| 19.02 Uhr

Düsseldorf
Keime bei Frühchen: Schwere Vorwürfe gegen Klinik

Düsseldorf: Keime bei Frühchen: Schwere Vorwürfe gegen Klinik
Das Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf-Kaiserswerth. FOTO: dpa, fg htf
Düsseldorf. Der Vater eines Babys, das sich auf der Intensivstation des Florence-Nightingale-Krankenhauses in Düsseldorf mit dem VRE-Keim angesteckt haben soll, wirft der Klinikleitung einen nachlässigen Umgang mit Hygienemaßnahmen vor. Von Semiha Ünlü

Auf der Kinderintensivstation des Florence-Nightingale-Krankenhauses sind Sorgen um die Neugeborenen alltäglich. Dort werden Babys bereits ab der 23. Schwangerschaftswoche betreut – manche wiegen dann gerade einmal 400 bis 500 Gramm, sind geschwächt und man weiß oft über Wochen nicht, ob die Kleinen überleben werden. Eine qualvolle Zeit für die Eltern. So auch für Herrn S. (Name der Redaktion bekannt), dessen Kind vor wenigen Wochen als ein "Extrem-Frühchen" zur Welt kam und seitdem dort behandelt wird. Doch die Sorge um den Neugeborenen wurde auf einen Schlag sogar noch größer. Denn vor kurzem erfuhr der Vater, dass sich sein Kind auf der Station mit dem VRE-Keim angesteckt habe und erhebt Vorwürfe gegen die Klinik.

So habe man nicht alles unternommen, um die Ausbreitung des Darm-Bakteriums zu verhindern und die Einhaltung hygienischer Sicherheitsmaßnahmen sicherzustellen. Die betroffenen Eltern seien anfänglich nicht umfassend über die Vorfälle informiert worden. Stattdessen habe man versucht, die Fälle zu verheimlichen, so der Vorwurf.

V.l.: Krankenhausdirektor Holger Stiller, der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, Klaus Göbels, und Martin Andree Berghäuser, Leitender Oberarzt Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin bei der Pressekonferenz am Dienstag. FOTO: dpa, fg htf

Am Dienstagnachmittag hat sich das Krankenhaus an die Öffentlichkeit gewandt und bekannt gegeben, dass seit Anfang März bei 13 Frühgeborenen auf der Intensivstation Vancomycin-resistene Enterokokken (VRE) nachgewiesen wurden und zwei "extreme Frühgeborene" inzwischen verstorben sind. Bei den Todesfällen gebe es aber keinen Zusammenhang mit dem Keim, sagte Martin Berghäuser, Leitender Oberarzt der Station. Nachdem man bei einem Baby eine VRE-Infektion festgestellt habe, habe man alle Babys auf der Station untersucht und so das Ausmaß erkannt. Daraufhin seien alle betroffenen Babys isoliert worden, um eine Ausbreitung zu verhindern. Alle betroffenen Eltern habe man über die Vorfälle informiert, sagte Berghäuser. Nach der Entdeckung des VRE-Keims sei die Station zeitweise für Neuaufnahmen geschlossen worden. Die Mitarbeiter der Station seien einer zusätzlichen Hygieneschulung unterzogen worden. Auch das Gesundheitsamt habe man über die Fälle informiert. Lob gab es dafür vom Chef des Gesundheitsamts, Klaus Göbels: Denn schon vor Erreichen der Meldepflicht habe die Klinik der Behörde Meldung gemacht.

"Was uns so betroffen macht, ist die Häufung", sagte Berghäuser. Zwei Kinder hätten eine Infektion mit dem VRE-Keim, elf weitere eine "Besiedlung", also einen Nachweis des Keimes, ohne dass durch ihn eine Infektion ausgelöst worden sei. Die "Quelle" zu finden bzw. den Übertragungsweg nachzuvollziehen, sei bei Fällen dieser Art schwierig. So könnten Erreger von Außen in die Klinik "hineingeschleppt" werden. Auch einen nachlässigen Umgang mit Hygienevorschriften durch Mitarbeiter oder Eltern könne man im Einzelfall nicht ausschließen. Möglich sei es auch, dass man den Erreger in der Klinik "gezüchtet" habe, denn in der Intensivmedizin für Frühgeborene würden häufig Antibiotika eingesetzt.

So gefährlich sind Klinikkeime FOTO: dapd

Seit einer Woche seien keine neuen Fälle in Kaiserswerth dazugekommen: "Das bestätigt unseren richtigen Umgang." Keines der betroffenen "Frühchen" sei in einem kritischen Zustand: Fünf würden zurzeit noch auf der Intensivstation behandelt, sechs seien nach Hause entlassen worden. Berghäuser äußerte Mitgefühl für die Sorgen und Ängste der Eltern und bot weitere Gespräche an: "Vertrauen ist gerade auf der Kinderintensivstation wichtig." Wenn sich Eltern wegen der VRE-Fälle gegen eine Betreuung in Kaiserswerth entschieden, habe er für diese Entscheidung Verständnis.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Keime bei Frühchen: Schwere Vorwürfe gegen Klinik


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.