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Düsseldorf
Kimono ist unsere Leidenschaft

Düsseldorf: Kimono ist unsere Leidenschaft
FOTO: RED
Düsseldorf. Seit vier Jahren gibt es am Lehrstuhl Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität einen Kimono-Club. Dabei wird die traditionelle Bekleidung gelehrt - und das ist eine Wissenschaft für sich. Von Denisa Richters

Wenn sie Shoppen geht, ist Rebecca Hemer hochgradig gefährdet, zu viel Geld auszugeben. Trendige Boutiquen in Düsseldorf oder anderen europäischen Metropolen lassen die 27-Jährige allerdings komplett kalt. Sie wird schwach, wenn sie in Japan auf einen Kimono-Bazar geht. Denn inklusive aller Accessoires (Söckchen, Schuhen und Fächer) kann das leicht 60 000 Yen (etwa 400 Euro) kosten. Was noch günstig ist. Ein hochwertiger Kimono kann leicht ein paar tausend Euro kosten. Bei Sammlerstücken, wie sie gerade bei einer Schau in Krefeld zu sehen sind, ist die Skala ohnehin nach oben offen. Da kann manches Top-Label nicht mithalten.

Hemer studiert Modernes Japan und Anglistik an der Heinrich-Heine-Universität. Ihre Leidenschaft wurde geweckt, als sie in Japan lebte. "Dort habe ich ein halbes Jahr Kimono gelernt." Und das war erst der Anfang. Denn traditionelle japanische Kleidung erfordert eine besondere Technik - und die zu perfektionieren, kann viele Jahre, sogar Jahrzehnte dauern. Zurück in Deutschland wollte Hemer nicht "alleine im Kimono herumlaufen". Und so entstand vor vier Jahren die Idee, mit ein paar Freundinnen einen Kimono-Club zu gründen. Er ist angedockt an den Lehrstuhl Modernes Japan, das von der Professorin Michiko Mae geleitet wird. Anfangs waren es nur zwei Kimono-Begeisterte, inzwischen zählt der Club bis zu zehn Mitglieder.

Sarah Oiyama gehört zum Kern der Gruppe. Die 29-Jährige ist mit einem Japaner verheiratet, hat in Köln Modernes Japan studiert und ihre Abschlussarbeit über Kimonos geschrieben - Titel: "Das japanische Gewand im Wandel der Zeit". In der heutigen Form ist er seit dem neunten Jahrhundert bekannt. Die Technik ist damals wie heute eine Wissenschaft für sich. Da ist zum einen das Anlegen, das alleine zu bewerkstelligen ist und bis zu einer Stunde dauern kann. Der Unter-Kimono, der Kimono, der Untergürtel, der Hauptgürtel, Obi genannt, der vier Meter lang ist, und auf der Rückseite eigenhändig nach einer festgelegten Technik zu einer Schleife gebunden werden muss. Der Kragen, der so locker zu sitzen hat, dass er den Nacken freilässt.

Außerdem gibt es für unterschiedliche Zeiten verschiedene Kimono-Arten. Der Yukata ist für den Sommer, besteht aus sieben Teilen, ist aus Baumwolle und wird ohne einen zweiten Kimono darunter getragen. Im Alltag wird der Komon getragen. Er hat ein kleineres Muster, es variiert nach Jahreszeit. Chrysanthemen zum Beispiel werden im Herbst getragen. "Jede Blume steht für eine bestimmte Jahreszeit oder sogar für einen Monat", sagt Mae. Zum Ausgehen wird es mit dem Homongi feiner - er hat das Muster asymmetrisch nur an bestimmten Stellen der linken Seite, ist gewoben, bestickt oder bemalt. Ein Unterkimono ist Pflicht. Den Furisode, "winkender Ärmel" (wegen der extremen Länge dieser Teile), tragen unverheiratete Frauen.

Eine zentrale Rolle spielt der Obi. Der Gürtel wertet den Kimono auf, ist aus gewebter Seide, meist aufwendig bestickt und kann noch mal ein paar tausend Euro kosten. Auf einen Kimono sollten drei Obi kommen. Zum Kimono gehört auch die richtige Haltung. So legt die Frau die linke Hand über die rechte, so, wie auch der Kimono gebunden wird. Andersherum steht es für Tod. "In der Oper habe ich das schon oft falsch gesehen", sagt Mae.

Etwa 40 Kimonos besitzt Hemer. "Aber es sind nie genug!" Der nächste Besuch auf einem Kimono-Bazar kommt bestimmt.

Quelle: RP
 
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