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Norbert Hüsson
Kinderhospiz ringt um Personal

Norbert Hüsson: Kinderhospiz ringt um Personal
Norbert Hüsson führt ehrenamtlich die Geschäfte des Fördervereins Kinder - und Jugendhospiz. FOTO: Thomas Busskamp
Düsseldorf. Der Vorsitzende des Fördervereins vom Regenbogenland spricht über Personalknappheit und den Neubau.

Gerade sind multiresistente Keime wieder in den Schlagzeilen. Sind die sogenannten Krankenhauskeime auch im Kinderhospiz ein Problem?

Norbert Hüsson Ein Problem nicht, aber sicher ein Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. Nicht selten kommen unsere kleinen Patienten bereits infiziert aus Kliniken zu uns - da sind wir gefordert, darauf zu achten, dass es keine Ausbreitung gibt. Wir richten für infizierte Kinder jeweils Quarantänezimmer ein. Und wir müssen jeden, der zu uns kommt, ob Eltern, Geschwister, Besucher und natürlich das Personal dafür sensibilisieren.

In Wuppertal hat kürzlich das Kinderhospiz Bergisch Land eröffnet. Bedeutet das fürs Regenbogenland eine Bereicherung oder ist das Konkurrenz ?

Hüsson Zunächst einmal ist es für die betroffenen Familien natürlich ein Segen, wenn es ausreichend Angebote gibt. Da von Konkurrenz zu reden, ist schwierig. Wir stehen nicht im Wettstreit um Patienten. Aber man muss bedenken, dass sich unsere Einrichtung überwiegend aus Spenden finanziert - und da muss man sehen, ob und wie sich auf uns auswirkt, wenn es einen weiteren Bewerber um Spenden gibt. Und wir stehen sicher auch im Wettstreit um qualifiziertes Personal, das gerade im Bereich der Kinderhospize nicht leicht zu finden ist.

Haben Sie denn genug Personal?

Hüsson Grundsätzlich ja, und das obwohl wir Leistungen erbringen, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden. Die Kassen halten einen Schlüssel von einer Pflegekraft für zwei bis drei Kinder für ausreichend - das sehen wir für eine umfassende Versorgung anders. Bei uns kommen auf drei Kinder zwei Pflegekräfte, wo es notwendig ist, gibt es sogar eine Eins-zu-Eins-Betreuung - und das bleibt auch so. Wir hatten aktuell aber auch ein paar Probleme, weil mehrere Mitarbeiterinnen wegen Schwangerschaft ausfielen. Das ist bei uns etwas anders als bei anderen Arbeitgebern: Unsere werdenden Mütter bekommen wegen ihrer Tätigkeit im Kinderhospiz meist sofort ein Arbeitsverbot. Das sorgt für Unruhe. Und das gilt nicht nur für das Pflegeteam, sondern auch für das Familienteam und sogar für die Geschäftsführung: Voriges Jahr hat auch unsere Geschäftsführerin Elternzeit genommen. Sie kommt aber zum Glück im Herbst wieder.

Mussten wegen der Ausfälle auch schon mal Patienten abgewiesen werden?

Hüsson Leider mussten wir, als alle ungünstigen Faktoren zusammen kamen, Eltern schweren Herzens auch schon absagen. Das kann und darf aber nur die ultima ratio sein.

Wirkt sich die hohe Fluktuation auch auf die Atmosphäre aus?

Hüsson Wir haben ein tolles, überwiegend aus jungen Schwestern bestehendes Pflegeteam und bilden in Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern auch Kinderkrankenschwestern aus. Ich ziehe meinen Hut vor allen, die sich in Pflegeberufen um ihre Mitmenschen kümmern und bewundere das Engagement. Hier kommt Beruf noch wirklich von Berufung. Gerade bei den besonderen Anforderungen eines Kinderhospizes. Neben der fachlichen Kompetenz ist da besonders viel Fingerspitzengefühl, auch im Umgang mit Eltern und Kollegen erforderlich, ebenso ein ausgeprägtes ethisches Empfinden. Auch das gehört zur (Aus)bildung - und daran arbeiten wir mit großem Nachdruck. Da setze ich große Hoffnungen in unseren neuen Pflegedienstleiter, den wir demnächst vorstellen.

