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Düsseldorf
Klinik will "Flurbett"-Fall überprüfen

Düsseldorf. Eine 75-jährige Herz-Patientin hatte eine unruhige Nacht auf dem Flur des Dominikus-Krankenhauses verbringen müssen. Der Pflegedirektor kündigt nun Aufklärung an. Von Semiha Ünlü

Eine Nacht hatte eine 75 Jahre alte Patientin des Dominikus-Krankenhauses auf dem Flur verbringen müssen, weil kein Bett mehr frei war. Unter ihrer Bettdecke versteckte sie ihre Wertsachen, denn eine Möglichkeit, ihre Handtasche mit Geld und Hausschlüssel einzuschließen, hatte sie nicht. Auf die Frage, wo sie sich denn die Zähne putzen, zur Toilette gehen sollte, habe ihr das Pflegepersonal gesagt, dass sie in irgendein Zimmer gehen solle. Ein Einzelfall oder ein grundsätzliches Problem am Heerdter Krankenhaus, das zurzeit in einer großem Umbauphase ist?

"Der Fall ist nicht gut gelaufen", räumt Pflegedirektor Michael De Spirt auf Anfrage unserer Redaktion ein. Er stellt aber auch klar, dass solch ein Fall nicht zum Standard am Heerdter Krankenhaus gehört. Es gebe zwar in Heerdt wie an anderen Krankenhäusern manchmal Spitzenzeiten mit mehr Patienten als Krankenbetten. Doch in der Regel suche man in solch einem Fall das Gespräch mit anderen Kliniken in der Stadt und frage nach, ob der Patient dorthin verlegt werden könne.

Ob diese Kontaktaufnahme in dem Fall der 75-Jährigen, die in der vergangenen Woche eine Nacht und den darauffolgenden Tag bis zum Abend auf einem Flur gelegen hatte, erfolgt ist, wisse er allerdings nicht. "Ich würde mich gerne mit der Patientin austauschen und mehr Details erfahren", sagt De Spirt. Ihm liege viel daran, den Fall lückenlos aufzuklären. Der Pflegedirektor weist zudem darauf hin, dass überbelastete Kliniken manchmal nicht die Möglichkeit haben, Patienten zu anderen Kliniken zu verlegen, weil eben auch diese "voll" sein. "Das ist ein Problem, das auch andere Kliniken kennen", sagt der Pflegedirektor vom Dominikus-Krankenhaus.

Das bestätigt ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, ein Zusammenschluss der Krankenhausträger und ihrer Spitzenverbände, die 364 nordrhein-westfälische Krankenhäuser vertritt. "Es sollte nicht so sein, dass Patienten auf einem Flur untergebracht werden", so ein Sprecher. Doch in Einzelfällen passiere manchmal eben genau das, zum Beispiel zu Grippe-Welle-Zeiten: Dann könne es vereinzelt zu Betten-Engpässen in der einen oder anderen Klinik kommen. Beim vom Land geforderten Bettenabbau in Krankenhäusern müsse man deswegen "mit Augenmaß" vorgehen.

Auch im Hinblick darauf, dass zum Beispiel Patienten mit ansteckenden Krankheiten wie MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcusaureus), die in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben, isoliert werden müssen. Es müsse sichergestellt sein, dass genügend Kapazitäten da sind und dass bei der Bettenplanung nicht zu knapp kalkuliert werde, so der Sprecher. Die Kliniken in Nordrhein-Westfalen würden sich zudem darum bemühen, Patienten bestmöglich zu betreuen und eben zu verhindern, dass sie eine Zeit auf dem Gang verbringen müssen.

Quelle: RP
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