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Düsseldorf
Kleinanleger in Zinsnot

Düsseldorf: Kleinanleger in Zinsnot
Nele Bosserhoff (3) mit ihrer Spardose in der Niederlassung der Stadtsparkasse Düsseldorf an der Berliner Allee. FOTO: thorsten breitkopf
Düsseldorf. Die Banken bewerben den Weltspartag. Für Kinder gibt's Geschenke, aber Zinsen aufs Sparbuch sind heute praktisch abgeschafft. Von Thorsten Breitkopf

Seit Jahrzehnten steht der Knax-Club mit seinen Comicheften über die Abenteuer von Dodo und Didi dafür, wie man Kinder an das Sparen heranführt. Menschen, die nach 1974 geboren wurden, sind die Knax-Club-Mitglieder lange vertraut, zumindest wenn sie irgendwie Berührung mit einer Sparkasse hatten. Gestern war wieder Weltspartag. Diesmal wurde ein neues Mitglied der Knax-Familie vorgestellt und als Stofftier verschenkt: Esmeralda. Und die ist ausgerechnet eine Schildkröte. Wie treffend, angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich Vermögen heute durchs Sparen vermehren. Denn seit nun mehreren Jahren liegt der Zinssatz auf dem Sparbuch nahe der Null-Linie. Ja manche Banken erheben sogar schon Negativ-Zinsen.

Wie also will man Kindern das Sparen nahebringen, wenn es gar keine Zinsen mehr bringt? Hat sich der Weltspartag erübrigt? Der Andrang gestern bei den wenigen Banken, die noch daran teilnehmen, sagt genau das Gegenteil. So war etwa Mathilda Osinski (4) mit einer Spardose voller Zwei-Euro-Stücke zur Sparkassen-Hauptstelle an der Blumenallee gekommen. Mit Vater Wolfgang, der sich als größter Befüller der rappelvollen Spardose wähnt. Mathildas Ziel: "Mein erstes Sparbuch, da kommt das Geld drauf." Und schon nach weniger als einer Viertelstunde hat sie - wie man es von früher kennt - ein kleines Sparbuch in der Hand, drin steht die stolze Summe von 182 Euro. Dass es darauf keine Zinsen gibt, ist Mathilda noch egal. Immerhin hat sie dank der sicheren Geldanlage nun noch eine Plüsch-Schildkröte und jede Menge Luftballons bekommen. Bei den Kindern funktioniert der Weltspartag auch ohne Zinsen.

Niklas Hanke (6) reagiert sehr clever auf die Niedrigzinsen. Er hat gar kein Konto bei der Sparkasse, genießt aber trotzdem die Kinderbespaßung. FOTO: thorsten breitkopf

Clever reagiert auf die Niedrigzinsphase hat der sechsjährige Niklas Hanke. Denn der hat gar kein Konto bei der Sparkasse. Ihn und seine Mutter lockten das Mini-Mathematikum, die Buttonbastelaktion, Kinderschminken und ein Glücksrad. Kein Problem, heißt es von der Bank, Weltspartag ist auch für Nichtkunden.

Bei der Sparkasse verteidigt man das Sparen - auch wenn es keine oder kaum Zinsen gibt. "Sparen ist auch ohne Zinsen sinnvoll. Erstens werden die Zinsen ja auch irgendwann wieder steigen, und zweitens macht es immer Sinn, sich einen Notgroschen zuzulegen", sagt Sparkassen-Mitarbeiter Armin Majic.

Linus Lütke-Holz (5) hat schon längst ein Sparbuch. Kein Wunder: Seine Mutter arbeitet bei einer Bank. FOTO: Thorsten Breitkopf

Und verblüffender Weise geben die Zahlen ihm Recht, die Düsseldorfer sparen trotz Null-Zins sogar mehr als früher. Zum Jahreswechsel lag der Einlagenbestand allein der Stadtsparkasse Düsseldorf bei 8,7 Milliarden Euro. Das waren 3,5 Prozent oder 297Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Die Summe aller Sparbücher belief sich auf 2,1 Milliarden Euro, die Sichteinlagen, also Guthaben auf Girokonten, betrug knapp 5,8 Milliarden Euro. Termineinlagen wie Festgelder machten 422 Millionen Euro aus. Der Rest entfällt auf Sparkassenbriefe und sonstige Einlagen. "Auch in 2017 ist der Einlagenbestand in den ersten acht Monaten weiter gestiegen", sagt Sparkassensprecher Gerd Meyer. Die genauen Zahlen will er in einigen Monaten präsentieren. "Der Weltspartag dreht sich ja nicht nur um Zinsen, bei der Sparkasse hat er auch keinen Bedeutungsverlust erfahren. Es geht darum, den jungen Menschen zu sagen: Eine Bank ist nichts Schlimmes", sagt Meyer.

Heute halten nur die Genossenschaftsbanken und Sparkassen am Weltspartag fest, der eigentlich die Finanzerziehung der breiten Bevölkerung zum Ziel hatte. Großbanken wie Commerzbank, Deutsche Bank oder HypoVereinsbank verschenken seit Jahren keine Plüschtiere mehr am Weltspartag an ihre Kunden. Die noch teilnehmenden Banken bewerben neben Einlagen heute an dem "Feiertag" auch Aktien- und Immobilienfonds. Das wird immer wieder von Verbraucherschützern kritisiert wegen mangelnder Eignung für die Zielgruppe.

Quelle: RP
 
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