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Fünf Millionen Euro Schaden
Kirchenbrand: Dachdeckerfirma räumt Schuld ein

Kirche am Kirchplatz brennt
Kirche am Kirchplatz brennt FOTO: Olaf Thormaehlen
Zwei Tage nach dem verheerenden Brand der Kirche Sankt Peter nimmt die Dachdeckerfirma Maassen die Schuld für den Brand auf sich. "Wir haben den Brand verursacht", sagt Geschäftsführer Dieter Maassen. Am Donnerstag wurde die Schadenssumme bekannt: Experten gehen von mindestens fünf Millionen Euro Schaden aus.

Vom Dach ist im hinteren Bereich der Kirche nicht viel übrig geblieben. Klaffende Löcher, durch die der Regen ins Innere gelangt. Die Elektrik unter der berühmten 1,7 Millionen Euro teuren Göckel-Orgel ist durch Wasser zerstört. Durch das Löschwasser ist das Gewölbe vollgesogen. Es bestehe zwar keine akute Einsturzgefahr, doch den Innenraum dürfen zurzeit nur Ermittler und Statiker betreten – man will kein Risiko eingehen. Ein Notdach muss so schnell wie möglich angebracht werden.

Schon seit längerem war die Dachdeckerfirma Maassen - ein ausgewiesener Kirchensanierer - an der Kirche mit Dacharbeiten beschäftigt. "Vor anderthalb Jahren sind die ersten Steine aus dem Putz gebröckelt", sagt Pfarrer Paul-Ludwig Spies. Erst war die Seite längs der Elisabethstraße saniert worden, dann - seit Montag - das Querstück an der Kirchfeldstraße.

Am Mittwoch – der Tag des Brandes – dichtete die Dachdeckerfirma Maassen eine Rinne ab. "Dazu sollten mit einem selbstklebenden Kaltklebeband undichte Stellen abgedichtet werden", so Firmenchef Dieter Maassen gegenüber RP Online. Doch das Klebeband hielt nicht, der Untergrund war zu zu uneben. "Deshalb hat einer unserer Mitarbeiter mit dem Propanbrenner die Hitze des Klebers steigern wollen, um die Klebekraft zu erhöhen", erklärt Maassen weiter. Das war vermutlich der Auslöser. "Er hätte nicht mit offener Flamme arbeiten dürfen, obwohl er die Flamme nur dort entzündet hat, wo ausschließlich Mauerwerk war."

Womit der Arbeiter nicht gerechnet hat, war die Sogwirkung unterhalb des Daches. Denn in dem Moment, als der Klebstoff von unten erwärmt wurde, entzündete sich blitzschnell trockener Staub. "Diese entzündeten Stäube sind durch die Luft in den Innenraum geraten und unter die Holzschalung geraten." Beide Dachdecker erlitten durch die Flammen Verletzungen, wurden am Donnerstag aber wieder aus dem Krankenhaus entlassen. "Ihnen geht es einigermaßen gut", so Dieter Maassen. Er selbst führte bereits Gespräche mit seiner Versicherung. "Wir sind komplett und ausreichend versichert", so der Chef des Unternehmens, das in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen feiert. Zunächst greife sowieso erst die Gebäudeversicherung der Kirche, die dann wiederum seine Versicherung in Regress nehme. Die Ermittlungen laufen indes weiter, Gutachter prüfen den Schaden und die Brandursache.

Die Betroffenheit in der Gemeinde ist groß. Aber alle gucken nach vorne. Das Namensfest Peter und Paul, das am Sonntag, 1. Juli, eigentlich in der Kirche gefeiert werden sollte, wird am 1. Juli kurzerhand nach draußen auf den Kirchplatz verlegt. "Die Solidarität hier im Stadtteil ist einfach überwältigend," sagte Pfarrer Paul-Ludwig Spies gegenüber unserer Zeitung.  Unter anderem kam auch Weihbischof Rainer Woelki vom Generalvikariat aus Köln nach Düsseldorf. Alle nehmen Anteil, alle wollen helfen. So hat die evangelische Friedenskirche der Gemeinde Platz für die Messen angeboten.

Die Kirche, im Jahr 1898 erbaut, wird im nächsten Jahr 110 Jahre alt. Pfarrer Paul-Ludwig Spies glaubt nicht, dass die durch den Brand nötigen neuerlichen Sanierungsarbeiten dann schon abgeschlossen sein werden.

 
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