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Serie Düsseldorfer Geschichten
Klein-Hollywood am Rhein

Düsseldorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte in Düsseldorf eine Filmindustrie entstehen. Der Traum platzte schon nach drei Filmen. Von Ludwig Krause

Zugegeben, in den Kategorien der Traumfabrik Hollywood wird man in Düsseldorf zwar noch nicht gedacht haben, aber zumindest den Filmstudios Babelsberg wollte man nach dem Zweiten Weltkrieg kräftig nacheifern. Ein bisschen Glanz des Filmgeschäfts am Rhein, das kam bei den Behörden an. "Ministerien, Stadtverwaltung und Handelskammer wollen Düsseldorf zu einer westdeutschen Filmstadt großen Ausmaßes machen", heißt es 1948 in einer Denkschrift bei Cineast Oskar Kalbus. "Die amtlichen Stellen erkennen, dass die Beheimatung einer schaffensfreudigen Filmwirtschaft nicht nur eine künstlerische Befruchtung, sondern auch ein finanzieller und wirtschaftlicher Gewinn für die Hauptstadt von Nordrhein-Westfalen werden kann."

Hochfliegende Pläne, denen zunächst aber tatsächlich Taten folgten. "Berlin befand sich nach dem Krieg in einer Insel-Situation, außerdem waren große Teile der Infrastruktur zerstört. Da kam den Alliierten die Idee, die Filmindustrie zu dezentralisieren", sagt Matthias Knop, stellvertretender Leiter des Filmmuseums Düsseldorf. Neben Wiesbaden, Göttingen und Hamburg eben auch in Düsseldorf. "Um es aber vorwegzunehmen", sagt der Experte: "Das hat überhaupt nicht geklappt."

1949 lief der erste große Streifen aus Düsseldorf in den deutschen Kinos. "Gesucht wird Majora" ist ein Kriminalfilm, gedreht wurde in einem Bunker an der Paulsmühlenstraße in Benrath, in der Altstadt und auf dem Rhein. "Der Spiegel" berichtete von der Premiere: "Im frisch renovierten Düsseldorfer ,Europa-Palast', mit 1800 Plätzen eines der größten deutschen Kinos, ging die Premiere vonstatten. Im Vorgefühl kommenden Glanzes als ,Filmstadt des Westens' ließ Düsseldorf vom Marx-Haus blau-goldene Fahnen über den Start des ersten in Düsseldorf gedrehten Nachkriegsfilms wehen."

Im Film geht es um die Jagd nach einer mysteriösen Formel. "Ein großes Werk der Filmkunst war das aber nicht", sagt Knop. Regie führte Hermann Pfeiffer, den man auch als Sprecher aus den Paul-Temple-Hörspielen kennen kann. "Es wurde möglichst billig produziert", sagt Knop. Filmstars sucht man unter den Schauspielern daher auch vergebens. Aber: "Gesucht wird Majora" hat trotzdem seinen Platz in der Filmgeschichte verdient. Der Streifen markiert den ersten Leinwandauftritt von zwei Männern, die später zu Lieblingen der Nation werden sollten: Willy Millowitsch und Heinz Erhardt machten in Düsseldorf ihre ersten Schritte im Filmgeschäft.

Produziert wurde der Streifen vom Düsseldorfer Unternehmen Euphono, dessen Gründer Franz Vogel war schon vor dem Krieg im Geschäft. Viel Erfolg war ihm aber nicht beschieden. "Gesucht wird Majora" sollten nur zwei weitere Filme in Düsseldorf folgen: das Melodram "Madonna in Ketten" und die Musical-Verfilmung "Hochzeit mit Erika". Bei letzterer bekam sogar die Düsseldorfer Kirmes an den Rheinwiesen einen Gastauftritt.

Es hätte funktionieren können: Kino war angesagt, um den Alltag zu vergessen. In Düsseldorf fehlte es aber einfach an allem: "Es fehlte das Kapital, die richtigen Leute. Eine Filmförderung nach heutigem Maßstab gab es damals auch nicht", sagt Knop. Außerdem rollte bereits die Welle ausländischer Filme auf den deutschen Markt zu. "Und die Filmszene in Berlin kam viel schneller auf die Beine, als manch einer erwartet hätte", sagt er.

In Düsseldorf bleibt noch einige Jahre eine Kurz- und Werbefilmszene erhalten, auch Franz Vogel steigt auf die Spartenproduktionen um. 1954, zwei Jahre vor seinem Tod, erscheint sein letztes filmisches Werk: "Einfache physikalische Versuche zur Anschnitt- und Gießtechnik". Der Traum von Klein-Hollywood am Rhein war da längst schon ausgeträumt.

Quelle: RP
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