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Düsseldorf
Kirchen bieten Flüchtlingen Wohnraum

Düsseldorf: Kirchen bieten Flüchtlingen Wohnraum
Alaa (23, li.) und sein Bruder Mohannad (27) flohen aus der Hölle des syrischen Bürgerkrieges. Jetzt leben sie in einer Wohnung des SKFM. FOTO: Hans-J. Bauer
Düsseldorf. Die Zahl der Zufluchtsuchenden könnte sich verdoppeln. Die Stadt ist dankbar für jede Entlastung. Von Jörg Janssen

Der Druck bei der Unterbringung von Flüchtlingen wächst. Im Rathaus rechnet man damit, dass die Zahl Schutzsuchender im Stadtgebiet bis zum Jahresende auf bis zu 12.000 Menschen steigen könnte. Bereits im vergangenen Herbst hatte Papst Franziskus den Christen ins Gewissen geredet. "Ich appelliere an alle Pfarreien, religiöse Gemeinschaften, Klöster und Wallfahrtsorte in ganz Europa, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen", sagte er beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz.

Doch wie sieht es praktisch in den Gemeinden und kirchennahen Verbänden aus? Wo leben Flüchtlinge und in welcher Zahl? Dechant Michael Dederichs sieht die Düsseldorfer Christen auf einem guten Weg. "Zwei Flüchtlingsfamilien wohnen in den ehemaligen Pfarrhäusern von St. Benediktus und von St. Anna. Außerdem nehmen wir bald eine dritte Familie in einem Haus an der Niederkasseler Straße auf", sagt der Priester. Das stärkste Signal sieht Dederichs in der Übergabe der bislang katholischen Bunkerkirche an die koptisch-orthodoxe Gemeinde. "Wir verschenken die Kirche an die gewachsene Flüchtlingsgemeinde."

Ihre Türen öffnen auch zahlreiche evangelische Gemeinden. So leben im Freizeitheim sowie im Gemeindezentrum Am Straußenkreuz in Eller rund 95 Schutzsuchende. Und im ehemaligen Pfarrhaus wurde eine Wohngruppe für sieben Minderjährige eingerichtet. "Die Gemeinden sind da sehr offen", sagt Ulrich Erker-Sonnabend, Sprecher der evangelischen Kirche. Unterkünfte für Flüchtlinge gibt es auch in folgenden Gemeinden (in Klammern die Zahl der dort Lebenden): Luther-Gemeinde Bilk (5), Kreuz-Gemeinde Derendorf (1), Gemeinde Garath (12), Tersteegen-Gemeinde Golzheim (2), Christus-Gemeinde Oberbilk (8), Oster-Gemeinde Rath (11), Gemeinde Stadtmitte (eine Familie). Hinzu kommt eine Unterkunft des Kirchenkreises in Kaiserswerth (9) sowie drei Wohnungen, die die Gemeinde Oberkassel aktuell für drei Familien herrichtet.

Zwei, die von der Solidarität christlicher Gemeinden und Verbände profitieren, sind die Brüder Alaa Aljazairi Alhouti (23) und Mohannad Aljazairi Alhouti (27). Die beiden Muslime stammen aus Damaskus. Alaa, der Jüngere, ist Zahntechniker, möchte, wenn er gut genug Deutsch kann, Zahnmedizin studieren. Seit September ist er in Düsseldorf, sein älterer Bruder folgte ihm. Beide wohnen in einer Wohnung des Sozialdienstes katholischer Männer und Frauen (SKFM) in Derendorf. "Das sind Räume der ehemaligen Schwangeren-Beratung. Als die umziehen konnte, haben wir entschieden, daraus eine Wohnung für Flüchtlinge zu machen", sagt Gabriele Hellendahl, die beim SKFM die Sozialberatung leitet. "Auch ein Grundstück haben wir kostenfrei bereit gestellt kostenfrei", ergänzt SKFM-Geschäftsführer Heinz-Werner Schnittker. Auf dem Areal leben rund 150 männliche Flüchtlinge in Selbstversorger-Zelten. Gleich neben den Zelten finden Treffs und Sprachkurse statt, viele Ehrenamtliche aus der Bürgerschaft und den Kirchengemeinden beider Konfessionen helfen dabei.

Ähnlich wie im Linksrheinischen stellen auch die katholischen Gemeinden im Rest des Stadtdekanats einzelne Immobilien bereit. Beispielhaft sind zu nennen: das frühere Schwesternwohnheim in Kaiserswerth, zwei Wohnungen im Pfarrhaus-Komplex von St. Elisabeth und Vinzenz und eine Wohnung in der Gemeinde St. Margareta. Die Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit beherbergt 20 Flüchtlinge im alten Pfarrhaus Sankt Adolfus und die Altstadt-Gemeinde St. Lambertus hat der Stadt Wohnraum für Flüchtlinge an der Eiskellerstraße angeboten.

Dass die Kirche ihre Türen im Zweifel noch weiter öffnet, schließt Michael Dederichs nicht aus. "Bevor vom Schicksal schwer getroffene Menschen unwürdig draußen kampieren müssen, sollten wir ihnen auch die Kirchen selbst als Unterkunft öffnen", sagte er im letzten Herbst. Freilich müssten zuvor alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein. Populär sei ein solcher Gedanke sicher nicht, "aber er ist zutiefst christlich".

Quelle: RP
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