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Autoscooter auf der Kirmes
Lass uns 'ne Runde drehen!

Autoscooter auf der Kirmes: Lass uns 'ne Runde drehen!
FOTO: Bretz Andreas
Düsseldorf. Auf dem Autoscooter sind Väter und Söhne das beste Team, üben jugendliche Gelassenheit und lernen die Liebe kennen. Würdigung einer Attraktion, die nie aus der Mode kommt. Von Laura Ihme und Andreas Bretz (Fotos)

Entspannt sitzt Finn am Lenkrad. Ist doch alles nicht so schwer: Ein bisschen Gas geben, lenken, erst eine, dann zwei Runden drehen und schließlich mit voller Wucht in den nächsten Wagen fahren - so läuft es auf dem Autoscooter. Und zu einem Besuch auf dem Rummel gehört eine Runde auf der spiegelglatten Fläche des Scooters einfach dazu.

"Ich bin wegen meiner kleinen Schwester mitgefahren", sagt Finn später. Ist klar. "Naja, auch weil es Spaß macht." Und weil das mit dem Autoscooter ja auch irgendwie so ein Pärchending ist. Finn ist nämlich mit seiner Freundin Celine da. Die wiederum findet die wilde Fahrt ziemlich lustig, kreischt, wenn Finn zu rasant oder in ein anderes Auto fährt und krallt sich an seinem Arm fest. Ans Steuer darf sie aber nicht. "Das ist mir auf dem Autoscooter nicht so geheuer", sagt Finn grinsend. Celine grinst ebenfalls. Hach!

Der Autoscooter macht alle zu Helden FOTO: Bretz Andreas

Szenen wie diese spielen sich im Minutentakt auf dem Autoscooter ab. Verliebte und jene, die sich verlieben wollen, kommen einander näher, Mädchen kreischen, kichern, Jungs übertreffen sich gegenseitig darin, den lässigsten Blick aufzusetzen, es wird posiert, beobachtet. "Das ist ein bisschen so wie in der Disko, es läuft Musik, man steht am Rand oder fährt eine Runde", sagt Jerome Mienkotta. Als Teenie gehörte der 25-Jährige auch dazu, traf sich mit seiner Clique am Autoscooter. Weil das cool war. Es lief die beste Musik, und weil alle das Fahrgeschäft cool fanden, waren auch alle coolen Leute da. Heute steht Mienkotta nicht mehr am Autoscooter. Zusammen mit Michael Weber fährt er aber mit, in Erinnerung an die alten Zeiten, sozusagen - und sieht dabei immer noch ziemlich gelassen aus. "Allerdings war ich nie Fan von diesen Crashs. Ich bin lieber in Ruhe über die Fläche gefahren", sagt er. Weber sieht das anders: "Das ist doch das beste: andere Autos rammen."

Bevor Teenies, Verliebte und die Poser abends die Herrschaft über den Autoscooter übernehmen, ist er am Nachmittag Treffpunkt für Kinder und Familien. Väter, Mütter, Söhne, Töchter kurven über die Fläche. "Hauptsächlich fahren wir hier wegen der Kinder mit", sagt Stefan Cieslak, der gerade mit Sohn Lukas aus einem Auto steigt. "Aber es ist auch eine Erinnerung an unsere Jugend. Diese ganzen wilden Attraktionen gab es damals ja noch nicht", sagt seine Frau Alina. Für Kinder wie Lukas (11) und seinen Bruder Noah (7) ist die Fahrt auf dem Autoscooter dagegen ein Höhepunkt des Kirmesbesuchs. "Ich durfte lenken", sagt Lukas stolz. Und Noah durfte ein paar Crashs verursachen.

So war das Abschlussfeuerwerk der Rheinkirmes 2017 FOTO: Hans-Juergen Bauer

Der Autoscooter ist aber auch so etwas wie ein Paralleluniversum. Weil hier die Dinge erlaubt sind, die sonst verboten sind: ohne Gurt fahren, Unfälle bauen. "Man kann sich hier viel besser als im Straßenverkehr ausleben", sagt Bernadette und lacht. Sie teilt sich mit Freundin Antonia das Auto, am Lenkrad wechseln sie sich ab. "Das macht einfach Spaß, die anderen Mitfahrer anzugreifen", sagt Antonia. Kichernd und kreischend ziehen die Mädchen ihre Runden.

Auf dem Autoscooter haben sie alle Spaß: Kinder reizt die Herausforderung, die anderen zu jagen, Eltern fühlen sich an ihre Jugend erinnert, Mutige können ihren Mut unter Beweis stellen, Ängstliche von ihnen beschützt werden. Wer nur zuschauen will, kann das tun, wer selbst am Steuer sitzen will, gibt Gas. Für Jugendliche ist der Autoscooter noch viel mehr als ein Fahrgeschäft, er ist Treffpunkt, Partnerbörse, eine Station auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Kaum ein Fahrgeschäft auf der Kirmes bedient so viele Zielgruppen gleichzeitig. Auf der Rheinkirmes gibt es gleich mehrere Ausführungen von ihnen, der "Diamond"-Scooter von Dagmar Osselmann ist der größte davon. Ihre Familie betreibt seit Jahrzehnten Autoscooter. "Das ist immer zeitgemäß, weil wir auch mit Musik und Ausstattung immer mit der Zeit gehen. Und für die jungen Leute bleibt es ein Treffpunkt", sagt sie. Auch zum Verlieben: "Neulich kam ein Paar zu uns, das sich vor 20 Jahren an unserem Autoscooter kennengelernt und geheiratet hat."

Ob nun verliebt, noch nicht verliebt, jung, alt, mutig, ängstlich - eines haben die Mitfahrer auf dem Autoscooter alle gemeinsam: Wenn sie die Crashs überstanden haben, sind sie Gewinner. Der Autoscooter macht sie zu Helden.

 
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