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Rheinkirmes in Düsseldorf
Der Kirmes-Dino: So wird der Olympia-Looping aufgebaut

Düsseldorf: Der Aufbau der Rheinkirmes 2017
Düsseldorf: Der Aufbau der Rheinkirmes 2017 FOTO: Arne Lieb
Düsseldorf. Am 17. Juli beginnt die Rheinkirmes. Eine der größten Attraktionen ist der Olympia-Looping, die älteste mobile Achterbahn der Welt mit fünf Loopings. Ein Blick hinter die Kulissen beim Aufbau. Von Sebastian Fuhrmann

Jetzt muss alles klappen. Am Seil des Krans schwingt ein tonnenschweres Versatzstück. Vier Männer bringen es mit letzter Kraft in Stellung. Als alles sitzt, treibt ein Fünfter mit einem massiven Hammer einen Bolzen durch das Stück. Die Arbeiten, die die Männer verrichten, sind Schwerstarbeit. Am Rheinufer bauen sie eine 1100 Tonnen schwere Achterbahn für die Rheinkirmes auf, den Olympia-Looping.

Die höchsten Attraktionen auf der Kirmes FOTO: Andreas Endermann

Diese Bahn ist ein echtes Schätzchen. Sie ist die älteste transportable Achterbahn der Welt mit fünf Loopingschleifen und gehört der Schaustellerfamilie Barth. Beim Oktoberfest 1989 fuhren die ersten Gäste mit der Olympiabahn mit den fünf Ringen. Alle zwei Jahre ist sie in Düsseldorf zu Gast. Großfahrgeschäfte wie diese werden immer seltener, denn Aufbau und Transport sind teuer.

Hans-Werner Görgens leitet die Aufbauarbeiten des "Dinos". Er ist im Schaustellerbetrieb Barth so etwas wie der Geschäftsführer. Über Lautsprecher, die am Führerhäuschen des Lastenkrans angebracht sind, leitet er die Bauarbeiter an, auf die seine Kommandos niederscheppern. Görgens ist wie die meisten Schausteller seit Ewigkeiten im Geschäft und schon seit 30 Jahren im Betrieb, erzählt er. Der Ton auf der Baustelle ist rau, genau wie das Leben der Schausteller.

Die Rheinkirmes 2015 in Zahlen FOTO: Endermann, Andreas

Neun Männer arbeiten am Aufbau des Olympia-Loopings, der rund 16 Tage dauert, mit. Während des Auf- und Abbaus und auch während des Festes leben die Arbeiter in Wohnmobilen; Luxus gibt es kaum, einige Männer eines anderen Schaustellerbetriebs haben an den Geländern ihrer Wohnwagen Kübel mit bunten Blumen angebracht, um es etwas wohnlich zu gestalten. Die Arbeiter sind braun gebrannt, ihre Haut wird ledrig, denn meist arbeiten sie im Freien - mit nacktem Oberkörper. Nur Görgens und Chef Rudolf Barth, der den Aufbau nur noch sporadisch überwacht, tragen Hemd und dunkle Jeans.

Barth kennt das Geschäft seit mehr als 70 Jahren. Er sei Schausteller in der vierten Generation, berichtet er. Seine Stimme klingt verraucht. Während der Kirmes wohnt auch er in den Wohnwagen direkt neben dem Fahrgeschäft, die in Taxi-Beige gestrichen sind, was ihr Alter verrät. "Das ist mein Wohnwagen", sagt Barth mit rheinischer Aussprache und zeigt mit dem Finger darauf. An den Dächern einiger Wagen hängen Satellitenschüsseln. Die meisten Arbeiter, die beim Aufbau mit anpacken, kommen aus dem Ausland. Die Männer sprechen Deutsch, wenn sie untereinander sind, unterhalten sie sich aber auf ihrer Landessprache, häufig ist das Rumänisch.

Fotos: Das sind die Fahrgeschäfte und Attraktionen FOTO: Martin Gerten

Als Barth vom Leben als Schausteller erzählt, greift er in die Brusttasche seines Hemdes und holt ein Paket Schnupftabak heraus. Er klopft die Öffnung ein paar Mal auf seinen Handrücken, dann zieht er das braune Pulver durch die Nase. Mit einem roten Stofftaschentuch wischt er über Hand und Oberlippe. "In München ist die Bahn hier immer noch der Klassiker", sagt der 75-Jährige. "Obwohl sie schon so alt ist."

Vor 26 Jahren hatte er für das Fahrgeschäft, das bis zu 100 km/h schnell ist, 13 Millionen D-Mark bezahlt. Von Werner Stengel, einem deutschen Ingenieur und einem der berühmtesten Achterbahnbauer der Welt, hatte er die damals einzigartige Bahn prüfen lassen, erzählt er. "Passen sie mal auf, junger Mann. Heute würde das Ding 25 Millionen kosten. Euro."

Barth, der in Bonn zuhause ist, spricht mit deutlich hörbarem Stolz von seiner Bahn, die schon am kommenden Wochenende, zumindest was die Großteile angeht, stehen soll. Drei Tage vor dem Kirmesstart kommt der Tüv zur Abnahme. Bis dahin müssen die 1100 Tonnen Stahl verarbeitet sein, für deren Beförderung 50 Schwertransport-Fahrten notwendig sind. Bis dahin ist noch eine Menge zu tun. Überall liegen Einzelteile, nur die große Rutsche nebenan, auf der bald Kinder und Erwachsene auf Strohteppichen im Wettstreit nach unten düsen, ist fast fertig.

"In Düsseldorf ist alles ein bisschen schwieriger als woanders", sagt Geschäftsführer Görgens. "Wir müssen wegen unseres Standortes alles von der Vorderseite aufbauen, normalerweise bauen wir genau von der anderen Seite auf." Trotzdem kommt er gerne. Es sei ein guter Standort, beim letzten Mal sogar der beste gleich nach dem Münchner Oktoberfest.

Quelle: RP
 
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