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Düsseldorf
Konvertit und Kaiserswerther Pfarrer

Düsseldorf: Konvertit und Kaiserswerther Pfarrer
Kurator Ralf-Günter Stefan vor einer der größten Bibeln, die in der Ausstellung in der Universitäts- und Landesbibliothek zu sehen ist. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Dem Priester, Dichter und Komponisten Kaspar Ulenberg widmet die Universitäts- und Landesbibliothek eine aufwändig konzipierte Ausstellung. Sein Leben ist auch ein Abbild der Epoche von Reformation und Gegenreformation. Von Alessa Brings

Die Erstausgabe von Kaspar Ulenbergs Bibelübersetzung sticht den Besuchern der Ausstellung sofort ins Auge. Bei diesem Werk handelt es sich um eine Prachtausgabe, die dieser Bezeichnung alle Ehre macht: 120 Holzschnitte mussten angefertigt werden, um die Erstausgabe fertigzustellen. 1614 hatte Ulenberg damit begonnen, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Erzbischof Ferdinand von Bayern hatte Ulenberg auf eine Empfehlung der Kölner Jesuiten damit beauftragt. Kurz vor Ulenbergs Tod 1617 beendete der Dichter und Theologe seine Arbeit. Durch den Beginn des Dreißigjährigen Krieges wurde die Revision aber erst 1630 veröffentlicht.

Im Foyer der Universitäts- und Landesbibliothek wurde gestern Abend die Ausstellung "Bibel, Psalmen, Kontroversen" eröffnet. Kurator Ralf-Günter Stefan begrüßte die Gäste im Vortragssaal der Bibliothek und führte in das Leben und das Werk Ulenbergs ein. Ein Teil der Exponate stammt aus seiner Privatsammlung. Auch die Uni-Bibliothek stellt ihre Sammlung zur Verfügung. Ergänzt wird die Ausstellung durch Leihgaben der erzbischöflichen Diözesan- sowie der Universitätsbibliothek in Köln. Durch sein großes Interesse an Ulenberg und an Literatur, steht Ralf-Günter Stefan regelmäßig mit der Düsseldorfer Universitätsbibliothek in Kontakt. Zudem ist er Geschäftsführer der Spee-Gesellschaft Düsseldorf, die sich unter anderem mit dem Dichter Friedrich Spee beschäftigt und sein Andenken pflegt. Es war Stefans Idee, ein Gemeinschaftsprojekt mit Düsseldorfer und Kölner Bibliotheken zu beginnen.

Kaspar Ulenberg wurde 1549 in Lippstadt geboren. Er wuchs in einem streng evangelischen Elternhaus auf. Trotzdem konvertierte er 1572 in Köln zur katholischen Kirche. 1571 war er von seinen Eltern nach Köln geschickt worden, um seinen Cousin Andreas Roder zu besuchen. Der war zum Katholizismus übergetreten und es war Ulenbergs Aufgabe, seinen Cousin zur Rückkehr in die evangelische Kirche zu bewegen. Dies schaffte er auch, fühlte sich nun aber selbst zum Katholizismus hingezogen. Dies führte schließlich zu seiner Konvertierung. Er blieb in Köln und beendete dort sein Studium der Philosophie und Theologie. 1576 empfing er die Priesterweihe und wurde für etwa zehn Jahre Pfarrer in Kaiserswerth. Dort begann auch Ulenbergs Tätigkeit als Dichter und Komponist. Er verfasste unter anderem Gedichte und theologische Texte. Die unterschiedlichen Facetten seines Lebens als Pfarrer, Schuldirektor und Universitätsrektor prägten seine Arbeiten. Zu seinen bekannten Werken gehört auch: "Psalmen Davids in allerlei Teutsche Gesangsreimen bracht", das 1582 erschien. Das Werk, in dem biblische Psalmen nachgedichtet werden, gehört zu den bedeutendsten katholischen Beiträgen zum Psalmlied der damaligen Epoche. Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist die Erstausgabe des "Trostbuch für die Kranken und Sterbenden", das Ulenberg 1590 in seiner Zeit als Seelsorger schrieb. Die Erstausgabe ist mit einer Widmung des Autors versehen. Auffällig sind die Verzierungen auf dem Papier der zusammengeklappten Seiten: Es sind Herzornamente. Alle ausgestellten Werke sind aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Neben den Exponaten kann man auch die Psalmen Ulenbergs bewundern. An einem elektronischen Bildschirm können Besucher sie abrufen und anhören.

Quelle: RP
 
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