieb ohne eine Bewirtung gerne weiter aufrechterhalten. Dazu wäre aber ein finanzielles Entgegenkommen unseres Vermieters, dem Flughafen, nötig gewesen. Der hatte aber nicht das geringste Interesse an der Fortführung unserer Aktivitäten", sagt Heckhoff. Sie ist deshalb auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten, um dort ein kleines Kulturhaus einzurichten.

Dabei soll der vor einem Jahr von ihr gegründete Verein Kunstsinnig seine Arbeit fortführen, der bisher die Verantwortung und Organisation der Kulturarbeit in den Räumen des Cafés übernommen hatte. "Ich würde gerne im Düsseldorfer Norden bleiben, denn hier sind wir inzwischen gut bekannt." Große Ansprüche an die neue Wirkungsstätte gibt es nicht. Sie könne sich eine schlichte Halle, ein kleines Haus oder die Mitbenutzung von Atelierräumen vorstellen, sagt Marie Heckhoff. Wert legt sie allerdings auf eine gute Anbindung an den ÖPNV. "Wie wichtig das ist, haben wir beim Café Startklar unterschätzt."

Bis Ende Juni ist das Haus an der Niederrheinstraße jetzt nur noch geöffnet. Das Kultur-Programm musste bereits gekürzt werden, denn Beate Vielhaus hat sich ein Bein gebrochen und fällt deshalb vollständig aus.

"Das, was wir vermeiden wollten, ist jetzt eingetreten. Ich stehe alleine da", sagt Heckhoff. Bis zum 30. Juni muss sie das ganze Haus leergeräumt haben. Das gesamte Mobiliar und Inventar steht deshalb zum Verkauf. "Wer Interesse hat, kann einfach zu den üblichen Öffnungszeiten vorbeikommen und sich umschauen." Und sich gerne auch verabschieden, denn eine Abschiedsparty wird es nicht geben.

"Das schaffe ich leider wirklich nicht, obwohl ich mich gerne bei den vielen treuen Gästen bedanken würde. Aber ich würde mich freuen, sie vielleicht bald an einem neuen Ort begrüßen zu können", sagt Marie Heckhoff. Das letzte Konzert mit Wolf Wiedemann ("Woodstock and more), der für Gitarren-Flair der 1960er und 1970er Jahre steht, findet am 9. Juni statt.

Quelle: RP
 
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