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Düsseldorf
Kreative Idee für die Hollandsiedlung

Düsseldorf: Kreative Idee für die Hollandsiedlung
Die Hollandsiedlung um das Jahr 1980 - zwei Jahrzehnte zuvor wäre sie beinahe abgerissen worden. FOTO: Hans-Jürgen Rosteck, Tanja Karrasch (2)
Düsseldorf. In den Häusern in direkter Flughafennähe leben kaum noch Privatpersonen. Der Flughafen vermietet hauptsächlich an Gewerbetreibende. Der Heimatverein möchte die Siedlung zu einem Künstlerquartier machen. Von Tanja Karrasch

Die Flugpassagiere haben den Moment herbeigesehnt: Die Maschine hebt endlich ab, Düsseldorf wird zur Miniaturlandschaft, der Urlaub beginnt. In der Hollandsiedlung ist es zeitgleich so, als hätte jemand die Pausetaste am Fernseher gedrückt: Das Gespräch wird mitten im Satz unterbrochen, alle halten inne, warten, bis der ohrenbetäubende Lärm vergeht, dann wird weitergesprochen, als wäre nichts passiert. Ursula und Hubert Santen haben sich an das Geräusch längst gewöhnt. "Das erste Flugzeug ist unser Wecker", sagt Ursula Santen. Die Rentnerin lacht. "Immer pünktlich gegen sechs." Auf der Terrasse mit Blick in den Garten herrscht Idylle, die zerstört auch der Fluglärm nicht. Ein Flechtkorb mit Zierkürbissen dient als Herbstdeko, pinkfarbene Begonien haben sie in die Blumenkästen gepflanzt. Seit über 50 Jahren wohnen die Santens an der Lilienthalstraße, und sie wollen bleiben: "Wir haben Wohnrecht auf Lebenszeit", sagt Ursula Santen.

Ihren Ursprung hat die Siedlung, die aus Lilienthalstraße, Bredelaerstraße, Alter Flughafenstraße und Köhlstraße besteht, einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. 1928/29 wurden die Häuser von Holländern gebaut, um darin Invalide unterzubringen, erklärt Siegfried Küsel vom Heimat- und Bürgerverein Lohausen-Stockum. Später wurde die Siedlung zum reinen Wohngebiet, bis der Flughafen in den 60er Jahren ihren Abriss plante. "Wegen des Lärms, da wurden ganze Straßenzüge in Lohausen abgerissen", erinnert sich Küsel. Der Heimatverein setzte sich dafür ein, die Siedlung zu erhalten - und so kam es auch.

Siegfried Küsel ist der Vorsitzende des Heimat- und Bürgervereins. FOTO: Tanja Karrasch

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Nachbarschaft jedoch drastisch gewandelt. Früher, da wohnten hier Ehepaare, Familien. Die Santens selbst haben hier drei Kinder großgezogen. Heute haben sie kaum noch "echte" Nachbarn. "Viele sind gestorben, andere weggezogen", sagt Ursula Santen. Stattdessen zogen Selbstständige und kleine Firmen in die umliegenden Häuser. Der Flughafen Düsseldorf, dem die Siedlung gehört, will das so. "Grundsätzlich vermieten wir hier in Flughafennähe als Eigentümer einiger Objekte an Gewerbetreibende, um privaten Nutzern ein Ausweichen in ruhigere Gebiete zu erleichtern", erklärt ein Sprecher. Ursula Santen stört das nicht. "Die sind alle nett", sagt sie. Einige haben ihre Geschäftsräume in der Hollandsiedlung schon seit vielen Jahren, es besteht netter Kontakt. Nur abends ist keiner mehr da.

Während jedoch der Garten der Santens gepflegt ist, wuchern in umliegenden Gärten Brennnesseln, Löwenzahn und Giersch. "Die Gewerbetreibenden wissen nichts mit den großen Gärten anzufangen", sagt Siegfried Küsel. Das könnte man doch besser nutzen, dachten sich die Mitglieder des Heimatvereins. Die Idee: In leerstehenden Immobilien könnten nach und nach Künstlerateliers entstehen. Die Kreativen könnten dann die großen Hinterhöfe und Rasenflächen gemeinsam nutzen, vielleicht Ausstellungen veranstalten, mit Kaffee und Kuchen für die Lohausener und andere Interessierte, erklärt Küsel. Schon vor vier Jahren habe er die Idee der Flughafen Düsseldorf Immobilien GmbH vorgestellt, auf Begeisterung sei er da nicht gestoßen. Daran kann man sich am Flughafen jedoch nicht erinnern: "Die Pläne, aus der sogenannten Hollandsiedlung in Lohausen einen Künstlerstandort zu machen, sind uns nicht näher bekannt. Von daher ist es schwierig, hierzu etwas zu sagen", heißt es.

Hubert und Ursula Santen fühlen sich in der Hollandsiedlung seit vielen Jahren wohl. FOTO: Tanja Karrasch

Stefan Golißa (CDU) findet die Idee des Vereins grundsätzlich interessant, "sofern da Interesse auf Künstlerseite besteht." Der Bezirksbürgermeister wäre bereit, zwischen Heimatverein und Flughafen zu vermitteln. Golißa vermutet: "Der Flughafen möchte die Objekte sicher nicht für weniger Geld abgeben. Wenn die Mieteinnahmen bei Künstlern die gleichen wären, wäre es dem Flughafen sicherlich egal, wer dort einzieht."

Quelle: RP
 
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