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Düsseldorf
Koch will längeren Aufnahmestopp

Düsseldorf. Koordinierungskreis für Suche nach Flüchtlingsunterkünften eingerichtet Von Stefani Geilhausen

Wegen der Zerstörung der als Flüchtlingsunterkunft genutzten Messe-Lagerhalle will die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt heute um eine Verlängerung des Aufnahmestopps bitten. Die Bezirksregierung Arnsberg, die für die Verteilung der in NRW ankommenden Flüchtlinge in die Kommunen zuständig ist, habe nach dem Brand der Messe-Unterkunft spontan eine ein- bis zweiwöchige Zuweisungspause gewährt. "Aber ich denke, ich brauche noch weitere vier Wochen", sagte Miriam Koch gestern.

Rund 170 Menschen hat die Bezirksregierung in diesem Jahr jede Woche nach Düsseldorf geschickt. Mit dem Brand an der Messe waren allein 300 Plätze weggefallen, für weitere Unterkünfte mit 1738 Plätzen laufen in diesem Jahr die Mietverträge aus, ebenso viele wird die Stadt 2017 verlieren. "Wir müssen uns neu sortieren", sagt Koch. Über 100 zusätzliche Plätze verhandelt sie derzeit mit der Stadt Grevenbroich, die ihre Unterkunft derzeit nicht mehr braucht und Hilfe angeboten hat. Oberbürgermeister Thomas Geisel dankte auch anderen Kommunen für deren Hilfsbereitschaft. "Ich erhoffe mir dadurch eine Atempause für Düsseldorf - und eine Entlastung der angespannten Situation."

Für Entlastung soll auch neu eingerichteter Koordinierungskreis sorgen, in dem Polizei, Feuerwehr, Bauaufsicht, Gebäudemanagement, Sozialamt und die Wohlfahrtsverbände vertreten sind und sich unter ihren jeweiligen Fachaspekten mit dem Thema Notunterkünfte beschäftigen werden. Denn die Querelen in der Halle an der Messe, die schließlich in die verheerende Brandstiftung gemündet waren, hätten gezeigt, dass "problematische Unterkünfte regelmäßig auf bestimmte Kriterien überprüft werden müssen", so Koch. In der Unterkunft hatten mangelnde Privatsphäre, Unzufriedenheit mit dem Essen und Reibereien zwischen den dort untergebrachten alleinreisenden Männern unterschiedlicher Nationalitäten immer wieder zu Konflikten geführt. Das neue Gremium soll die jeweiligen Gebäude und deren Nutzung bewerten. Zu den Aufgaben, die derzeit in einem Katalog erfasst werden, soll auch gehören, das Personal in kritischen Situationen reaktions- und handlungsfähiger zu machen.

Neu sortieren muss die Flüchtlingsbeauftragte auch die Betreuung der Großunterkünfte. Denn die stellt ein nicht unwichtiges Geschäft für die Wohlfahrtsverbände dar. Aktuell hat das Deutsche Rote Kreuz mehrere Aufträge verloren, einen durch die Zerstörung der Unterkunft, andere, weil das Land die Quartiere aufgegeben hat. Die Leichtbauhallen, in denen sich die Flüchtlinge überwiegend selbst versorgen, werden vor allem von anderen Trägern betreut. Gemeinsam mit der Liga der Wohlfahrtsverbände will Koch nun ein System erarbeiten, das alle Träger möglichst gleich behandele.

Quelle: RP
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