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Düsseldorf
Ein Leben fürs Riesenrad

Düsseldorf: Ein Leben fürs Riesenrad
Schausteller Willi Bruch erdachte, konstruierte und verbesserte vieles. Die Ergebnisse seiner Mühen machten vielen Kirmes-Besuchern Freude. FOTO: privat
Düsseldorf. Schausteller Willi Bruch ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Ihm ist das Riesenrad zu verdanken, das jedes Jahr auf der Rheinkirmes zu sehen ist. Die Geschäfte hat er vor Jahren an seinen Neffen Oscar junior übergeben. Von Hans Onkelbach

Die Lebensgeschichte des Willi Bruch ist rasante Bewegung und Nervenkitzel - höher, schneller, weiter, steiler würde als Motto passen. Millionen von Menschen haben das genossen, was er so liebte, erdachte, konstruierte, verbesserte und womit er sein Geld verdiente. Aber von diesen vielen Kindern, Frauen und Männern weiß nur ein Teil, wer er war und wie er zu einem der Könige der deutschen Kirmes wurde. Vor allem der in Düsseldorf, der Größten Kirmes am Rhein, der Heimatstadt des Bruch-Clans. Dort steht sogar jedes Jahr für neun Tage gleichsam ein Denkmal des Willi Bruch: das Riesenrad direkt an der Kniebrücke. Jeder Düsseldorfer kennt es, Zigtausende fahren an den Kirmestagen direkt daran vorbei, und unzählige Besucher haben in einer der Kanzeln des gigantischen, 50 Meter hohen Rades schöne Momente mit Blick auf den Rhein und das Volksfest erlebt. Zuerst als Verliebte, später mit den Kindern und noch später mit den Enkeln.

Willi Bruch und seine Familie - das ist eine der großen (und wohlhabenden) deutschen Schaustellerfamilien mit dem Kirmes-Gen. Urvater Emil Bruch kaufte zum Ende des 19. Jahrhunderts ein (eher kleines) Riesenrad aus Russland, damals etwas so noch nie Gesehenes, gebaut aus Holz, ein Dutzend Meter hoch und angetrieben von Hand. Immer mehr Fahrgeschäfte kamen hinzu, und wenn der heutige Firmen-Chef Oscar Bruch junior Bilanz zieht, kommt er auf Dutzende aufregender und Millionen Euro teurer Konstrukte, mit denen die unterschiedlichen Zweige der Familie durchs Land zogen. Einige waren sogar in Asien, Tourneen quer durch Europa waren üblich. Auf allen großen Festen dieser Art in Deutschland sind die Bruchs dabei - egal, ob Münchner Oktoberfest, Hamburger Dom, Cranger Kirmes in Herne oder eben Düsseldorf.

Fotos: Das sind die Fahrgeschäfte und Attraktionen FOTO: Martin Gerten

Willi Bruch, der die Firma gemeinsam mit Bruder Franz von Vater William übernommen hatte, blieb kinderlos, und daher einigte sich "Onkel Willi" mit dem heute 50-Jährigen Oscar auf die Nachfolge. Zu dieser Zeit war Oscar selbst schon sehr erfolgreich - natürlich als Schausteller, in der Nachfolge seines Vaters, Oscar Bruch sen., einer der Brüder Willis, ebenfalls ein Schausteller.

Als die Bruchs Ende der 1970er Jahre erstmals mit einer Looping-Achterbahn auf die Plätze kamen, war das eine Sensation - vor den Kassen bildeten sich lange Schlangen, der Euro-Star machte seinem Namen alle Ehre und lockte die Massen an.

Bei Onkel Willi blieb in dieser Zeit, auch als er die Leitung seiner Firma an Neffen Oscar jun. übergeben hatte, das Kirmes-Gen sehr aktiv. Er arbeitete im Schaustellerverband, und er blieb einer der wichtigsten Ratgeber seines Nachfolgers. Die beiden waren nicht nur verwandt, sondern auch Partner und Freunde. Vom Onkel konnte der junge Bruch (heute ist er 53) allerdings auch eine Menge lernen: Willi Bruch war ein Tüftler, er hielt einige Patente für technische Lösungen an "Fahrgeschäften", wie man diese technischen Wunderwerke im Amtsjargon nennt. Aber sein Liebling blieb das Riesenrad - und dass sich eines der langsam rotierenden Stücke Kirmesgeschichte aus dem Hause Bruch nun zum Jahresende auf dem Burgplatz dreht, hat Onkel Willi große Freude gemacht. Das wird es auch weiter tun und die Story erzählen von Willi Bruch.

Er selbst wird das nicht mehr sehen können: Er ist jetzt im Alter von 78 Jahren an den Folgen von Kopfverletzungen nach einem Sturz gestorben.

Düsseldorf: Der Aufbau der Rheinkirmes 2016 FOTO: Laura Ihme
Quelle: RP
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