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Raubüberfall in Düsseldorf
Kö-Juwelier: Kamen Räuber in Verkleidung wieder?

Düsseldorf. Die Polizei schließt nicht aus, dass die Täter, die am 5. Oktober ohne Beute das Juweliergeschäft Blome an der Düsseldorfer Kö verließen, am Dienstag zurückkehrten - allerdings als ältere Männer verkleidet. Sie erbeuteten mehrere Uhren von noch nicht bekanntem Wert. Von Stefani Geilhausen

Der Mann, der am Dienstag um kurz nach halb zwölf ins Geschäft kam, sah anders aus als die üblichen Kunden von Kö-Juwelier Blome: Er trug eine Strickjacke und ein Käppi mit Ohrenschützern. Doch noch bevor sich das Personal über das Outfit des bärtigen Mannes wundern konnte, zog ein gediegen gekleideter Kunde, der sich zuvor eine Uhr hatte zeigen lassen, plötzlich eine Schusswaffe und bedrohte die Angestellten.

Beide Männer versuchten vergeblich, mit einem Hammer eine der gläsernen Vitrinen zu zertrümmern, gaben schließlich auf. Der Bärtige in der Strickjacke griff schließlich nach mehreren Uhren in dem Schaufenster, während sein Komplize weiter auf die Mitarbeiter zielte. Mit der Beute, die der Mann in der Strickjacke möglicherweise in eine mitgebrachte Plastiktüte stopfte, stürmten die Räuber nach draußen, fuhren auf einem silberfarbenen Motorroller davon.

Womöglich war der Coup des Duos nicht nur gut vorbereitet, sondern schon der mindestens zweite Versuch. Denn erst am vorvergangenen Wochenende hatten zwei Räuber den Kö-Juwelier überfallen. Auch da hatten sie mit einem Hammer auf die Vitrinen eingeschlagen – und waren ohne Beute geflüchtet, als der Hammer dabei zerbrach.

Bande professionelle Diebe?

"Ob der Raub mit dem vorangegangenen Überfall in Verbindung steht, ist Gegenstand der Ermittlungen", sagte  eine Polizeisprecherin. Wichtigstes Hilfsmittel dürften dabei die Bilder aus der Überwachungskamera sein, die nun mit denen vom 5. Oktober abgeglichen werden müssen. Auf den ersten Blick scheint es keine offensichtliche Ähnlichkeit gegeben zu haben – die kindlichen Gesichter der gescheiterten Räuber vor zehn Tagen hätten die Mitarbeiter des Juweliers sonst sicher sofort erkannt.

Denn zumindest einer der beiden jugendlich aussehenden Räuber, die vor zehn Tagen ihren Hammer zerschlugen, war am vorigen Donnerstag – also nicht einmal eine Woche nach dem gescheiterten Überfall – erneut vor dem Laden aufgetaucht, dessen Türen nur auf Klingeln geöffnet werden. Die Angestellten hatten den Mann erkannt und natürlich nicht eingelassen. Doch bis die alarmierte Polizei kam, war der Täter wieder verschwunden.

Kam er nun in Verkleidung wieder? Oder gehört er zu einer ganzen Bande von professionellen Juwelendieben, hat bei seinem Wiederbesuch nur die Lage für Komplizen auskundschaften wollen? Auch das prüft die Kripo Düsseldorf zurzeit. Experten halten das nicht für unwahrscheinlich. Zumal derselbe Mann anhand von Fotos auch als der Räuber identifiziert worden ist, der Mitte September auf der Hohe Straße in Köln einen Juwelier überfallen hat – möglicherweise aber in anderer Begleitung als bei dem ersten Blome-Überfall.

Martin Winckel vom Internationalen Juwelierwarndienst schließt das nicht aus. Vielleicht waren die Täter auf Bestellung unterwegs, mussten ihren Auftrag unbedingt erfüllen, sagt der Mann, der seit Jahren Überfälle auf und Trickdiebstähle bei Juwelieren auswertet. Allerdings ist auch ihm unter den zehntausenden Taten, mit denen er sich befasst hat, noch keine derartige Serie untergekommen: "Selbst wenn es diesmal nicht dieselben Täter waren: Dass ein Juwelier innerhalb so kurzer Zeit drei Mal von Räubern heimgesucht wird – das gab es noch nie."

In der direkten Nachbarschaft hatte es immerhin fast ein Jahr gedauert, bevor 2005 vermutlich dieselbe Bande einen zweiten Versuch bei René Kern (heute: Bucherer) startete. 2004 war ein Kleinwagen am Panzerglas des Kö-Geschäfts gescheitert, die Täter zündeten ihn an und verließen den Tatort. Erst Jahre später wurde einer von ihnen aufgrund von Indizien verurteilt. 2005 hatten Räuber an einem Samstagmorgen das Geschäft gestürmt, ausgeraubt und mit Maschinenpistolen um sich geschossen. Auch sie hatten ihre Fluchtwagen verbrannt. Ihre wenigen Spuren verloren sich in den Niederlanden, der Fall ist bis heute ungeklärt.

Bei Blome, wo am Dienstag niemand für eine Stellungnahme erreichbar war, dürfte man sich nun auf höhere Auflagen von den Versicherern einstellen müssen. Martin Winckel hält die Klingel-Praxis allein nicht mehr für zeitgemäß. "High-End-Juweliere brauchen heutzutage Schleusen an den Türen – das macht für die Täter auch den Fluchtweg unkalkulierbar."

Quelle: RP
 
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