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Düsseldorf
Kreative ergründen Kraftwerk-Mythos

Düsseldorf. "Schock" lautete das Motto des Tages der Veranstaltungsreihe "Creative Morning". Im ehemaligen Kling-Klang-Studio der Düsseldorfer Elektronik-Pioniere sprach Musiker Rüdiger Esch über das erfolgreichste Album der Band. Von Dagmar Haas-Pilwat

Das Schild mit dem leicht verblichenen Schriftzug "Elektro Müller" hängt immer noch über der Toreinfahrt an der Mintropstraße 16. Schließlich befand sich dort im Hinterhof jahrzehntelang der gleichnamige Fachbetrieb. Und zwar im ersten Stock. Wer die Tür darunter öffnet, der steht im alten Kling-Klang-Studio, das Florian Schneider, der zusammen mit Ralf Hütter 1970 die Elektropopband Kraftwerk gründete, einst im Jahre 1969 angemietet hat.

Seit einem halben Jahr nutzt Philipp Maiburg, der auch das Open Source Festival veranstaltet, den lange brach liegenden 50 Quadratmeter großen Raum als Plattform für Konzerte junger Künstler. Doch gestern Morgen um 8.30 Uhr, angeblich soll man dann am besten denken können, ließ dort vor einer illustren Gesellschaft aus Grafikern, Web-Designern, Fotografen, Künstlern, Musikern und Kunstförderern, Rüdiger Esch die Anfänge der Techno-Pioniere Kraftwerk Revue passieren.

"Schock" lautete das Motto. Denn Esch (49), seines Zeichens Düsseldorfer Musiker, Autor des Buches "Electri_city - Elektronische Musik aus Düsseldorf" und Mit-Organisator der ersten internationalen Konferenz für elektronische Musik Ende Oktober im NRW-Forum sowie Congress-Center, sollte über Schockzustände berichten. Und zwar über solche, die die "Autobahn", die erste vollelektronische Kraftwerkplatte, im November des Jahres 1974 quasi als Initialzündung elektronischer Musik ausgelöst hat. So wie Memphis für den Rock 'n' Roll gilt Düsseldorf als Mekka der elektronischen Musik. Wenn das stimmt, dann ist das Kling-Klang-Studio das Bernsteinzimmer des Elektro-Pop.

Sozusagen im Maschinenraum von Kraftwerk erlaubte sich Esch - launig-süffisant - Ausflüge in die Annalen der berühmten Band. Denn den Grundstein legten das Duo Ralf Hütter und Florian Schneider bereits 1970 mit der Platte "Kraftwerk", auf der - ganz puristisch - zwei rot-weiße Pylone als Cover-Motiv dienten. Die beiden Pylone stehen übrigens immer noch im Innenhof an der Mintropstraße.

Mit alten Fotos und Original-Platten aus der Zeit untermauerte Esch seinen Vortrag rund um "Autobahn", das zudem das erste Lied von Kraftwerk ist, bei welchem Gesang eingesetzt wurde. Bekannt ist vor allem die immer wieder auftauchende, refrainartige Textzeile "Wir fahr'n, fahr'n, fahr'n/auf der Autobahn", die in Amerika als "Fun, Fun, Fun / auf der Autobahn" missverstanden wurde und so für einen echten Hit in den Charts sorgte.

Mit weiteren Missverständnissen aus dem Kraftwerk-Kosmos sowie der eingehenden Betrachtung des bis heute bekanntesten und am besten verkauftesten Kraftwerk-Albums, würzte Rüdiger Esch seinen kurzweiligen Vortrag. Der dauerte dann doch länger als die geplanten 22 Minuten und 30 Sekunden - die Länge der ursprünglichen Version von "Autobahn".

Quelle: RP
 
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