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Düsseldorf
Kinder verschenken ihr Spielzeug

Düsseldorf: Kinder verschenken ihr Spielzeug
In der Kita Kleine Freiheit haben die Kinder gerne ihre Kuscheltiere oder auch Malbücher in einen Rucksack für Flüchtlinge gepackt. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Eltern der Kita Kleine Freiheit aus Flingern haben das Projekt "Hucke Pack - Gemeinsam Schultern" ins Leben gerufen. Es geht darum, Flüchtlingen eine Freude zu machen, und die eigenen Kinder für ihre Umwelt zu sensibilisieren. Von Tim Harpers

Cleo ist vier Jahre alt und geht in den Kindergarten. Jeden Morgen, fünf mal in der Woche, besucht sie die Kita Kleine Freiheit in Flingern. Als sie eines Nachmittags von ihrer Mama Rebecca Hillmanns abgeholt wird, macht die dem kleinen Mädchen einen ungewöhnlichen Vorschlag: "Sag mal Cleo, hast du vielleicht Lust, ein paar von deinen Spielsachen zusammenzupacken und zu verschenken?", fragt die junge Mutter. Das Kindergartenkind sieht die Frau fragend an.

"Weißt du, in unserer Stadt gibt es Kinder, denen geht es im Moment nicht so gut wie uns", erklärt Rebecca Hillmanns ihrer Tochter. "Die haben eine lange Reise hinter sich und überhaupt keine Spielsachen. Was meinst du, wollen wir nicht teilen und denen einen kleinen Rucksack zusammenpacken?"

Wenn Rebecca Hillmanns sich jetzt an diese Szene erinnert, muss sie lächeln. "Kinder haben wirklich ein großes Herz", sagt die Initiatorin des Projekts "Hucke Pack - Gemeinsam Schultern". "Meine Tochter hat da keinen Moment gezögert." Bei der Aktion, die sie gemeinsam mit ihrer Freundin Esther van Asselt konzipiert hat, geht es darum, Flüchtlingskindern mit kleinem Aufwand eine Freude zu bereiten, und gleichzeitig die eigenen Kinder für das Geschehen in ihrer Umwelt zu sensibilisieren.

Das Prinzip, das hinter "Hucke Pack" steht, ist denkbar einfach: In einer Kita, Schule oder anderen öffentlichen Einrichtung wird eine Liste ausgehängt, in die Spendenwillige sich eintragen können. Die Initiatoren sollten sich bestenfalls vorher mit einer der umliegenden Flüchtlingseinrichtungen in Verbindung gesetzt haben, um einen Bedarf zu ermitteln. Dann werden Rucksäcke befüllt. Rein darf alles, was dem eigenen Kind auch Spaß macht, wichtig ist nur, dass alles sauber und in gutem Zustand ist. Das können zum Beispiel Malutensilien, Kuscheltiere, Bilderbücher, Bälle, Autos und Puppen sein. Damit sich kein beschenktes Kind benachteiligt fühlt, sollten außerdem alle Rucksäcke in etwa gleichviel wiegen. Bei der Hucke-Pack-Aktion der Kita Kleine Freiheit hat sich eine Grenze von 1,5 Kilogramm bewährt.

Wenn dann eine bestimmte Anzahl von Rucksäcken zusammengekommen ist, werden sie an die Einrichtung übergeben - im Beisein der Kinder. Ein erster Versuch verlief erfolgreich. "Wir sind vor Kurzem mit den Kita-Kindern zum DRK-Flüchtlingsheim an der Moskauer Straße spaziert und haben den Familien dort 23 Rucksäcke geschenkt. Sie glauben gar nicht, was sich da für rührende Szenen abgespielt haben", sagt Hillmanns. Neben dem karitativen Charakter habe die Aktion noch etwas Gutes. Eltern hätten so einen Aufhänger, um ihrem Nachwuchs die Flüchtlingsthematik näher zu bringen. "Außerdem können die Kleinen so etwas über das Teilen lernen."

Im neuen Jahr wollen die beiden Freundinnen nun die Aktion nach Möglichkeit auf andere Kitas und Einrichtungen ausweiten. "Wir sind überzeugt davon", sagt Esther van Asselt. "Ich kann mir vorstellen, dass das auch für andere Eltern interessant ist." Hillmanns und van Asselt wollen einen Leitfaden erstellen und ihn an andere Einrichtungen weitergeben, "Wir haben schon eine E-Mail-Adresse eingerichtet", sagt van Asselt. Man könne sie unter huckepack@web.de kontaktieren und nach ihren Erfahrungen fragen. "So eine Aktion ist weniger Arbeit, als man denkt. Es ist nicht so schwierig, Kindern eine kleine Freude zu bereiten."

Auch Rebecca Hillmans Tochter Cleo ist glücklich. Und das obwohl sie um ein Handpüppchen, ein Malbuch und ein Set Glitzerstifte ärmer ist. Ob ihr das etwas ausmache, fragt ihre Mutter. "Nein", antwortet das Mädchen schüchtern, "gar nicht."

Quelle: RP
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