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Düsseldorf
Kommödchen-Chef sagt gegen Einbrecher aus

Düsseldorf. Mit 64 Jahren ist es für einen Theatermacher noch lange nicht zu spät für eine Premiere. Die erlebte Kai Lorentz als Chef des Kommödchens gestern, als er erstmals als Zeuge beim Amtsgericht auftrat. Für seine Aussage zu einem Einbruch in seine Kleinkunstbühne hatte er sich sogar aus dem Bett gehangelt, das er wegen Grippe eigentlich noch hüten sollte. Nur zum Urteil über einen 24-jährigen Angeklagten aus Duisburg reichte das nicht. Der Prozess gegen den jungen Mann wurde vertagt, der nächste Zeugenauftritt des Kommödchen-Chefs ist für Anfang März geplant.

In einer Aprilnacht 2014 soll der Angeklagte in der Kommödchen-Gastronomie zwei Geldkassetten sowie eine weitere Kassette im zugehörigen Getränkelager geknackt haben, die rund 2500 Euro enthielten. Eine Zigarettenkippe mit DNA-Spuren hatte die Ermittler damals auf die Spur des 24-Jährigen gebracht. Der gab gestern zu, dass er seit 2006 beinahe jährlich Anlässe zur Abgabe von DNA-Proben geliefert habe. Aber mit dem Kommödchen-Einbruch habe er nichts zu tun. "Meine DNA kann da überall sein, weil ich da so oft war, in den Toiletten, am Gefrierschrank oder im Medienraum." Dabei ging es dem Angeklagten aber nicht um Kulturgenuss, sondern bloß darum, einen Duisburger Kumpan (ohne Führerschein und Auto) etliche Male bei dessen Arbeit als technischer Mitarbeiter im Kommödchen-Ausschank spätabends abzuholen. "Das habe ich immer zwischen 22 Uhr und Mitternacht gemacht!" Von einem Einbrecher habe er am 17. April 2014 jedoch nichts bemerkt.

Theater-Chef Lorentz betonte als Zeuge, jener Eindringling von damals könne nur ins Haus gekommen sein, indem er sich einschleusen oder nach Ende einer Vorstellung dort einschließen ließ - und dann bis zur Ankunft der Putzfrau ("Die kommt traditionell um 8 Uhr") alle Zeit hatte, um das leere Theaterhaus zu durchforsten.

Der Angeklagte berief sich zur eigenen Entlastung auf seinen Kumpel, der demnächst dazu als Zeuge befragt werden soll. Zusätzlich will der Richter auch die Pächterin der Kommödchen-Gastronomie befragen - zu den Gesamtumständen des Einbruchs und dazu, ob jener Kumpan des Angeklagten als Mitarbeiter zuvor jemals aufgefallen war. Damit wurde der Prozess auf den 10. März verschoben - und bis dahin wird wohl auch die Grippe von Theaterleiter Lorentz auskuriert sein.

(wuk)
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