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Düsseldorfer OB als Rotlichtgröße
Kostüm-Knigge? Gibt es nicht!

Bilder: Impressionen von der TV-Sitzung in Düsseldorf
Bilder: Impressionen von der TV-Sitzung in Düsseldorf FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Düsseldorf. Die Verkleidung des Oberbürgermeisters hat für Diskussionen gesorgt. Alles erlaubt im Karneval? Jein, sagt die Erfahrung. Ein unklug gewähltes Kostüm kann auch zum Bumerang werden. Aber die Freiheit der Narren ist grenzenlos. Von Stefani Geilhausen, Arne Lieb und Denisa Richters

Erlaubt ist, was gefällt, heißt es beim Comitee Düsseldorfer Carneval - im Karneval soll jeder selbst entscheiden, was er aus sich macht. Nicht einmal die Polizei hat Einwände: Wer sich als islamistischer Gotteskrieger oder Terrorist verkleiden möchte, der kann das tun. Muss nur eben damit rechnen, alle paar Meter kontrolliert zu werden. "Provokation ist schön und gut, aber wer Sicherheitsorgane provoziert oder anderen Angst macht, muss die Konsequenzen tragen", heißt es aus dem Präsidium. Man setze im Straßenkarneval auf den gesunden Menschenverstand.

Was auch im eigenen Hause allerdings nicht immer funktioniert hat: Ein früherer Präsident, der gerne Karneval feierte und auch seiner stets fantasievollen Verkleidungen wegen gern gesehener Gast im Winterbrauchtum ist, hatte sich Ende der 90er Jahre in einen gestreiften Sträflingsanzug gehüllt - was ihm viele Lacher eintrug. Doch als der Polizeichef später wegen seines unglücklichen Agierens in diversen Krisen massiv unter Druck geriet, war das Karnevalsfoto plötzlich überall präsent. Der Mann im Strafanzug bekam eine ganz neue Bedeutung, als der Minister ihn schließlich in den Ruhestand versetzte - das Knacki-Kostüm war sicher nicht die beste Wahl.

Schwierig: Das Mafioso-Kostüm kann einem Banker schon mal auf die Füße fallen, wenn er nach Karneval in die Kritik gerät. FOTO: Andreas Bretz, Hans-Jürgen Bauer

Nun muss auch Oberbürgermeister Thomas Geisel eine Diskussion um seine Verkleidung ertragen. Er erschien zur Fernsehsitzung als Rolichtgröße Bert Wollersheim. Darüber können nicht alle lachen - und die lange Liste an Kostüm-Possen in Düsseldorf ist jetzt noch länger.

Unvergessen ist der Fall Heinz Martin Humme. Der war gerade zwei Jahre Chef der Stadtsparkasse, als er 2007 Rosenmontag als Mafioso verkleidet erschien. Dunkler Nadelstreifenanzug, Hut, Sonnenbrille, dreckiges Grinsen. Also das Gegenteil von dem, wie man sich einen Mann vorstellt, dem man sein Geld anvertraut. Auch dieses Kostüm wurde zum Bumerang - mancher sah darin schon einen Hinweis darauf, was sich ein Jahr später ereignete: Humme geriet in einen Skandal um ungesicherte Kredite für Unternehmer Franjo Pooth. Schließlich musste er seinen Posten räumen. Ein Gerichtsverfahren wurde später eingestellt, das Geldinstitut musste ihm Schadenersatz zahlen.

Aus Sicht der Karnevalisten widersprechen alle Kostüm-Diskussionen der Idee des Winterbrauchtums. "Im Karneval darf man jeder sein, ob Senftube oder Rotlichtgröße", sagt der Kabarettist und Ex-Hoppeditz Jürgen Hilger-Höltgen. Genau das sei die Narrenfreiheit, die den Karneval ausmache. "Wer nackt mitfeiern will, soll auch das tun." Auch Coordt von Mannstein, der mit seiner Agentur seit Jahrzehnten Wahlkämpfe von Politikern begleitet - unter anderem von Ex-OB Dirk Elbers -, sieht kein Problem darin, wenn Politiker Mut zu schrillen Kostümen haben. Geisels Kostüm fand er trotzdem "haarscharf daneben". Seine Empfehlung: "Ich würde einem Politiker immer davon abraten, sich als lebende Person zu verkleiden. Das kann sich rächen." Dies gelte vor allem für eine "fragwürdige Figur" wie Wollersheim.

Nicht schwierig: Im Überstunden- und Facebookstreit zwischen dem damaligen CDU-OB und der Feuerwehr bewies die SPD in Uniform Solidarität. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Quelle: RP
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