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Kontroverse in Düsseldorf
Kö-Anlieger wollen moderne Leuchtstelen loswerden

Kontroverse in Düsseldorf: Kö-Anlieger wollen moderne Leuchtstelen loswerden
FOTO: Bretz Andreas
Düsseldorf. Sie sind lang, sie sind modern und sie wurden schon mit männlichen Geschlechtsteilen verglichen: Um die modernen Laternen auf der Königsallee streiten sich Anlieger und die Stadt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen. Von Sonja Schmitz

Auslöser für den Zwist war vor einigen Wochen die Installation von modernen Leuchtstelen am Corneliusplatz. Am Mittwoch kommender Woche treffen sich Mitglieder der Interessengemeinschaft Königsallee mit Oberbürgermeister Thomas Geisel, um über Pläne für eine Umgestaltung zu sprechen. Das sind die Positionen:

Wie hat sich Oberbürgermeister Thomas Geisel bislang geäußert? Er hat angekündigt, die Güte der Informationen zu überprüfen, mit denen die Öffentlichkeit über die Ausstattung des Corneliusplatzes mit den modernen Leuchtstelen, Pollern und Mülleimern, wie sie auch am Kö-Bogen stehen, unterrichtet wurde. Sollten sie nicht verständlich genug sein, signalisiert Geisel, sei er bereit, darüber zu sprechen. Er selbst findet die modernen Stadtmöbel "nicht so schlimm".

Welche Informationen zur Gestaltung des Corneliusplatzes wurden wann öffentlich? Für die öffentliche Sitzung des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung am 26. März 2014 gab es eine Vorlage, die das "Freiraumkonzept Kö-Bogen" auch für den Corneliusplatz konkretisiert. Dort finden sich unter dem Punkt Material- und Möblierungskonzept Bilder und Namen der modernen Möblierung. Die Vorlage wurde vom Rat beschlossen.

Was ist den Kö-Anliegern wichtig? Da sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft seit Jahren für den Erhalt der Prachtstraße engagieren, kritisieren sie, dass sie bei der Planung für die neue Gestaltung nicht einbezogen wurden: "Wir sind zu dem ganzen Komplex nicht gefragt worden", sagt Peter Wienen, Vorsitzender der IG Königsallee.

Die Mitglieder verstehen die Königsallee als Marke, die mit ihren klassischen einheitlichen Gestaltungselementen ihren besonderen Status zum Ausdruck bringt. Dazu zählen die Kandelaberleuchten und Poller im historisierenden Design ebenso wie der Zeitungskiosk. Dass nun am Corneliusplatz moderne Leuchtstelen installiert wurden, wertet Wienen als "krassen Stilbruch". Auf diese Weise erfahre die Kö ab der Blumenstraße eine Teilung. Wienen erinnert außerdem daran, dass die Stadt bei der 2004 ausgehandelten Terrassenordnung die Gestaltungselemente festgelegt hatte, um die Kontrolle über das einheitliche Erscheinungsbild der Kö zu behalten.

Auf Ablehnung stößt bei den Anliegern auch der Vorschlag des Oberbürgermeisters, Schrägparkplätze auf der östlichen Seite der Königsallee aufzugeben, um mehr Platz für Spaziergänger, Radfahrer sowie die Gastronomie zu gewinnen. Zum Erlebniswert der Kö zähle eben auch, dass dort immer wieder Kunden mit ausgefallenen Autos jenseits der Region anreisen, meint Wienen. Zusammen mit dem Kö-Graben und den Bäumen sei die gesamte Situation dort stimmig und attraktiv.

Wie beurteilt der Stadtbildpfleger des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges die Situation? Volker Vogel ist als selbständiger Architekt vom Fach. Er findet es "unglücklich", dass die Kö-Anlieger von der neuen Gestaltung durch die Stadt überrascht wurden. Transparenz gegenüber den Bürgern sei wichtig und wenn sie direkt betroffen seien wie die Kö-Anlieger, seien sie bei der Planung zu berücksichtigen. In Gestaltungsfragen macht Vogel keinen Hehl daraus, dass als Architekt und Jonges-Mitglied zwei Herzen in seiner Brust schlagen: "Der Corneliusplatz hat eine andere Physiognomie. Da stand keine historische Leuchte." Deswegen sei er kein Anhänger davon, dort nachträglich etwas Historisches nachzubilden, mit Blick auf die Interessen der Anlieger lehnt es aber auch nicht strikt ab.

Quelle: RP
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