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Serie 11 Freunde
Kicken statt Klausuren

Düsseldorf. Wir überbrücken die Zeit bis zur EM mit Fußballgeschichten aus Düsseldorf. Heute: die Fußball-Liga der Heinrich-Heine-Universität. Von Ludwig Krause

Vor der Halle werden die letzten taktischen Absprachen getroffen, drei Jungs stecken die Köpfe zusammen. "Vorne machst du immer einen rein. Das sind alles keine Welttorhüter", sagt einer und nimmt einen Schluck Weizenbier. "Das Wichtigste ist, dass die Abwehr steht." Die beiden anderen nicken.

Dienstagabend, acht Uhr, Spieltag der Uni-Liga Düsseldorf. Draußen setzt Nieselregen ein, in der Halle riecht es genau, wie man sich eine vollbesetzte Fußballhalle eben vorstellt. Eine Mischung aus dem Boden, der Decke, dem Schweiß der Spieler. 20 Teams laufen auf. Es ist nicht der FC Bayern oder Borussia Dortmund, große Namen haben sich die Mannschaften aber trotzdem gegeben: Dynamo Tresen, Balladasdarein Istanbul, Sportfreunde Schiller, FC Schmerzgebirge Haue. Einmal in der Woche geht es für die Studenten nicht um Staatsrecht, Mediävistik oder Molekularbiologie. Es geht um drei Punkte, Sieg oder Niederlage. Fußball eben.

2009 ist die Liga in Düsseldorf an den Start gegangen. "Die Idee war, ein fakultätsübergreifendes wöchentliches Sportevent auf die Beine zu stellen", sagt Felix Klaus, Leiter des Hochschulsports an der Universität. "Seitdem ist sie immer professioneller geworden." Organisiert ist die Liga in einem deutschlandweiten Dachverband, der stellt auch ein Online-Portal zur Verfügung, bei dem sich mittlerweile fast genauso viel eintragen lässt, wie bei der Bundesliga: Spielberichte, Torschützen, Kartensünder, Fotos, Videos, Aufstellungen. Die Meister der Uni-Ligen tragen eine Champions League aus. "Aber nicht nur in der Organisation haben sich einige Dinge geändert. Auch viele der Teams sind ambitionierter als früher", sagt Klaus. Der Anspruch bleibt zwar nach wie vor, eine Liga für alle und jeden bieten zu wollen. "Das Niveau insgesamt ist aber gestiegen. Die Thekenmannschaften erkennt man mittlerweile sehr schnell", sagt er.

Sportfreunde Schiller ist eine Mannschaft der ersten Stunde, die Spieler kommen von der Philosophischen Fakultät. Manche spielen schon seit Jahren zusammen, an jenem Abend ist der Kader aber arg gebeutelt. "Das wird nicht leicht heute", sagt Sebastian. Der Kapitän gilt für gewöhnlich als ruhiger Zeitgenosse, als um 20.18 Uhr das Spiel gegen das Stiernackenkommando angepfiffen wird, ist damit aber Schluss. Von der Seitenlinie brüllt er die Kommandos aufs Feld, wenn er selbst spielt, brüllt eben jemand anders. Trotzdem läuft es nicht an diesem Abend: Früh liegt das Team 0:2 zurück, auch der Anschlusstreffer sorgt nicht für die Wende. Am Ende gewinnen die Stiernacken 7:2. Aber auch in der Uni-Liga ist nach dem Spiel vor dem Spiel. In der nächsten Woche geht es wieder ran, dann gegen die Graskloppers.

Alles wie immer in der Uni-Liga, und doch ist in dieser Saison alles ein bisschen anders. Während die Spiele normalerweise am Sportplatz der Universität ausgetragen werden, musste man dieses Jahr in die Cageball-Halle umziehen, weil die Stadt das Gelände zur Unterbringung von Flüchtlingen benötigte. Das Spiel ist nun schneller und dichter, die Mannschaften sind kleiner, die Partien kürzer. "Im Sommer planen wir noch ein paar Blitzturniere im Freien, damit alle auf ihre Kosten kommen", sagt Felix Klaus. Nächste Saison soll dann alles wieder beim Alten sein.

Übrigens: Meister wird fast jede Saison ein anderes Team. Zumindest in dem Punkt also deutlich spannender als die Bundesliga.

Quelle: RP
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