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Guildo Horn im Interview
"Ich gehe den Kreuzzug der Zärtlichkeit"

Guildo Horn im Interview zur Rheinkirmes 2015 in Düsseldorf
FOTO: Endermann, Andreas (end)
Düsseldorf. Freitagabend tritt Guildo Horn bei der Rheinkirmes ab 21 Uhr im Schlösserzelt auf. Ein Gespräch über Kirmes, Schlager und Nussecken.

Herr Horn, essen Sie eigentlich wirklich so gern Nussecken? Stellen Sie sich vor, bei meinem Bäcker gab es keine!

guildo Horn Die Nussecken sind natürlich ausverkauft, das ist Doping für mein Konzert. Meine Mutter war immer eine passionierte Bäckerin, da bin ich kleben geblieben. Aber sie dürfen keinen Schokorand haben und brauchen einen flachen Teig, damit sie kross werden.

Was erwartet Ihre Besucher heute Abend auf der Rheinkirmes?

horn Meine Band "Die Orthopädischen Strümpfe" und ich präsentieren unser neues Album, das "Schlager Unser". Das ist wie ein kleines, warmes Herz, eine Art Patchwork aus unseren liebsten Schlagermelodien mit Zitaten aus Rock, Pop, Punk, allem. Also für Hörer aller Fachbereiche zu empfehlen.

Rheinkirmes: Das Programm der Bierzelte im Überblick FOTO: Endermann, Andreas

Sind Sie denn ein Kirmestyp? Eher Freifallturm oder Kettenkarussell?

horn Ich gehe echt gern auf die Kirmes, da hängen Kindheitserinnerungen dran. Früher in Trier beim Jahrmarkt, da hat mein Herz immer höher geschlagen, wenn ich die Musik gehört habe. Achterbahn geht gut, Freifallturm habe ich Angst vor. Kirmes ist einfach geil, das ist die Großbespaßung, die zu einem kommt. Sehr ursprünglich.

17 Jahre nach Ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest: Was hat sich bei Ihnen geändert? Hat Guildo uns immer noch lieb?

Horn Ach, eigentlich bin ich derselbe geblieben. Ich bin recht geradlinig meinen Weg gegangen, den Kreuzzug der Zärtlichkeit. Ich bin wohl immer noch einer der letzten Romantiker Deutschlands, vielleicht Europas. Das Feuer auf der Bühne ist bei mir nicht kleiner geworden. Und ich mache ja viele andere Sachen, spiele Theater, habe Weihnachtsmärchen für die ARD gedreht und teste für einen PayTV-Sender auch Bundesligastadien auf ihre Behindertentauglichkeit. Ich bin einfach breiter aufgestellt und gerne in den unterschiedlichsten Genres unterwegs.

Fotos: "Perfektes Promi-Dinner" mit Pietro Lombardi und Guildo Horn FOTO: VOX/Bernd Maurer

Schlager war wohl selten so gesellschaftsfähig wie heute. Helene Fischer etwa spielt in ausverkauften Stadien. Woran liegt das?

Horn 1990 haben wir unser Projekt "Die Rettung des deutschen Schlagers" gestartet. Damals wollte von Schlagermusik keiner was wissen. Mitte der 90er gab es dann überall Schlagerbands und der Schlager stand wieder in seiner Blüte. Das sind immer Wellen. Was Helene Fischer macht, finde ich eher antiseptisch, aber die Songs sind gut produziert. Davon abgesehen ist doch eh alles Schlager: Die "Hosen", die "Ärzte", Grönemeyer. Mit "An Tagen wie diesen" sind die "Toten Hosen" im Schlagerhimmel angekommen. Die Welt ist Schlager, Mission erfüllt.

Wenn man heutige Schlagerstars sieht, wirken Sie so herrlich deplatziert. Auszeichnung oder Kritik?

horn Ich sage immer: "We are here, because you are there." Die Orthopädischen Strümpfe stehen für handgemachte Musik, Spaß und Spontaneität. So ist das Horn eben, ein Mehreck; Fischer oder Gabalier sind Vierecke. Aber jeder wie er will. Ich fände es langweilig, wenn alles immer perfekt wäre.

Jubiläumskonzert: Bierbörse Opladen zum 20. Mal mit Guildo Horn FOTO: Miserius, Uwe

DAS GESPRÄCH FÜHRTE HENNING RASCHE

Quelle: RP
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