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Düsseldorf
Knock Out im Wohnzimmer

Düsseldorf: Knock Out im Wohnzimmer
Gemütliche Runde mit herzlichen Gastgebern: Die Krimis Cops Klaus Stickelbroeck, Martin Niedergesähs, Ingo Hoffmann und Carsten Rösler lasen gestern im Wohnzimmer von Peter und Brigitte Roßkothen (v.l.) und schätzten besonders den unmittelbaren Kontakt zu ihrem Publikum. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Privat-Besuch der Krimi-Cops: Das Autoren-Team stellte sein neuestes Werk vor - auf dem Sofa eines ehemaligen Kollegen. Von Stefani Geilhausen

Sie touren mit ihren Krimis durch ganz Deutschland, lesen in größeren und großen Sälen, und seit gestern ist damit Schluss. "Ich mach' nur noch Wohnzimmer-Lesungen", sagt Martin Niedergesähs. Schuld sind Brigitte und Peter Roßkothen, und wohl auch die RP, die kürzlich die allererste Wohnzimmer-Lesung der Krimi-Cops verlost hat. Und die ging gestern bei Gewinnerin Brigitte Roßkothen über die Bühne.

Genauer: Eben nicht über die Bühne. Roßkothens hatten Freunde eingeladen, sämtliche Sitzmöbel ins Wohnzimmer gestellt, und den Autoren das Sofa reserviert. Und die machten es sich sehr gemütlich, mit Chips und Nüssen, Alt und Cola. Und vor dem großen Glasaschenbecher. Rauchen dürfen Martin Niedergesähs und Ingo Hoffmann nämlich sonst bei ihren Lesungen nie.

Die Premiere hat aber noch mehr Besonderheiten. Das Wohnzimmer der Roßkothens ist bloß ein paar Blaulicht-Sekunden von jener Wache an der Wilhelm-Raabe-Straße entfernt, in der vor fast zehn Jahren alles begann. Da haben sie nach Schichtende im Keller gesessen und sich Geschichten aus dem Polizeialltag erzählt, und da ist die Idee entstanden, ein Buch zu schreiben.

"Stückwerk" hieß das erste, und es war Martin Niedergesähs, der die Feierabend-Kaffee-Idee umgesetzt hatte. "Er kam mit einer Diskette rein und sagte ,Ich hab' da schon mal angefangen'", beschreibt Klaus Stickelbroeck auch die Arbeitsweise, die das Team bis heute bei behalten hat: Jeder schreibt ein Stück, der nächste spinnt die Geschichte weiter, und so geht das bis Seite 200. "Dann wird's ernst. Dann müssen wir die Fäden, die wir vorher wild ausgelegt haben, langsam mal zusammenführen."

An dieser Stelle sagt Stickelbroeck bei Lesungen auch gerne, dass sie gewissermaßen wie im echten Polizistenleben mit einem Sachverhalt konfrontiert sind, und das Ende noch nicht kennen. Nur - und das ist die nächste Besonderheit an dieser Wohnzimmerlesung - den Roßkothens und ihren Gästen müssen sie den Polizeialltag nicht erklären. Peter Roßkothen gehörte bis zu seiner Pensionierung im Sommer 2012 selbst zur Inspektion Nord. Und auch unter den Gästen sind ein paar frühere Kollegen. Und die Nicht-Polizisten sind schon so lange ihre Freunde, dass sie eine Menge über den Beruf mitbekommen haben.

Profis also, die zustimmend nicken, als die Krimi-Cops über die Krimis lästern, die nicht von Polizisten kommen. Da wird die Polizeiarbeit ja meistens falsch dargestellt, und "SEK kann das Fernsehen überhaupt nicht", sagt Stickelbroeck, der das Manuskript von "Knock Out" in einem geflochtenen Einkaufskorb mitgebracht hat, wie man es sich auch bei Struller vorstellen könnte, dem Protagonisten der Cops. Der ist modisch auch nicht ganz auf der Höhe.

Als in diesem Weidenkörbchen eine Seite verloren geht, bricht keine Hektik aus. Im Wohnzimmer ist dann Pause angesagt. Das Chaos, sagt Peter Roßkothen mit einem Blick auf den Papierstapel, "das kenn ich noch von früher". Dann schenkt er noch mal Cola nach, und dann kommen sie ins Plaudern, die Cops und die Ex-Cops, über diesen und jenen Kollegen und über alte Zeiten, und darüber, dass Strullers Stammkneipe "Aquarium" die Eckener Stuben in Rath sind. Wenn dabei ein guter Spruch fällt, macht sich Martin Niedergesähs Notizen. Wobei die Roßkothens viel zu nette Gastgeber sind, um so etwas wie "Mit dir zu reden, ist wie in ein leeres Loch zu sprechen" zu Klaus Stickelbrock zu sagen. Das war Krimi-Cop-Kollege Carsten Rösler. Sei's drum: Das leere Loch werden wir im nächsten Cop-Krimi wiederfinden.

Dass es darin auch noch einmal ein Motorboot geben wird, das über die Kaimauer auf die Straße fliegt, ist allerdings auszuschließen. Kaum hatte Klaus Stickelbroeck nämlich wortreich erklärt, wie das Team sachliche Fehler vermeidet, outet sich einer der Ex-Kollegen als Wassersportler. "Wie soll das denn gehen?" Stickelbroeck pariert nach kurzer Schrecksekunde: "Hochwasser. Das Buch spielt bei sehr, sehr hohem Hochwasser."

Die nächsten Lese-Säle sind natürlich schon gebucht. Aber ins Wohnzimmer wollen sie auch wieder. In das der Roßkothens allemal.

Quelle: RP
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