Die Suche war nicht einfach.

Hüsson Stimmt. Und um noch mal zu verdeutlichen, wie schwierig es ist, geeignete Kräfte zu finden: Wir haben ein halbes Jahr lang, auch mit professioneller externer Hilfe nach einem geeigneten Mitarbeiter gesucht. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir ihn gefunden haben. Und wir haben dabei unsere Organisationsstruktur überarbeitet, der neue Pflegedienstleiter wird auch Mitglied der Geschäftsführung sein.

Noch mal zum Stichwort Spenden: Steht denn die Finanzierung des Jugendhospizes?

Hüsson Ja, zum überwiegenden Teil. Nur weil wir so viel Unterstützung erfahren, können wir überhaupt daran denken, im Sommer mit dem Anbau zu beginnen. Bislang hat das Jugendhospiz ja nur auf dem Papier bestanden.

Ist die Nachfrage nach Hospizplätzen für lebensverkürzend erkrankte Jugendliche tatsächlich so groß?

Hüsson Der Bedarf ist da. Das liegt auch daran, dass unsere kleinen Patienten glücklicherweise immer älter werden. Es ist ja auch nicht so, dass wir ein Haus für die Kinder und eins für Jugendliche machen - die Übergänge sind da fließend. Aber wir haben zum Beispiel einen Hebelift, der für Kinder ausgelegt ist - der ist für größere und schwerere Patienten nicht geeignet. Im neuen Haus wollen wir uns besser auch auf die über 14-Jährigen einstellen. Und bei der Gelegenheit auch im Kinderhospiz umbauen, so dass die Patientenzimmer mit einer Sauerstoffversorgung ausgerüstet sind. Bislang müssen unsere Pfleger umständlich mit Sauerstoffflaschen hantieren. Und die Zahl der beatmungspflichtigen jungen Patienten steigt, auch derjenigen, die nur für kurze Aufenthalte zu uns kommen.

Wie teuer wird der Neubau und wann soll er in Betrieb genommen werden?

Hüsson Derzeit liegt die Kostenrechnung bei 5,8 Millionen Euro, da kommen die Umbaukosten für das Kinderhospiz aber noch dazu. Insgesamt werden wir dadurch am Ende eine Nutzfläche von 2300 Quadratmetern dazugewinnen - hoffentlich ab Ende 2017. Wir werden manchmal gefragt, ob der Aufwand gerechtfertigt ist. Da kann ich nur zu einem Gespräch mit betroffenen Eltern raten.

Wie wichtig sind ehrenamtliche Helfer für die Arbeit des Kinderhospiz Regenbogenland?

Hüsson Unsere ehrenamtlichen Helfer sind unersetzlich. Nur mit ihrer Hilfe können wir die Aufgaben, etwa im Bereich der Kinder- und Geschwisterkinderbetreuung, am Empfang oder an Infoständen bewältigen. Glücklicherweise haben wir auch ein großes Angebot an Helfern - denen ich bei der Gelegenheit gerne besonders danken möchte.

Was sind neben dem erwähnten Bau die wichtigsten Projekte in diesem Jahr?

Hüsson Das wichtigste Projekt ist das Qualitätsmanagement: Einerseits ein Bürokratiemonster führt es aber andererseits zu einer Bewusstseinsbildung auch und grade zu den vorstehenden Themen. Hier werden wir in Form von Qualifizierungsmaßnahmen weiter in unsere Mitarbeiter investieren - zum Wohle unserer Kinder und ihrer Familien.

STEFANI GEILHAUSEN STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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